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„RND vor Ort“ mit Annalena Baerbock: „Es wird in den nächsten Wochen so spannend wie noch nie“

  • Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock war am Donnerstagabend Gast des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) in Hannover.
  • Sie zeigte sich anfangs bewegt, „wieder zu Hause zu sein“.
  • Anschließend ging es mit Afghanistan und Klimaschutz um harte Politik.
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Hannover. Rolf Hameling ist gespannt. Es sei „interessant, Frau Baerbock einmal persönlich zu erleben“, sagt der Mann aus Hannover zu Beginn des Polittalks „RND vor Ort” des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) mit Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock am Donnerstagabend in Hannover. „Außer auf Plakaten und im Fernsehen ist das noch eine bessere Möglichkeit, sie kennenzulernen”, fährt er fort. Und ja, sagt Hameling, vom Verlauf des Abends hänge seine Wahlentscheidung durchaus ab.

Hameling ist einer von rund 100 Interessierten im Verlagshaus. Sie erleben mit Baerbock, die selbst aus der Nähe von Hannover stammt, eine Politikerin, die zu Beginn des Wahlkampfes durch diverse Vorwürfe wegen ihres Lebenslaufes und ihres Buches „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern” unter Druck geraten ist, die sich dadurch aber trotz sinkender Umfragewerte ihrer Partei nicht aus der Ruhe hat bringen lassen.

Annalena Baerbock (M.) vor dem Talk mit Eva Quadbeck, stellvertretende RND-Chefredakteurin und Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, und Hendrik Brandt, Chefredakteur der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. © Quelle: Tim Schaarschmidt
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Zunächst sagt Baerbock, sie überkomme ein „kleines Heimatgefühl”, wenn sie hier sei. Und sie verbinde damit vor allem Gerüche: den „Zuckerrübengeruch” oder den „Geruch meiner Turnhalle, wo ich jahrelang Sport gemacht habe”. Es sei „schön, wieder zu Hause zu sein”. Im Anschluss geht es im Gespräch mit der stellvertretenden RND-Chefredakteurin und Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, Eva Quadbeck, und dem Chefredakteur der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”, Hendrik Brandt, um harte Politik.

Das erste Thema ist in diesen Zeiten natürlich: Afghanistan. In ihr ziehe sich alles zusammen, wenn sie die Bilder vom Flughafen der Hauptstadt Kabul sehe, sagt Baerbock. Im Übrigen habe man zwar nicht vorhersehen können, dass die Taliban nach dem Abzug der westlichen Truppen so schnell obsiegten. Es sei aber „vollkommen klar” gewesen, „dass wir handeln mussten” – vornehmlich bei den afghanischen Ortskräften.

Das sei aus offenkundig „innenpolitischen Motiven” der Bundesregierung nicht ausreichend passiert. Dies gelte es aufzuklären – im Rahmen eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses. „Es geht hier im Menschenleben.”

Annalena Baerbock bei „RND vor Ort". © Quelle: Tim Schaarschmidt
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Auf die Frage, ob Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen müsse als die von der Bundesregierung vorgesehenen 200.000 pro Jahr, antwortet die Kandidatin nicht direkt. Sie sagt stattdessen, nötig sei eine internationale Afghanistan-Konferenz, „um zu klären, wie Menschen aus Afghanistan rauskommen können” – und Kontingente.

Bei der Frage nach der Koalitionspräferenz weicht Baerbock später ebenfalls aus. In der Sozialpolitik gebe es größere Schnittmengen mit der SPD, sagt sie. In der Klimapolitik jedoch seien Union und SPD komplett gleich.

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Das ist denn auch das zweite große Thema: der Klimaschutz – wobei hier wie an anderen Stellen Bürger zu Wort kommen: Gina-Marie Burgdorf von Fridays for Future, der Betriebsratsvorsitzende Jens Schäfer, die Landwirtin Louisa Backhaus und der Fußballtrainer Sascha Harbarth aus Baerbocks Heimatort; beide haben sich 25 Jahre lang nicht gesehen.

Sie beklagt die zunehmenden Naturkatastrophen und betont, dass im Klimaschutz auch „eine Chance für den Wirtschaftsstandort” stecke. Konkret fordert Baerbock, bis 2030 auf Elektromobilität umzusteigen. Hier müsse man „die, die nicht so viel Geld haben, am meisten unterstützen”. Sie spricht von Prämien von bis zu 9000 Euro und zinslosen Krediten.

Annalena Baerbock stellt sich den Fragen von Eva Quadbeck und Hendrik Brandt. © Quelle: Tim Schaarschmidt

Ohnehin müssten alle Einnahmen aus einem steigenden CO₂-Preis an sozial Schwache zurückgegeben werden. Der Staat müsse derweil Infrastruktur aufbauen. Dazu: mehr Windkraft, mehr Solarenergie, Wasserstoff. Beim Umstieg auf Biolandwirtschaft müssten die Prämien angehoben werden.

Baerbock konstatiert: „Je stärker die Grünen in einer Regierung sind, desto stärker wird der Klimaschutz verankert sein.” Den Kampf um das Kanzleramt gibt sie jedenfalls keineswegs verloren. „Es wird in den nächsten Wochen so spannend wie noch nie”, sagt die 40-Jährige. „Ich trete an für eine Erneuerung in unserem Land.”

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Nach 77 Minuten ist Schluss. „Herzlichen Dank für den schönen Abend”, sagt Annalena Baerbock. Rolf Hameling, einer ihrer Zuhörer, sagt auf die Frage, wie er den Abend fand: „Sehr gut, sehr informativ. Es war nie langweilig.”

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