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RND-Serie „Pflege in Not“: Was Pflegekräfte brauchen

  • Pflegekräfte bemängeln seit vielen Jahren die immer größer werdende Personalnot – und damit einhergehend die Überlastung.
  • Wie kann ihnen geholfen werden? Welche Lösungsansätze gibt es?
  • Diese Fragen behandeln wir im dritten Teil der RND-Serie „Pflege in Not“.
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Berlin. Der Pflegesektor steckt in der Krise – besonders Pflegekräfte spüren das tagtäglich. Zu Tausenden verlassen sie ihren Beruf, dabei werden sie dringend benötigt. Der Personalmangel wird sich angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung verschärfen. Im dritten Teil unserer RND-Serie „Pflege in Not“ behandeln wir die Frage: Wie kann Politik das Problem der Personalnot lösen – und für mehr Zufriedenheit unter den Pflegenden sorgen?

Pflegekräfte arbeiten bis zum Rande der Erschöpfung

Es ist vor allem die Überlastung, die an den Kräften der Pflegenden zehrt. Das geht aus mehreren Studien hervor. Sie klagen über eine zu hohe Patienten­zahl pro Pflegekraft in einer Schicht. Interessen­verbände fordern daher zunächst ein neue Personal­bemessung.

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Die Deutsche Krankenhaus­gesellschaft, der Deutsche Pflegerat und Verdi haben gemeinsam ein Konzept erarbeitet, um zu errechnen, wie viele Pflegekräfte tatsächlich benötigt werden. So soll den Pflege­kräften mehr Zeit eingeräumt werden als bei früheren Personal­bemessungen. Das Konzept wurde vor der Pandemie – im Februar 2020 – an das Bundes­gesundheits­ministerium gegeben. Eingesetzt wurde es bisher nicht.

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Doch auch wenn der Personal­bedarf korrekter berechnet würde, ist die Personalnot nicht gelöst. So muss laut Pflege­verbänden eine Gesundheits­reform her. „Die Arbeits­belastung in den Kranken­häusern muss verringert werden. Dies erreicht man, indem man weniger Patienten im Krankenhaus aufnimmt“, sagt die Präsidentin des Deutschen Berufs­verbandes für Pflege­berufe (DBfK), Christel Bienstein, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Aktuell werden viele Menschen ins Krankenhaus aufgenommen, weil die Fall­pauschalen viel Geld bringen.“ Der ökonomische Druck für die Kranken­häuser sei enorm gestiegen. „Viele Operationen – sei es an der Hüfte oder am Knie – sind manchmal nicht nötig, sie bringen aber Geld ein.“

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Auch der Pflege­bevollmächtigte der geschäfts­führenden Bundes­regierung, Andreas Westerfellhaus, dringt auf eine Krankenhaus­reform. „Die Dichte von Kranken­häusern in Ballungs­zentren, wo die betriebs­wirtschaftliche Bilanz im Vordergrund stehen muss, bindet auch zu viel Pflege­personal“, sagt er dem RND.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht die größte Herausforderung in der Pflege in der Besetzung offener Stellen.  © dpa
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Gesundheits­wesen nach dänischem Vorbild?

Für ein Gesundheits­wesen nach dänischem Vorbild plädiert die Pflege­wissenschaftlerin Bienstein. Dort gebe es weniger große Kranken­häuser, dafür aber mehr Gesundheits­zentren für die primäre Versorgung. „Der Gesetzgeber muss das deutsche Gesundheits­wesen auch dementsprechend umstrukturieren. Dies würde enorm helfen, das vorhandene Pflege­personal auf die verschiedenen Versorgungs­bereiche besser zu verteilen“, betont sie.

Von der Personallage hängen weitere Missstände ab, die Pflegekräfte an den Rand der Erschöpfung bringen: ungeregelte Arbeits­zeiten, viele Krankheits­fälle, Spontan­schichten in der Freizeit. Und: Einige Auszubildende verlassen den Beruf wieder, weil sie bereits in den ersten Jahren die Personalnot spüren.

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Teufelskreis Pflege

All das gleicht einem Teufelskreis: Pflegekräfte arbeiten trotz Überlastung, fallen krankheits­bedingt aus, wechseln in die Teilzeit­beschäftigung oder verlassen den Beruf ganz – und so wird das Personal noch knapper. Pflegende würden täglich unglücklich nach Hause gehen, weil sie das Gefühl haben, „dass sie die Patienten nicht gut versorgt haben“, erzählt Bienstein.

Es ist also nicht überraschend, dass einige über psychische Probleme klagen. Der Pflege­bevollmächtigte Westerfellhaus fordert deswegen eine Begleitung für Betroffene. „Sie müssen aufgefangen werden in schwierigen Krisen­situationen“, sagt er.

Hinzu kommt das Finanzielle. Viele in der Pflege arbeitende Frauen sind später von Altersarmut bedroht, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten. Laut Bienstein vom DbfK betrifft das mehr als 50 Prozent, sie plädiert daher für mehr Renten­punkte. Alles in allem wünschen sich Pflegekräfte mehr Geld – es ist auch ein Ausdruck der Wertschätzung. Verbände pochen auf ein Einstiegs­gehalt von 4000 brutto im Monat für Fachkräfte.

Doch besonders in der Altenpflege verdienen Mitarbeiter deutlich weniger. So müssen Hilfskräfte mit etwa 2200 Euro Brutto monatlich auskommen. Der Schlüssel wären Tarifverträge, die bisher aber flächendeckend nicht zustande gekommen sind. Besonders in der Altenpflege würde das die Personalnot-Lage entschärfen, weil sich weniger Menschen für die – finanziell attraktivere – Krankenpflege entscheiden würden.

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