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RND-Serie „Pflege in Not“

Pflegende Angehörige wollen gehört werden

Eine Pflegekraft hält in einem Seniorenheim die Hand einer Bewohnerin. (Archivbild)

Berlin. Das Fundament des Pflege-Sektors sind die pflegenden Angehörigen. Ohne sie würde das System zusammenbrechen. Zahlen von Anfang 2020 zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Pflegebedürftigen zu Hause von Familienmitgliedern oder engen Freunden versorgt werden. Rund 3,4 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig – 1,76 Millionen werden von Angehörigen betreut. Im letzten Teil der RND-Serie „Pflege in Not“ blicken wir auf die Situation der pflegenden Angehörigen und zeigen Lösungsansätze auf, wie diese verbessert werden kann.

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Der Großteil der pflegenden Angehörigen ist gleichzeitig auch berufstätig, vor allem Frauen übernehmen die Pflege einer geliebten Person. Das trifft auch auf die Vorsitzende des Vereins „Pflegende Angehörige“ zu: Kornelia Schmid versorgt seit 27 Jahren ihren MS-kranken Mann. Sie betreibt mit ihrem Verein unter anderem eine Facebook-Gruppe, in der sich 14.000 pflegende Angehörige austauschen, und bietet Beratung an.

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„Wir wollen informieren und die Menschen auffangen“, sagt Schmid dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, sind die Angehörigen oft aufgeschmissen. Sie haben sich vorher nie mit dem Thema Pflege befasst und wissen nicht, wo sie anfangen sollen und wo sie sich hinwenden sollen.“

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Ein großes Problem für die Betroffenen ist die massive Bürokratie – sie führt zu einer starken Belastung. „Die ganze Pflegeversicherung ist ein riesiger Pflege-Dschungel“, kritisiert Schmid. Sie begrüßt die Idee eine Pflege-Co-Pilotens, den der Pflegebeauftragte der früheren Bundesregierung Andreas Westerfellhaus ins Spiel gebracht hatte.

Schmid: Pflege-Co-Piloten sind gute Option

Es gibt zwar Pflegeberatungsstellen, betrieben etwa von der Caritas oder dem Deutschen Roten Kreuz, oft sind die Hemmungen aber groß, diese aufzusuchen und auch in die eigenen vier Wände zu lassen. „Viele Menschen möchten nicht, dass Fremde in ihre Privatsphäre eindringen“, erklärt Schmid. „Wenn sich in einer Kommune aber rumspricht, dass es einen Pflege-Co-Piloten gibt, der vertrauenswürdig ist und schon anderen Familien geholfen hat, ist das eine gute Option.“

Wie will die Ampelregierung die Lage der pflegenden Angehörigen verbessern? Laut Koalitionsvertrag plant sie Lohnersatzleistungen für Menschen, die aufgrund pflegebedingter Auszeiten eine Berufspause einlegen müssen. Auch das Familienpflegezeitgesetz, das einen Rechtsrahmen für Freistellungen vorgibt, soll weiterentwickelt werden. Wie genau, muss noch ausgestaltet werden. Das Ziel: Den pflegenden Angehörigen soll mehr „Zeitsouveränität“ ermöglicht werden. Auch das Pflegegeld, dass den Pflegebedürftigen ausgezahlt wird, soll erhöht werden. Zudem plant die Koalition, die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige künftig nicht mehr über die Versicherungen, sondern aus Steuermitteln zu finanzieren.

Je nach Höhe des Pflegegrads, bekommen Pflegebedürftige monatlich Geld ausgezahlt. Wer jedoch einen Pflegedienst beauftragt, bekommt anteilig weniger Pflegegeld. Das Gleiche gilt bei Inanspruchnahme von Verhinderungspflege. Schmidt ärgert sich: „Das Pflegegeld hat kaum mit uns zu tun - das erhält der Pflegebedürftige. Oft bleibt auch nichts übrig davon, wenn Pflegedienste in Anspruch genommen werden.“ So komme es häufig vor, dass die Angehörigen vom Pflegegeld nichts bekommen.

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Ein Aspekt, der sich durch den ganzen Pflege-Sektor zieht, ist die fehlende Wertschätzung. Pflegende Angehörige klagen darüber ebenso wie Pflegekräfte .„Wir warten darauf, dass wir endlich mal gesehen und gehört werden, dass mit uns kommuniziert wird“, sagt die Vereinsgründerin Schmid und fordert einen eigenen Ansprechpartner nur für pflegende Angehörige in der Bundesregierung. Denn aktuell fühlten sie sich im Stich gelassen. Schmid kritisiert: „Wir werden im Unsichtbaren gehalten.“

Da die Bevölkerung immer älter wird, steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Gleichzeitig nimmt der Fachkräftemangel zu. Der Pflege-Sektor wird sich noch mehr auf die pflegende Angehörigen stützen müssen. Die Lage könnte sich also noch verschärfen.

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