RND-Report von Lesbos und Debatten über kleine Zahlen

  • Seit zwei Tagen recherchiert unsere Reporterin auf der Insel Lesbos.
  • Am Beispiel des zerstörten Flüchtlingslagers Moria erlebt sie die großen Fragen der Migration im Kleinen.
  • Und wie antwortet Deutschland?
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Krise auf Lesbos hat viele Seiten: Klar, für uns Deutsche steht die Frage im Raum, wie viele der nun obdachlosen Migranten aus dem zerstörten Lager in Moria in Deutschland Zuflucht finden könnten. RND-Reporterin Marina Kormbaki – seit vorgestern auf der Insel unterwegs – hat hingegen zwei andere Perspektiven im Blick: Da sind die Griechen, die sich seit Jahren alleingelassen fühlen mit den Flüchtlingen, die über das Mittelmeer kommen und an ihren Küsten stranden. Und da sind die Migranten, die verzweifelt auf der Suche nach Sicherheit und Zukunft sind.

Die Griechen versteht Kormbaki gut: Erstens, weil sie selbst Griechisch spricht; und zweitens, weil sie die Probleme der Einheimischen von mehreren Dienstreisen in die Flüchtlingshotspots der Ägäis kennt.

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Höher sind die Sprachbarrieren eher gegenüber den Migranten. Arabisch und Farsi gehören nicht zu den Fremdsprachen, die Kormbaki gelernt hat. Wann immer sie mit Englisch nicht weiterkommt, muss Google Translate helfen, um mit den Migranten ins Gespräch zu kommen, berichtet sie in unserem Podcast “Unsere Story” von der Insel Lesbos. Jedenfalls so lange, wie der Handyakku noch Strom hat. Denn auch an Energie fehlt es zuweilen auf der Insel. Dass die Menschen unter diesen Bedingungen dort nicht länger bleiben wollen, ist allzu verständlich.

Auf der Insel lässt sich im Kleinen verstehen, was die Migration im Großen noch immer bedeuten kann: einen Konflikt zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen. Dass auf Lesbos viel mehr Migranten leben, als es für die Insel gut wäre, war bereits bekannt. Jetzt, nach der Feuerkatastrophe, kann niemand mehr die Augen davor verschließen.

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Die Erwartungen an Deutschland sind nun groß, genau wie die Enttäuschung über Europa, das jahrelang weggeschaut hat. Die Zahlen, über die zur selben Zeit in Deutschland diskutiert wird, klingen dagegen winzig. Bis zu 150 unbegleitete junge Flüchtlinge will Deutschland nach Worten von Innenminister Horst Seehofer aufnehmen. Das wären 150 von etwa 13.000 Menschen, die auf Lesbos ausharren. “Eine Lösung, die beschämt”, nennt das unser Kommentator Markus Decker.

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Jede Stunde neu: unsere News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins Wochenende,

aus dem RND-Newsroom: Ihr Christian Palm

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“Staat, Sex, Amen”
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