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RKI zur Corona-Lage: Trend positiv, jedoch “kein Ende der Epidemie in Sicht”

  • Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, sieht weiterhin kein Ende der Epidemie.
  • Die Reproduktionszahl ist zuletzt wieder leicht gestiegen – auf 0,9.
  • Auf der anderen Seite sinkt jedoch die Zahl der übermittelten Infektionen pro Tag.
Tobias Dinkelborg
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Berlin. Das Robert-Koch-Institut warnt nach den ersten Lockerungen davor, das Coronavirus zu unterschätzen. “Es ist kein Ende der Epidemie in Sicht”, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade, der den terminlich verhinderten Lothar Wieler vertrat, am Dienstag in Berlin. “Jeder kann schwer an Covid-19 erkranken, jeder kann plötzlich medizinische Hilfe benötigen und auf eine Klinik angewiesen sein.”

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Dennoch setze sich der positive Trend der vergangenen Tage weiter fort. Man beobachte einen “deutlich geringeren täglichen Anstieg”. Der Wert neu übermittelter Fälle sei auf unter 2000 pro Tag gesunken. Es sei allerdings Vorsicht geboten, denn es könne zu Nachmeldungen kommen. Von den 143.457 bestätigten Corona-Erkrankten sind nach Schätzungen des RKI etwa 95.200 Patienten wieder genesen.

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Die Reproduktionszahl liege momentan bei 0,9, ist im Vergleich zur Vorwoche also leicht angestiegen. Das gilt auch für das Alter der Infizierten. “Die Betroffenen sind nun im Durchschnitt 50 Jahre alt”, sagte Schaade. Ausreichend Behandlungskapazitäten seien weiterhin vorhanden. “In den nächsten Tagen sind keine Engpässe absehbar”, sagte Schaade.

RKI warnt vor zweiter Infektionswelle

Allerdings warnte der RKI-Vizechef – wie bereits der Berliner Virologe Christian Drosten – vor einer zweiten Infektionswelle. “Die grundsätzliche Gefahr, dass es bei einer vorschnellen Rücknahme zu einer zweiten Welle kommen kann, sehe ich ausdrücklich so.” Er appellierte an die Vernunft der Bürger. “Das menschliche Verhalten ist in der Lage, die Übertragungen deutlich zu reduzieren”, sagte Schaade. “Das heißt aber auch: Je weniger vernünftig wir das Virus daran hindern, von Mensch auf Mensch überzugehen, umso mehr wird das Virus auf seine eigentliche Reproduktionszahl zurückfallen.” Die liege zwischen zwei und drei.

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Es sei fatal, nun “so zu tun, als ob das Problem überwunden wäre”, mahnte Schaade. “Dann werden wir wieder einen neuen Ausbruch haben, das ist ziemlich sicher.”

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Zumal eine vollständige Ausrottung des Virus wohl unmöglich ist. Selbst wenn es gelänge, den Erreger in Deutschland zu besiegen, sei das Problem nicht gelöst. “Man muss immer damit rechnen, dass das Virus zurückkommt, weil es auf der ganzen Welt verbreitet ist”, betonte Schaade. Es werde noch viele Monate dauern, bis es eine Lösung gebe, die erlaubt, “wie vorher in den Alltag zu gehen”. Mindestens so lange, bis ein Impfstoff oder ein Medikament gefunden ist.

Mehr Personen mit Symptomen einer Atemwegserkrankung testen

Eine Durchseuchung der Bevölkerung sei definitiv keine Option. Diese Methode würde “viele schwere Krankheits- und Todesfälle” hervorrufen. “Das ist keine Strategie, die wir verfolgen”, sagte Schaade. “Und ich wüsste auch nicht, dass irgendwo in Deutschland eine Durchseuchung gezielt angestrebt wird.”

Unterdessen denkt das RKI darüber nach, die Kriterien für einen Test zu modifizieren. Das Institut wünsche sich, dass jede Person mit Symptomen einer Atemwegserkrankung getestet würde. “Wenn ausreichend Kapazitäten vorhanden sind”, betonte Schaade. So könne man mehr Infektionen entdecken.

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