RKI-Chef: Heinsberg-Studie vorsichtig interpretieren

  • Die Zahl der neu gemeldeten Corona-Infektionen pro Tag sinkt weiter.
  • Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts werden nur noch zwischen 700 und 1600 neue Fälle übermittelt.
  • Die Heinsberg-Studie bezeichnete RKI-Chef Wieler als “valide”, die Ergebnisse seien jedoch nur schwer auf ganz Deutschland zu übertragen.
Tobias Dinkelborg
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Berlin. Die Zahl der neu übermittelten Corona-Fälle pro Tag ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts weiter gesunken. Täglich würden zwischen 700 und 1600 neue Infektionen gemeldet, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstag in Berlin.

“Die Zahl sinkt weiter, das ist eine sehr gute Nachricht.”

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Der zuletzt umstrittene Reproduktionsfaktor werde aktuell auf einen Wert von 0,71 geschätzt. Allerdings sei die Zahl neu übermittelter Todesfälle weiterhin hoch.

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Heinsberg-Studie: Hohe Corona-Dunkelziffer in Deutschland
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In Deutschland könnte es eine Dunkelziffer von womöglich rund 1,8 Millionen Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus geben.  © Tobias Dinkelborg/Reuters

Von etwa 40 bis 200 Todesfällen erhält das RKI pro Tag Meldung. “Das ist ein kontinuierlicher Anstieg des Fallverstorbenenanteils”, sagte Wieler. Dieser liege nun bei 4,2 Prozent. Der Grund dafür seien weiterhin Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern.

2,4 Millionen Corona-Tests seit Jahresbeginn

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Außerdem nannte Wieler konkrete Zahlen bezüglich der Corona-Testungen. Seit Jahresbeginn seien 2,4 Millionen Labortests auf Covid-19 durchgeführt worden, davon seien insgesamt 7,2 Prozent positiv gewesen.

Momentan liege die Kapazität der 133 Labore bei rund 142.000 möglichen Testauswertungen pro Tag. Zudem zeigte sich der RKI-Chef erfreut darüber, dass inzwischen alle freien und belegten Intensivbetten der Kliniken in einem zentralen Intensivregister erfasst würden.

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RKI bewertet Infektionsverlauf positiv
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„Die Zahl der übermittelten Infektionsfälle sinkt weiter", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler.  © Tobias Dinkelborg/Reuters

RKI wehrt sich gegen Kritik

Nachdem zuletzt besonders Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) scharfe Kritik am Robert-Koch-Institut geäußert hatte, sagte Wieler: “Wir schätzen die Situation auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen ein, das sind immer nur Momentaufnahmen.”

Es könne deshalb auch sein, dass sich Einschätzungen ändern. Der Prozess sei dynamisch und “läuft auf vielen Ebenen”.

Heinsberg-Studie “wichtig und richtig”

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Die am Montag vorgestellte Heinsberg-Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck bezeichnete der RKI-Präsident als “wichtig und richtig” sowie “valide”. Streeck hatte herausgefunden, dass in Gangelt, dem ersten deutschen Corona-Hotspot, die Sterblichkeit lediglich bei 0,37 Prozent liege.

Man könne das aufgrund der Spezifität jedoch nur “schwerlich auf ganz Deutschland übertragen”, sagte Wieler. Die Studie sei “hervorragend”, man müsse sie aber vorsichtig interpretieren.

Immunitätsausweise bedingen eindeutige Marker

Dass eine Tracing-App angesichts der nun sinkenden Zahlen zu spät komme, findet der RKI-Chef nicht. “Es wird mit Sicherheit eine zweite Welle geben, und vielleicht auch eine dritte”, sagte Wieler. “Und je mehr Werkzeuge wir haben, und die App ist ja nur ein Werkzeug”, umso besser sei es.

Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ins Spiel gebrachten Immunitätsausweise seien indes grundsätzlich “zu überlegen”, aber man müsse eindeutige Marker haben, um zu wissen, wann eine Person immun sei. “Momentan gibt es noch nicht genug Informationen darüber”, sagte Wieler.

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