RKI-Chef Wieler: Zahl der Corona-Tests steigt deutlich

  • Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland erfolgt weiterhin langsamer als in den vergangenen Tagen und Wochen.
  • Die Reproduktionszahl ist auf 0,76 gesunken.
  • Corona-Tests werden derweil immer niedrigschwelliger durchgeführt – was verhältnismäßig automatisch zu weniger positiv getesteten Personen führt.
Tobias Dinkelborg
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Berlin. Das Coronavirus verbreitet sich in Deutschland wieder langsamer als in den vergangenen Tagen. Die Reproduktionszahl sei auf 0,76 gesunken, sagte Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, am Donnerstag in Berlin. Am Dienstag hatte dieser Wert noch bei 0,96 gelegen.

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Dem RKI sind bislang 159.119 Fälle übermittelt worden, davon sind 6288 Erkrankte verstorben (Stand: 30. April, 0 Uhr). Im Vergleich zum Vortag ist die Fallzahl um 1478 bestätigte Infektionen gestiegen. Der Trend, dass nur noch etwa 1000 bis 1500 neue Fälle pro Tag übermittelt werden, hat sich bestätigt. “Das ist eine erfreuliche Entwicklung”, sagte Wieler. Schätzungen zufolge sind bundesweit 123.500 Corona-Erkrankte wieder genesen.

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860.000 Tests sind pro Woche möglich

Die Testkapazität ist derweil noch einmal vergrößert worden. “860.000 Tests sind pro Woche nun möglich”, sagte der RKI-Chef. “In der vergangenen Woche wurden 467.000 Tests durchgeführt.” Davon sei nur eine geringe Prozentzahl positiv gewesen. “Das zeigt, dass nun niedrigschwelliger getestet wird”, erklärte Wieler.

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Diese wird nach Ansicht der Wissenschaftler im Herbst auftreten.  © Reuters

Dennoch rate das RKI weiterhin davon ab, “generell alle Menschen zu testen”, betonte der Präsident. Bei symptomfreien Personen hätte ein negativer Test lediglich eine geringe Aussagekraft und könne zu falscher Sicherheit führen. Es gebe dennoch Situationen, in denen das sinnvoll sei: etwa in Alten- und Pflegeheimen, um Infektionen frühzeitig zu erkennen und Risikogruppen zu schützen.

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Wieler fordert Austausch von Alltagskonzepten

Auch oder gerade im Hinblick auf die durchgeführten Lockerungen der Maßnahmen sei es von “überragender Wichtigkeit”, neue Infektionsherde so früh es geht zu identifizieren und einzudämmen. In Schulen etwa seien sensitive Testungen daher ebenfalls wichtig.

Genauso wie “schlaue Konzepte”, die den Gang in die “neue Normalität” begleiten. Ein Teil solcher Konzepte seien beispielsweise Plexiglasscheiben an Supermarktkassen, die eine Tröpfcheninfektion verhinderten. Von diesen Plänen bräuchte man nun mehr, sagte Wieler. “Mein Appell ist, dass man diese Konzepte untereinander austauscht.”

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Erste Ergebnisse der Antikörperstudie im Mai

Dass weiterhin Ideen kursieren, durch eine Durchseuchung der Bevölkerung eine Herdenimmunität zu erzeugen, empörte den RKI-Chef. Bereits am Dienstag hatte er solche Ansinnen als “gefährlich” und “naiv” bezeichnet. “Das Virus hat Eigenschaften, denen ich mich nicht aussetzen möchte – und meine Kinder auch nicht”, betonte Wieler.

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Wer eine Herdenimmunität fordere, dem könne die Gesundheit der Personen, für die derjenige verantwortlich sei, nicht besonders wichtig sein. “Ich kann nur alle davor warnen, mit diesem Virus zu lässig umzugehen”, sagte Wieler. Erste Ergebnisse der Antikörperstudie, die das RKI mit Blutspendediensten durchführt, erwartet Wieler unterdessen im Mai.

Vorsorgeuntersuchungen unbedingt wieder wahrnehmen

Außerdem forderte er, Vorsorgeuntersuchungen wieder verstärkt wahrzunehmen. “Impfungen für Säuglinge sollten auch zeitnah erfolgen”, sagte Wieler. Klar sei, dass Arztpraxen so eingerichtet sein müssten, dass die Impfungen ohne Infektionsrisiko durchgeführt werden könnten.

Keinen Hinweis gebe es indes darauf, dass sich eine Impfung dahingehend negativ auf das Immunsystem auswirke, dass es die Abwehrkräfte des Körpers im Falle einer Corona-Infektion beeinträchtige.

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