RKI hält Grenzöffnungen innerhalb Europas für möglich

  • Der Wiederanstieg der Reproduktionszahl über die kritische Marke von eins erlaubt laut Robert-Koch-Institut (RKI) noch keine weitergehenden Schlussfolgerungen zum Infektionsgeschehen in Deutschland.
  • Dennoch befürchten viele einen schnelleren Anstieg der Infektionen durch die Lockerungen der Corona-Beschränkungen.
  • Das RKI steht Grenzöffnungen im europäischen Rahmen aufgeschlossen gegenüber.
|
2:09 min
Das Robert-Koch-Institut hält Grenzöffnungen grundsätzlich für möglich. RKI-Vizepräsident Lars Schaade gab am Dienstag ein Pressebriefing anlässlich des gestiegenen R-Werts. Die Fallzahlen von Corona-Erkrankungen in Deutschland werden langsam kleiner. Daher wäre unter Berücksichtigung der Nachbarstaaten eine Öffnung der Grenzen theoretisch möglich.  © Thoralf Cleven/Reuters
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Fallzahlen von Corona-Erkrankungen in Deutschland werden langsam kleiner, prognostiziert das Robert-Koch-Institut (RKI).

RKI-Vizepräsident Lars Schaade sagte am Dienstag bei einem Pressebriefing, dass jüngste, lokal begrenzte Ausbrüche – etwa in Schlachthöfen – die Reproduktionzahl R in den letzten Tagen leicht angehoben haben. “Wir nähern uns jedoch einer kontinuierlichen Tageskurve, einem Plateau”, so Schaade. “Das ist das Ergebnis von Verhaltensänderungen der Menschen.” Allerdings müsse man von diesem Plateau herunter, mahnt Schaade. “Wir müssen besser werden.”

Der RKI-Vizepräsident wies darauf hin, dass der R-Wert nicht tagesaktuell ist, sondern das Geschehen nach Rechenmodellen von eineinhalb Wochen zuvor abbildet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

“Die Zahl wird immer schwanken. Solange dies um eins ist, sind das nur statistische Ungenauigkeiten. Je weiter es sich länger in der Nachkommastelle von der 1,1 entfernt, kann es kritisch werden.”

Die Gefahrenlage sei niedriger als vor vier Wochen, so Schaade. “Wenn wir uns vernünftig verhalten, haben wir die Chance, eine zweite Corona-Welle zu vermeiden. Wenn nicht, flammt das Pandemiegeschehen wieder lokal auf und kann streuen”, warnt er.

+++Immer aktuell: Hier geht’s zum Corona-Liveblog+++

Anzeige

Trotz aller Mahnungen hält das RKI Grenzöffnungen innerhalb Europas für möglich. Voraussetzung sei ein ähnliches Corona-Stadium in allen Ländern. “Bei Gleichklang und ähnlicher Situation kann man Grenzöffnungen rechtfertigen”, so Schaade. In Deutschland würden schließlich trotz einiger Corona-Herde auch keine zusätzlichen Grenzen eingezogen.

Video
Putin kündigt trotz Rekordanstiegs der Corona-Fälle Lockerungen an.
1:48 min
Trotz eines Rekordanstiegs der Coronavirus-Fälle hat Russlands Präsident eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens angekündigt.  © Thoralf Cleven/Reuters
Anzeige

Grundsätzlich ist die Reproduktionszahl R einer der zentralen Werte zur Beurteilung des Verlaufs einer Infektionswelle. Sie gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter in einem bestimmten Zeitraum im Durchschnitt ansteckt. Je niedriger R ist, desto besser.

Liegt R unter 1, steckt ein Infizierter im Schnitt weniger als einen anderen Menschen an – und die Epidemie läuft aus. Liegt R über 1, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an – die Zahl der täglichen Neuinfektionen wird größer.

Video
Sorge vor zweiter Infektionswelle in Südkorea.
2:02 min
Ursprung hat diese Ansteckungswelle in einem Ausgehviertel in Seoul, wo ein 29-jähriger Südkoreaner einen geselligen Abend verlebt hatte.  © Thoralf Cleven/Reuters

In den vergangenen Wochen sind nach und nach mehrere Maßnahmen zur Eindämmung von Sars-CoV-2 in den Bundesländern gelockert worden.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen