Richard Grenell – Abschied eines Rammbocks

  • Mit seiner undiplomatischen Art hat der US-Botschafter in Berlin viel transatlantisches Porzellan zerschlagen.
  • Nun wird er von Präsident Donald Trump abberufen und befördert.
  • Dass der laute Amerikaner ausgerechnet Geheimdienstchef wird, entbehre nicht der Ironie, kommentiert Karl Doemens.
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Washington. Der Mann nutzt sein Twitter-Konto wie ein Maschinengewehr. An diplomatischem Austausch und transatlantischer Verständigung ist ihm offensichtlich wenig gelegen. Als Botschafter in Berlin benahm sich Richard Grenell nicht wie ein Brückenbauer, sondern eher wie ein Rammbock der Weltmacht.

Dass seine lauten Ansagen in good old Germany irgendetwas bewirken würden, hat er wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. Der Adressat seiner markigen Inszenierungen saß ohnehin irgendwo anders – 7000 Kilometer westlich im Weißen Haus.

Nun endlich hat Donald Trump die Bitten seines glühendenden Bewunderers, der sich immer wieder für prestigeträchtigere Posten ins Gespräch gebracht hatte, erhört und zieht den loyalen Gefolgsmann aus dem kalten Deutschland ab, wo dieser trotz bunter Homestories in der Regenbogenpresse offenbar nie so recht heimisch wurde.

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“Ich habe gerade vier Tage internationale Nonstop-Meetings auf der Münchner Sicherheitskonferenz beendet”, twitterte er am Wochenende. “Und ich habe nur einen Gedanken: Amerika ist das großartigste Land der Welt.”

Dorthin darf Richard Grenell nun zurückkehren – allerdings nicht in sein geliebtes Kalifornien, sondern an die Ostküste.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Trump den ehemaligen Fox-News-Kommentator und notorischen politischen Lautsprecher ausgerechnet zum geschäftsführenden Chef der nationalen Geheimdienste machen will. Doch aus Sicht des US-Präsidenten hat die Personalie Charme: Weil Grenell als Botschafter schon einmal bestätigt würde, kann er den Nachrichtendienstjob kommissarisch übernehmen, ohne noch einmal vor den Kongress zu müssen, wo er wohl kaum akzeptiert würde.

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Außerdem setzt Trump damit den Geheimdiensten, die er in seiner Paranoia als Teil einer finsteren Verschwörung gegen seine Person vermutet, einen höchst verlässlichen Aufpasser vor die Nase.

“Deutschlands Gewinn ist Amerikas Schaden”

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Dass Grenell für seine neuen Aufgaben wenig bis gar keine Erfahrung mitbringt, ist in Trumps Kosmos kein Gegenargument. Die Demokraten in Washington hingegen sind entsetzt. Tom Wright, der Europaexperte der linksliberalen Denkfabrik Brookings, bringt die Stimmung prägnant auf den Punkt: “Heute ist Deutschlands Gewinn Amerikas Schaden.”

Doch solange kein Nachfolger ernannt ist, besteht auch in Berlin kein Grund zu übergroßer Freude. Schlimmer geht bei diesem Präsidenten nämlich immer.

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