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Podcast "Geyer & Niesmann"

Precht im Podcast „Geyer & Niesmann“: Einzelne Nato-Staaten sollten Putin Nichtaufnahme der Ukraine garantieren

Diese Woche zu Gast bei Geyer & Niesmann: Richard David Precht (2.v.l.) und Harald Welzer (2.v.r.).

Diese Woche zu Gast bei Geyer & Niesmann: Richard David Precht (2.v.l.) und Harald Welzer (2.v.r.).

Berlin. In der Debatte um die Frage, wie eine weitere Eskalation des Krieges in der Ukraine vermieden werden kann, schlägt der Philosoph Richard David Precht eine Initiative einzelner Nato-Staaten vor. Diese sollten Russland verbindlich garantieren, dass sie eine Aufnahme der Ukraine in das Verteidigungsbündnis mit ihrem Veto verhindern würden, und so zu einer Deeskalation der Lage beitragen.

Podcast „Geyer + Niesmann“ mit Richard David Precht und Harald Welzer hier hören:

„Als es darum ging, Finnland und Schweden in die Nato aufzunehmen, haben wir ja gelernt, dass laut Nato-Vertrag alle Mitgliedsstaaten einverstanden sein müssen mit einer Neuaufnahme. Sollte also auch nur ein einziges europäisches Land Russland eine verbindliche Garantie geben, dass es nicht für die Aufnahme der Ukraine in die Nato stimmt, wäre schon erster Druck aus dem Kessel genommen und möglicherweise der Boden für weiterreichende Gespräche bereitet“, sagte Precht im Podcast „Geyer & Niesmann“ des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

„Nützen würde vielleicht ein verbindliches Abkommen von ein, zwei oder drei Nato-Staaten mit Russland, dass die Ukraine nicht in die Nato aufgenommen wird. Ich glaube, in dem Moment hätte man zumindest einen Horizont für weitere Verständigung“, so der Philosoph und Bestsellerautor weiter. „Fakt ist, die Russen hätten dadurch überhaupt mal ein Ergebnis erreicht. Denn ohne das werden sie den Krieg nicht beenden“, betonte Precht. „Ein solches Angebot hätte den Vorteil, dass es den Westen und die Ukraine vergleichsweise wenig kostet, aber den Russen viel bedeutet.“

Scharfe Kritik von Melnyk

Mit scharfer Kritik reagierte der scheidende ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, auf den Precht-Vorschlag: „Herrn Precht als ‚Philosophen‘ zu bezeichnen klingt wie Hohn & Beleidigung für Hegel oder Kant, die sich im Grab umdrehen würden. Dass dieser egomane Typ uns seine schäbigen Ratschläge für die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine erteilt, grenzt an Schizophrenie“, schrieb Melnyk am Samstag bei Twitter.

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Kritisch äußerte sich auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach: „Mal ehrlich: Was sollen denn jetzt Kniefälle vor Putin bringen? Wir sind im Krieg mit Putin und nicht seine Psychotherapeuten“, schrieb der SPD-Politiker bei Twitter. Es müsse weiter konsequent der Sieg in Form der Befreiung der Ukraine verfolgt werden. „Ob das Putins Psyche verkraftet ist egal“, so Lauterbach.

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Als Reaktion auf die am Freitag erfolgte völkerrechtswidrige Annexion von vier ukrainischen Regionen durch Russland hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, einen beschleunigten Beitritt zur Nato zu beantragen. Die Bundesregierung und die USA hatten sich dazu zurückhaltend geäußert. Die baltischen Staaten hingegen hatten eine schnelle Aufnahme in das Verteidigungsbündnis befürwortet.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog +++

Bei direkten Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland im März in der Türkei hatte die ukrainische Regierung Moskau Neutralitätsgarantien und den Verzicht auf einen Nato-Beitritt angeboten. Die Gespräche führten seinerzeit nicht zu einem Erfolg.

Precht ist Unterzeichner eines offenen Briefes deutscher Prominenter, die bereits im Juni einen Waffenstillstand sowie einen „konzertierten Vorstoß“ für eine Verhandlungslösung gefordert hatten.

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