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Intensivpfleger Ricardo Lange kritisiert „Bürokratiewahnsinn“ in der Pflege

  • Auf dem Deutschen Pflegetag werden ab Mittwoch Probleme in der Pflege thematisiert.
  • Intensivkrankenpfleger Ricardo Lange verlangt nun den Abbau von Dokumentation auf den Stationen.
  • Derweil will Patientenschützer Eugen Brysch eine finanzielle Entlastung für Pflegebedürftige.
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Berlin. Intensivkrankenpfleger Ricardo Lange hat vor Beginn des Deutschen Pflegetages die Bürokratie in der Pflege kritisiert und die Reduzierung der Dokumentation auf den Stationen gefordert. „In der Pflege sollte die viel zu umfangreiche Dokumentation abgebaut werden“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Pflegekräfte müssen jedes kleinste Detail in den Patientenkurven und -akten vermerken, zum Beispiel, wie sie das linke und rechte Auge eines Patienten gesäubert haben.“

So gelte nur das als durchgeführt, was auch vermerkt werde, weswegen die Kliniken sich rechtlich absichern wollten. „Die Dokumentation ist ein Bürokratiewahnsinn“, sagte er. „Es würde reichen, wenn man ankreuzen könnte, dass Körperpflege ausgeführt worden ist.“ Examinierten Pflegekräften solle zugetraut werden, dass sie eine gewisse Professur mit dem Staatsexamen erworben haben, betonte Lange.

Zudem wünschte er sich ein besseres Ausbildungsgehalt für Ältere, die den Pflegeberuf erlernen wollen. „Es gibt viele ältere Menschen, die auf dem zweiten Bildungsweg eine Pflegeausbildung machen wollen, sich das aber nicht leisten können, weil der Lohn zu niedrig ist“, sagte er. „Das Ausbildungsgehalt sollte für Lebensältere mindestens verdoppelt werden.“ Als weiteren Anreiz schlug Lange ein früheres Renteneintrittsalter vor.

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Am 13. und 14. Oktober findet in Berlin der Deutsche Pflegetag statt. Auf dem Kongress werden die Herausforderungen in der Pflege thematisiert.

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Patientenschützer fordern höhere Zuschüsse

Derweil verlangen die Patientenschützer eine finanzielle Entlastung für Pflegebedürftige. „Während die Krankenversicherung die Pflege in der Klinik und der Patienten zu Hause vollfinanziert, übernimmt die Pflegeversicherung nicht mal alle Pflegekosten der Betroffenen“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem RND.

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„Über die Anpassung der Zuschüsse an die Ausgaben entscheidet allein die Bundesregierung. Um faire Löhne zu ermöglichen, müssen vor allem daheim und im Pflegeheim betreute Menschen noch tiefer in die Taschen greifen.“

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Die Pflegeversicherung müsse also auf ein breites Fundament mithilfe von Steuer- und Krankenkassenzuschüssen sowie einer Anpassung der Mitgliedsbeiträge gestellt werden. Das aktuelle Zuschussprinzip sei fatal.

Darüber hinaus spricht sich Brysch für eine generationengerechte und zukunftssichere Finanzierung der Pflegeversicherung aus. Benötigt werde dafür ein Rechtsanspruch auf Kurzzeit- und Verhinderungspflege. „Ebenso gibt es bei der Qualitätssicherung immer noch dringenden Handlungsbedarf“, fügte er hinzu. Pflegebedürftige und Angehörige seien nicht imstande, auf die Sicherstellung der Standards zu drängen. „Krankenkassen könnten hier entscheidende Schützenhilfe leisten.“

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