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  • Rezession in Griechenland: Trotz Corona-Krise ist das Land in Aufbruchsstimmung - das sind die Gründe

Wie Griechenland aus der Corona-Krise Kraft schöpft

  • Wegen der Corona-Krise droht Griechenland die schärfste Rezession aller EU-Staaten.
  • Trotzdem macht sich im Land gerade Aufbruchsstimmung breit.
  • Für die wachsende Zuversicht gibt es mehrere Gründe.
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Athen. Gerade erst hatten sich die Griechen von der Schuldenkrise aufgerappelt, da sorgt nun das Coronavirus für einen neuen Rückschlag. Wieder zittern Hunderttausende um ihre Jobs. Die Wirtschaft ist gelähmt. Die EU-Kommission prognostiziert Griechenland die schärfste Rezession aller EU-Staaten. Eigentlich müsste das Land jetzt mental am Boden liegen. Aber stattdessen macht sich Aufbruchsstimmung breit.

Die Meinungsforscher der angesehenen Athener Denkfabrik Dianeosis haben nachgefragt. Die Ende April durchgeführte Erhebung zeigt eine erstaunlich positive Befindlichkeit. Fast 40 Prozent der Befragten äußerten “Zuversicht”. Im Dezember 2019 sagten das nur 30 Prozent. Während vor vier Monaten 38 Prozent “Ungewissheit” empfanden, sind es heute nur noch 31 Prozent. 24 Prozent äußern “Stolz”, gegenüber 14 Prozent im Dezember. Fast neun von zehn Befragten sehen ihr Land “auf dem richtigen Weg”. Vor einem Jahr fanden das nur 28 Prozent.

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Griechenland schränkte früh ein

Für die Zuversicht gibt es mehrere Gründe. Einer heißt Sotiris Tsiodras. Wenn der Virologe allabendlich um 18 Uhr im Fernsehen die aktuellen Zahlen zur Corona-Epidemie vorträgt, schalten zwei von drei Griechen ein. Der 54-jährige Professor und Vater von sieben Kindern ist so etwas wie der Hausarzt der Nation – eine Vertrauensfigur. Als Chef des Corona-Sachverständigenrates im griechischen Gesundheitsministerium ist der in Harvard ausgebildete Mediziner zugleich der wichtigste Epidemiekrisenberater von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis. Der Premier hört auf die Sachverständigen.

Früher als die meisten anderen europäischen Länder erließ Griechenland Beschränkungen, schloss Schulen, Geschäfte und Gaststätten, verhängte Ausgangssperren. Die Strategie geht auf: Mit 14 Todesfällen durch Covid-19 pro einer Million Einwohner kam Griechenland bisher glimpflich davon.

In Deutschland gibt es im Verhältnis zur Bevölkerung sechsmal so viele Todesopfer, in Österreich liegt die Zahl fünfmal, in der Schweiz zwölfmal so hoch. Der Erfolg sei nicht nur den frühzeitig angeordneten Kontaktbeschränkungen zu verdanken, sagen Fachleute, sondern auch der Disziplin der Bevölkerung.

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Griechen halten sich erstaunlich gut an Vorschriften

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Tatsächlich wurden die Regeln weitgehend eingehalten. Ein erstaunliches Phänomen, denn Vorschriften kommen in Griechenland normalerweise nicht gut an, Verbote werden oft ignoriert. Persönliche Freiheit ist den Griechen ein hohes Gut. Dass es diesmal anders war, dürfte mehrere Ursachen haben. Eine ist Angst: Immerhin jeder Zweite fürchtet, sich zu infizieren, 62 Prozent sehen nahe Angehörige in Gefahr.

Ein weiterer Grund für die Disziplin dürfte das Wissen um die Verhältnisse im griechischen Gesundheitswesen sein, das sich nach den Sparprogrammen der vergangenen zehn Jahre in einem desolaten Zustand befindet.

Auch die Krisenerfahrung der Jahre nach 2010 dürfte dazu beigetragen haben, dass die meisten Griechen den Corona-Notstand mit einer Portion stoischer Geduld über sich ergehen lassen.

Nur die EU kommt in Griechenland nicht gut an

Während Griechenland in der Euro-Krise das Bild eines gescheiterten Staates bot, wirkt das politische System jetzt gefestigter denn je. “Wir sind reifer geworden”, erklärt Ministerpräsident Mitsotakis. “Wir bauen wieder etwas auf, das nicht nur in der Schuldenkrise fehlte, sondern in der ganzen jüngeren Geschichte unseres Landes gelitten hat: Vertrauen in die Institutionen und den Staat.”

Mitsotakis bekommt gute Noten. Laut einer Umfrage von Ende April sind 87 Prozent mit seinem Krisenmanagement zufrieden. Auch das Ansehen der Institutionen, des Staates insgesamt und der Medien ist in den vergangenen sechs Monaten deutlich gewachsen, wie die Untersuchung von Dianeosis zeigt. Danach glauben zwei von drei Griechen, die Corona-Epidemie werde langfristig die Solidarität der Gesellschaft stärken. 57 Prozent verspüren gewachsenes Vertrauen in das politische System.

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Einzige Ausnahme: Die Europäische Union hat in den Augen der meisten Griechen in der Corona-Krise versagt. 95 Prozent finden, die EU hätte eine geeintere Haltung zeigen müssen. Die Enttäuschung ist groß: Vor zwei Jahren vertrauten noch 42 Prozent der EU. Heue sagen das nur noch 27 Prozent.

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