• Startseite
  • Politik
  • Rezession in Griechenland: Corona stürzt Land erneut in Schulden

Die Corona-Krise treibt Griechenland erneut in die Schulden

  • Die Griechen glaubten sich auf einem guten Weg: In den vergangenen Jahren hat das Land seinen Staatshaushalt konsolidiert, aus Defiziten wurden Überschüsse, die Wirtschaftsleistung legte zu.
  • Auch beim Abbau des riesigen Schuldenberges machte Athen Fortschritte.
  • Aber jetzt stürzt die Corona-Pandemie das Land wieder in die Rezession – damit droht eine neue Schuldenexplosion.
|
Anzeige
Anzeige

Athen. 2020 sollte das Jahr der Wende werden. Nach dem Regierungswechsel im vergangenen Juli versprach der neu gewählte konservative Regierungschef Kyriakos Mitsotakis, Griechenland auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu führen. Daraus wird vorerst nichts.

Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresvergleich um 15,2 Prozent. Das war der tiefste Einbruch seit 25 Jahren. Für das Gesamtjahr prognostiziert die EU-Kommission Griechenland einen Rückgang des BIP um 9 Prozent. Im Haushalt klaffte in den ersten acht Monaten bereits ein Loch von 6,6 Milliarden Euro.

Der Athener Finanzminister nimmt wegen der Rezession nicht nur weniger Steuern ein. Die Regierung pumpt auch Milliarden in die Stützung der angeschlagenen Wirtschaft und die Rettung gefährdeter Arbeitsplätze. Statt eines ursprünglich geplanten Primärüberschusses von 3,6 Prozent des BIP rechnet die Regierung jetzt 2020 mit einem Minus von 6,2 Prozent.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Das große Fragezeichen der Ungewissheit

Auch beim Abbau seiner Schulden wird das Land zurückgeworfen. 2018 erreichten die griechischen Staatsschulden mit 181,2 Prozent vom BIP ihren bisherigen Höchststand. Vergangenes Jahr betrug die Quote noch 176,6 Prozent. In diesem Jahr sollte sie, so der ursprüngliche Haushaltsplan, auf 169,3 Prozent fallen. Stattdessen wird die Verschuldung wohl einen neuen Rekordstand erreichen.

Finanzminister Christos Staikouras rechnet in seinem Haushaltsentwurf für 2021 mit einer Quote von 197,4 Prozent. Zentralbankchef Yannis Stournaras erwartet sogar, dass sie die Marke von 200 Prozent des BIP überschreiten wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) veranschlagt einen Anstieg auf 200,8 Prozent. Damit würde Griechenland eine bisher in der Eurozone nie dagewesene Verschuldung erreichen.

Anzeige

Finanzminister Staikouras hofft, dass es bei einem einmaligen Ausreißer bleibt. Er will 2021 die Schuldenquote wieder unter 190 Prozent des BIP drücken. Ob das gelingt, hängt vor allem vor der Entwicklung der Konjunktur ab. Die EU-Kommission prognostiziert Griechenland für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 6 Prozent. Dafür sollen nicht zuletzt die Finanzmittel des europäischen Aufbauplans sorgen, aus dem Griechenland insgesamt 32 Milliarden Euro erwartet. Über allen Vorhersagen schwebt aber als großes Fragezeichen die Ungewissheit über die Entwicklung der Pandemie.

Griechenland ohne Probleme, sich zu refinanzieren

Anzeige

Trotzdem hat Griechenland keine Probleme, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Das zeigen die jüngsten Bondemissionen. Die Anleger reißen sich förmlich um die Papiere, obwohl die Renditen der Hellas-Bonds so niedrig sind wie nie zuvor, seit Griechenland 2001 den Euro einführte. Eine Anfang September begebene zehnjährige Anleihe war siebenfach überzeichnet.

Dass die Finanzmarktakteure trotz steigender Schulden Vertrauen in Griechenland setzen, hat mehrere Gründe. Rund 80 Prozent der griechischen Staatsschulden sind bei öffentlichen Gläubigern wie dem Eurostabilitätsfonds ESM. Sie können das Land nicht fallen lassen. Die Zinsen der Hilfskredite sind niedrig, die Tilgung läuft bis 2070. Außerdem verfügt der griechische Finanzminister über Rücklagen von 37,8 Milliarden Euro. Mit diesem Liquiditätspolster ist das Land auf mehr als drei Jahre durchfinanziert.

Überdies muss Griechenland viel weniger für den Schuldendienst ausgeben als erwartet. Beim Abschluss des Hilfsprogramms im Sommer 2018 rechneten die Gläubigerinstitutionen mit Refinanzierungskosten von 4 bis 5 Prozent. Tatsächlich sind es derzeit nur rund ein Prozent. Trotz vorübergehend steigender Schulden wird sich also das Schreckensszenario vom Frühjahr 2015, als Griechenland vor der Pleite stand, wohl nicht wiederholen.

RND

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen