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Warum die Renten im nächsten Jahr stark steigen – und welchen Reformbedarf es gibt

Die Rente steht vor großen Zukunftsproblemen. (Symbolbild)

Berlin.Obwohl die Zahlen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit in der Corona-Krise noch nicht in Stein gemeißelt sind, steht doch jetzt schon fest: Die 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können sich im kommenden Jahr auf eine starke Erhöhung ihrer Bezüge einstellen. In Westdeutschland sollen die Renten laut offizieller Schätzung im Juli um 5,2 Prozent steigen. Im Osten sollen es im Zuge der Angleichung an den Westen 5,9 Prozent sein.

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Eines vorweg: Dass es im kommenden Jahr eine deutlich spürbare Erhöhung der Renten geben wird, ist genauso richtig wie die Tatsache, dass es in diesem Jahr eine Nullrunde gab. Dafür gibt es nachvollziehbare Regeln: Ob und wie stark die Rente erhöht wird, orientiert sich immer an der Lohnentwicklung des Vorjahres. Nachdem die Corona-Pandemie zunächst voll durchgeschlagen hat, geht es jetzt wieder aufwärts.

Die Rückkehr zur Generationengerechtigkeit muss kommen

Der beschriebene Mechanismus ist fair – bis auf eine Ausnahme. Zum Schutz der Rentner ist vernünftiger­weise festgelegt, dass die Renten auch in Krisenzeiten nicht sinken sollen. Diese Regel hat eine Rentenkürzung im laufenden Jahr verhindert. Eigentlich gibt es für solche Fälle aber einen Nachholfaktor, der vorsieht, dass im Gegenzug die nächste Rentenerhöhung geringer ausfallen soll. Doch die große Koalition hat ihn ausgesetzt. In Zukunft täte die Politik gut daran, wieder zu diesem generationengerechten Verfahren zurückkehren.

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Generell stellt sich die Frage: Ist nur die Rentenerhöhung sicher? Oder gilt das dauerhaft auch für die Rente? Die gute Nachricht ist: Bis zum Jahr 2025 sind keine riesigen Probleme zu erwarten. Die schlechte ist: Danach wird sich die demografische Entwicklung zunehmend bemerkbar machen. Viele Menschen aus den geburten­starken Jahrgängen werden in Rente gehen. Das Zahlenverhältnis von arbeitender Bevölkerung und Rentnern wird ungünstiger.

Auch am Renteneintrittsalter sollte gedreht werden

Mit Blick auf dieses Problem gibt es gleich drei unangenehme Wahrheiten. Die erste ist: Es gibt nicht die eine Lösung für das Problem. Die Rente wird vielmehr über viele Jahre eine Baustelle sein. Um sie stabil zu halten, muss immer wieder an unterschiedlichen Stellen nachjustiert werden: Die Menschen werden mit höheren Beiträgen leben müssen. Auch der ohnehin schon riesige Steuerzuschuss wird weiter anwachsen müssen.

Daher lautet die zweite Wahrheit: Den Menschen stehen bei der Rente auch Zumutungen bevor. Da die Deutschen erfreulicherweise immer älter werden, betrifft dies auch die Frage des Renteneintrittsalters. Der Vorschlag von Wissenschaftlern, das Alter, in dem Menschen in den Ruhestand gehen, an die Entwicklung des durchschnittlichen Lebensalters zu koppeln, ist so einfach wie überzeugend. Das würde bedeuten: Ein Teil der zusätzlichen Lebenszeit muss gearbeitet werden, der andere Teil verlängert die Zeit in Rente.

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Die Ampelparteien lassen keinen großen Reformeifer erkennen

Drittens ist nicht erkennbar, dass die Parteien bereit wären, die Probleme planvoll anzupacken. Das Sondierungspapier der Ampelparteien lässt nicht auf großen Reformeifer hoffen. Das Rentenniveau soll stabil gehalten werden – größere Anstrengungen, die Rente zukunftssicher zu machen, sind bislang nicht abzusehen. Der Einstieg in eine teilweise Kapitaldeckung der Rentenversicherung fällt nach den bisherigen Plänen so gering aus, dass er weder etwas zum Guten noch zum Schlechten verändern wird.

Olaf Scholz hat gesagt, die Ampelkoalition solle so erfolgreich arbeiten, dass sie nach vier Jahren gute Chancen habe, wiedergewählt zu werden. Dann hätte sie es in der Rente mit den Problemen zu tun, die sie jetzt aller Voraussicht nach nicht ausreichend anpackt.

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