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  • Rente steigt um fünf Prozent – Wie sieht die Altersvorsorge zukünftig aus?

5 Prozent mehr – Wie geht es weiter mit der Rente?

  • Die Renten sollen im Jahr 2022 steigen: Im Westen um 5,2 und im Osten um 5,9 Prozent.
  • Auch für 2023 sind die Aussichten gut – und die Beitragssätze sollen bis dahin auch stabil bleiben.
  • Trotzdem mahnen Ökonomen die Politik an, unter anderem beim Thema Renteneintrittsalter.
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Berlin. Die Renten werden im kommenden Jahr stark steigen. Laut einer offiziellen Schätzung sollen die Renten im Juli in Westdeutschland um 5,2 Prozent steigen – und damit so stark wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Im Osten soll sich die Steigerung nach den derzeitigen Berechnungen auf 5,9 Prozent belaufen, also im Zuge der Angleichung an den Westen noch etwas stärker ausfallen. Das geht aus dem Entwurf des Renten­versicherungs­berichts 2021 hervor. Für einen Rentner mit 1000 Euro Rente würde dies im Westen eine Erhöhung auf 1052 Euro, im Osten eine Erhöhung auf 1059 Euro bedeuten.

Die Deutsche Rentenversicherung Bund bestätigte die Zahlen, wies allerdings darauf hin, dass die endgültige Berechnung erst im März kommenden Jahres vorliegen werde. Die Unsicherheiten seien in dieser Hinsicht gerade mit Blick auf die Corona-Krise noch etwas größer als sonst. „Eine Abweichung von einem Prozent­punkt oder mehr ist durchaus im Bereich des Möglichen – genauso wie es auch zu einer Punktlandung kommen kann“, sagte Alexander Gunkel vom Vorstand der Rentenversicherung auf Nachfrage am Mittwoch vor Journalisten in Berlin.

Die Zukunft sieht für die Renten gut aus

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Die Frage, ob und wie stark die Renten erhöht werden, orientiert sich jeweils an der Lohnentwicklung des Vorjahres. So gab es im laufenden Jahr eine Nullrunde für die Rentner, weil die Corona-Krise voll bei den Renten durchgeschlagen ist. Im Jahr 2022 wird sich bei den Renten dann bemerkbar machen, dass es aktuell schon wieder aufwärtsgegangen ist. Auch für 2023 sind die Aussichten damit gut: Momentan gehen viele Forscher davon aus, dass die Wirtschaft in Deutschland dann kräftig wachsen wird.

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Die kräftige Rentenerhöhung dürfe auch die Debatte über die Aussetzung des sogenannten Nachholfaktors wieder beleben. Dank einer Schutzklausel ist ausgeschlossen, dass es zu Rentenkürzungen kommt – selbst wenn sie sich rechnerisch ergeben sollten. Das war zum Beispiel im laufenden Jahr der Fall: Es gab eine Nullrunde für die Rentner, aber keine Rentenkürzung. Ursprünglich gab es mal einen Nachholfaktor, der vorgesehen hätte, dass dafür die nächste Rentenerhöhung geringer ausfällt. Dieser Nachholfaktor ist aber von der großen Koalition ausgesetzt worden.

Der Beitragssatz soll bis 2023 stabil bleiben

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In kommenden Jahren könne es allerdings auch wieder zu geringeren Erhöhungen und Nullrunden kommen, hieß es seitens der Rentenversicherung. Bei den Steigerungen der Rentenhöhe habe man es mit einer Wellenbewegung zu tun, die über mehrere Jahre betrachtet werden müsse, sagte Gunkels Vorstandskollegin Anja Piel.

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Der Beitrag zur Rentenversicherung bleibt zunächst stabil, wie Piel auf Grundlage der Finanzschätzung vom Oktober dieses Jahres sagte. „Der Beitragssatz von 18,6 Prozent wird bis 2023 voraussichtlich beibehalten werden können und steigt danach bis 2025 auf 19,7 Prozent“, sagte sie. Bis 2025 gilt für den Beitragssatz nach derzeitigem Recht eine Haltelinie von 20 Prozent, die nicht überschritten werden darf.

Ökonomen mahnen die Politik an

Piel räumte allerdings ein, dass es die Rente bald stärker mit den Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu tun bekommen werde. „Gleichwohl ist natürlich nicht zu übersehen, dass trotz der Reformen der vergangenen Jahre langfristig mehr Rentner auf 100 Beitragszahler entfallen werden“, sagte sie. „Deshalb wird der Beitragssatz steigen müssen“, fügte sie hinzu.

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Ökonomen wie Axel Börsch-Supan vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München mahnen, die Politik müsse sich jetzt darum kümmern, dass die Weichen für eine stabile Rente in der Zukunft gestellt würden. „Da die Babyboomer bald in großer Zahl in Rente gehen, erwartet uns in der gesetzlichen Renten­versicherung ab 2025 ein Finanzierungs­schock“, hat er mehr als einmal gewarnt.

Bei den Reformanstrengungen darf aus seiner Sicht auch das Thema Renteneintrittsalter nicht ausgespart werden. Dieses steigt durch die Einführung der Rente mit 67 momentan ohnehin an. Für die Zeit ab 2030 fordert der Ökonom, das Rentenalter solle an die Steigerung der Lebenserwartung gekoppelt werden. Die Devise: Wenn die Menschen älter würden, müssten sie einen Teil dieser Zeit auch arbeiten.

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