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Rennen um CDU-Vorsitz: Wenn ein Virus zum Hauptkonkurrenten wird

  • Das Rennen um den CDU-Vorsitz hat durch die Corona-Krise eine neue Komponente bekommen.
  • Kandidat Armin Laschet hätte als NRW-Regierungschef bessere Chancen zur Profilierung als seine Konkurrenten Friedrich Merz und Norbert Röttgen – aber so richtig klappt das nicht.
  • Allerdings ist es möglich, dass er auf mittlere Sicht dennoch profitiert, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Was für ein Traumszenario wäre das für einen neuen CDU-Vorsitzenden: Pünktlich zu seiner Inthronisierung hat die Partei ihr Umfragetief hinter sich gelassen. Die 40-Prozent-Marke verschafft dem Neuen die Aura einer Verheißung und der Partei Gelassenheit.

Aber so ist es nicht. Die CDU erreicht zwar neue Höhen. Aber das Coronavirus hat den Sonderparteitag, auf dem an diesem Samstag der neue Parteichef bestimmt werden sollte, aus dem Kalender geschoben.

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Der Boom der CDU liegt nicht am Reiz des Neuen, sondern an Vertrauen zu Bekanntem. Krisenzeiten sind Regierungszeiten, die Parteien rücken in den Hintergrund. Das Virus hat einschüchternde Kraft, die Kanzlerin strahlt Ruhe aus. Die CDU, die sich so gern lösen würde von ihrer Langzeitchefin, profitiert einmal mehr vom Merkel-Effekt.

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Der Corona-Effekt für den CDU-Wettlauf ist ein besonderer: Obwohl Armin Laschet als NRW-Ministerpräsident der Präsenteste war, haben sich seine Chancen auf einen Sieg nicht verbessert.

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Norbert Röttgen war abgetaucht, Friedrich Merz versuchte, sich über Tweets aus dem Homeoffice im Gespräch zu halten. Laschet aber war der Krisenmanager, einer also, der seine Führungsfähigkeit konkret beweisen konnte. Nimmt man die Umfragen als Indikator, ist dies nicht geglückt.

Ausgerechnet im Versuch, das Virus etwas gelassener zu nehmen, strahlte Laschet Nervosität aus. Sein Öffnungskurs wirkte wie das verzweifelte Bemühen, dem omnipräsenten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder nicht die gesamte Bühne zu überlassen – und damit möglicherweise auch die Unionskanzlerkandidatur. Das hat dazu geführt, dass Merkel sich öffentlich von Laschet distanzierte. Das haben in der CDU bisher nicht allzu viele geschafft. Kurzfristig wird das Laschet nicht helfen.

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Unglücksrabe oder geschickter Stratege

Das alles aber kann sich noch ändern. Über den CDU-Vorsitz wird frühestens im Dezember abgestimmt. Bis dahin kann Laschet kläglich gescheitert sein, nicht an seinen Gegnern, sondern an explodierenden Infektionsraten.

Es kann aber auch sein, dass der Überdruss an den Beschränkungen ihm neuen Zuspruch verschafft. Sofern ihm nicht der derzeitige Titel als Unglücksrabe bleibt, hinge ihm dann im CDU-internen Rennen nicht mehr das Label als pragmatisch-liberale Merkel-Kopie an.

Laschet profiliert sich mit einem Kurs, der den sonst eher Merz zugewandten Wirtschaftsflügel der Partei anspricht. Sein lautes Werben für die Zulassung von Gottesdiensten zielt ins christlich-konservative Milieu. Es wäre dann eine zwar riskante, aber auch geschickte Strategie gewesen.

Eines allerdings ist ziemlich sicher: Der instinktsichere und wandelbare Söder wird alles daransetzen, weiter als Erster und Bester dazustehen – und im Zweifel auch als der oberste Exit-Stratege. Es könnte sich dann ein neues Szenario auftun, mit Söder als Unionskanzlerkandidaten und Gesundheitsminister Jens Spahn als CDU-Chef. Der Grad von Spahns Loyalität zu seinem derzeitigen Teamchef Laschet wird darauf hinweisen.

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