Rennen um AKK-Nachfolge: Eine Chance für die CDU

  • Erstmals teilen sich Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen im parteiinternen Wahlkampf um den CDU-Vorsitz eine Bühne.
  • Laschet gibt den Macher, Merz den Umkrempler, Röttgen den Aufrüttler.
  • Gelegentlich flackert auch mal Dissens auf – gut so, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Ach ja, da war doch was: Die CDU hat immer noch keinen neuen Vorsitzenden. Im Krisentrubel der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen ging im Laufe dieses langen Jahres unter, dass Deutschlands führende Volkspartei noch immer nicht weiß, wie und mit wem sie die Bundestagswahl 2021 bestreiten will. Gut, dass die Junge Union nun an diese für Deutschlands Zukunft ja nicht unerhebliche Frage erinnert hat.

Die Anwärter auf den Parteivorsitz trafen am Samstag in Berlin aufeinander, um per Livestream den zugeschalteten politischen Nachwuchs von sich zu überzeugen. Schließlich stellt die Junge Union rund 100 der 1001 Delegierten, die Anfang Dezember einen neuen CDU-Chef wählen sollen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen unterstrichen ihren Gestaltungswillen. Laschet gab den Macher, Merz den Umkrempler, Röttgen den Aufrüttler. Und alle beteuerten ihren Einsatz für die Anliegen der Jungen: Bildung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit.

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Kandidaten um den CDU Vorsitz sprechen vor Junger Union
2:13 min
Am Samstag traten die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz in Köln bei der Jungen Union Nordrhein-Westfalen auf.  © Reuters
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In der Sache liegen die drei Kandidaten nicht weit auseinander. Selbst Merz positionierte sich in Kontinuität zu Angela Merkel. Im Temperament aber zeigen sich sehr wohl Unterschiede. Mitunter trat Laschet so energisch und – gegenüber Röttgen und dessen düsterer Bilanz bisheriger CDU-Digital- und Bildungspolitik – so offen kritisch auf, dass der Ministerpräsident seinen Kontrahenten fast die Show stahl. Man kann die Angriffslust des in dem Umfragen zurückgefallenen Landeschefs als Ausdruck großer Selbstgewissheit deuten – oder auch großer Nervosität.

Jedenfalls ist es der CDU und ihrem Parteinachwuchs mit einem innovativen Format und demonstrativer Lust auf Kontroverse gelungen, den Fokus zurück auf den parteiinternen Wahlkampf zu rücken. Einige führende Christdemokraten scheuen ihn, weil sie um den bereits angeknacksten Zusammenhalt der Partei fürchten. Doch der Wettstreit ist eine Chance für die CDU: Er kann die Partei um neue Impulse und Ideen bereichern, die sie zum Ende der Ära Merkel dringend braucht.

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