Aufhebung der Reisewarnung: Corona macht keine Ferien

  • Die Bundesregierung will das Reisen ins europäische Ausland schon bald wieder ermöglichen.
  • Mobil sind aber nicht nur Urlauber, mobil ist auch das Coronavirus.
  • Der Sommer 2020 wird daher anstrengend, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Europa gab ein hässliches Bild ab, als seine Staaten Mitte März ohne Abstimmung untereinander Grenzen schlossen. Eine große Errungenschaft der Europäer, die freie Fortbewegung auf dem Kontinent, geriet in Gefahr. Der Schock darüber saß tief. Auch in Berlin, wo die Regierung im Eifer nationaler Krisenbekämpfung Europa aus dem Blick verlor. Das darf sich nicht wiederholen.

Grenzen zu schließen ist allerdings leichter, als sie zu öffnen. Groß waren daher in den vergangenen Wochen die Bemühungen von Außenminister Heiko Maas, wenn schon nicht beim Herunterlassen der Schlagbäume, so doch bei ihrer Öffnung koordiniert vorzugehen. In zahlreichen Videokonferenzen einigten sich Europas Regierungen auf einen einigermaßen harmonischen Zeitkorridor, innerhalb dessen Grenzen geöffnet, Quarantänepflichten gestrichen und Abstands- sowie Hygieneregeln angeglichen werden. Gut so.

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Reisewarnungen für die meisten Länder Europas werden aufgehoben
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Die Bundesregierung will die weltweite Reisewarnung für Touristen ab dem 15. Juni für rund 30 europäische Staaten aufheben.  © Marina Kormbaki/Reuters
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Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben. Nicht so sehr europäischer Geist beflügelt ihren Tatendrang, sondern pure Not. Der Süden ist abhängig vom Norden. Griechische Pensionswirtinnen, spanische Kellner und kroatische Strandliegenverleiher sind auf deutsche Urlauber angewiesen. Reisefreiheit muss man sich leisten können.

Wer dieses Privileg hat, muss um seine Verantwortung wissen. Der Wegfall der Reisewarnung für europäische Länder ist kein grünes Licht in unbekümmerte Ferien. Der Sommer 2020 wird anstrengend. Lüften, Hände waschen, Abstand halten: Im Hotel gelten dieselben Corona-Regeln wie daheim. Ihre Einhaltung kann in der Ferne erst recht überlebenswichtig sein.

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Grenze Zu, Grenze Auf – Wie ist die Lage in den Urlaubsländern?
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Die Reisewarnung wird für viele Länder aufgehoben. Wie ist die Lage in den beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen?  © Marina Kormbaki/RND

Dass etwa Portugal und Griechenland mit niedrigen Fallzahlen durch die Krise kommen, liegt nicht an der Meeresluft. Die Regierungen haben früh strenge Ausgangssperren verhängt, weil sie um die Mängel ihres Gesundheitswesens wissen. Urlauber sollten dies nicht aus Egoismus oder Gedankenlosigkeit auf die Probe stellen.

RND


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