25 Festnahmen bei Razzia

„Reichsbürger“: Was sie glauben und wie gefährlich sie sind

Ein Mann trägt einen Pullover mit dem Aufdruck «Deutsches Reich».

Ein Mann trägt einen Pullover mit dem Aufdruck „Deutsches Reich“ (Symbolbild).

Die Polizei hat bei einer Razzia am Mittwoch 25 Menschen aus der „Reichsbürger“-Szene festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, einen Umsturz des Staates vorbereitet zu haben. Unter ihnen ist auch die frühere AfD-Abgeordnete Birgit Malsack-Winkemann und der Adlige Heinrich XIII. P. R. Doch was sind sogenannte „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“? Und wie gefährlich sind sie? Sechs Fragen und Antworten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was glauben „Reichsbürger“?

Die Szene ist sehr gemischt. Es gibt nicht den einen typischen „Reichsbürger“. Trotzdem gibt es bestimmte Annahmen, die die Szene einen. „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“ glauben, dass die Bundesrepublik Deutschland kein souveräner Staat ist. Das Deutsche Reich besteht in ihren Augen weiterhin fort. Viele glauben an eine Verschwörungserzählung, laut der Deutschland besetzt ist: Die Alliierten, die Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg besiegten, hätten im Land das Sagen. Angehörige der Szene werfen dem Staat häufig vor, eine GmbH zu sein. Der Personalausweis heiße Personalausweis, weil alle Bürgerinnen und Bürger des deutschen Staates eigentlich Personal der „Firma BRD“ seien, so die „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“.

Die Bundesregierung arbeite zudem nicht zum Wohl des deutschen Volkes, sondern im Sinne der sogenannten Besatzungsmächte, beziehungsweise der „BRD GmbH“. Deshalb lehnen „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“ die Vertreter und Vertreterinnen des deutschen Staates ab. Dies betrifft zum Beispiel Politikerinnen und Politiker und Polizistinnen und Polizisten. Viele „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“ weigern sich auch, Steuern zu zahlen oder sich an Gesetze zu halten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Hauptstadt-Radar

Persönliche Eindrücke und Hintergründe aus dem Berliner Regierungsviertel. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Wieso beschaffen sich viele „Reichsbürger“ eigene „Ausweise“?

Weil „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“ den Staat ablehnen, akzeptieren sie auch oft Dokumente wie Führerscheine und Personalausweise nicht. Deshalb basteln sich einige von ihnen selbst Ausweise. Eine niedersächsische Polizistin und „Reichsbürgerin“ beantragte beispielsweise vergangenes Jahr einen Ausweis des „Königreich Preußens“ bei einer Szeneorganisation. Die Beamtin wurde deshalb vom Dienst suspendiert.

Wie groß ist die „Reichsbürger“-Szene?

Das Bundesinnenministerium zählt 2022 rund 21.000 Personen in Deutschland zur „Reichsbürger“-Szene. Laut Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, erhielt die Szene in den letzten Jahren erheblichen Zulauf.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wie gefährlich sind „Reichsbürger“?

Immer wieder machen Angehörige der Szene mit Verbrechen Schlagzeilen. Zum Beispiel 2016 erschoss in Nürnberg ein „Reichsbürger“ einen Polizisten und verletzte drei seiner Kollegen. Im selben Jahr warnte der Experte Dirk Wilking vor einer zunehmenden Aggressivität der Szene.

Laut Bundesinnenministerium besitzen rund 500 „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“ legal Waffen. Mindestens 1050 Angehörigen der Szene wurde seit 2016 die Waffenerlaubnis entzogen. Das Innenministerium schätzt 2100 „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“ als gewaltbereit ein.

Sind „Reichsbürger“ rechtsextrem?

1150 Angehörige der „Reichsbürger“-Szene stuft das Bundesinnenministerium 2022 als rechtsextrem ein. Die Bundesregierung unter Angela Merkel ging 2021 von 950 rechtsextremen „Reichsbürgern“ aus. Als rechtsextrem gilt laut dem Innenministerium, wer die freiheitlich demokratische Grundordnung und die fundamentale Gleichheit aller Menschen ablehnt. Als weitere Merkmale führt das Ministerium auf: aggressiver Nationalismus, Feindseligkeit gegenüber Fremden und Verharmlosung oder Leugnung der Verbrechen des Nationalsozialismus.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sind „Reichsbürger“ antisemitisch?

In der Szene sind antisemitische Verschwörungserzählungen weit verbreitet. Die mittlerweile verbotene „Reichsbürger“-Gruppe Geeinte Deutsche Völker und Stämme bezeichnete Juden beispielsweise als eine „dunkle Rasse“. Außerdem verbreitet die Vereinigung die Verschwörungserzählung, dass die deutsche Politik von „Jakobs Söhnen“ gesteuert würde. Das Codewort „Jakobs Söhne“ spielt auf die zwölf Stämme Israels an und bezieht sich ganz allgemein auf Jüdinnen und Juden. Die Gruppierung knüpft damit an die weitverbreitete Lüge an, Jüdinnen und Juden würden im Geheimen die Welt steuern. Wie viele „Reichsbürgerinnen“ und „Reichsbürger“ genau antisemitisch sind, ist nicht bekannt.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Top Themen

Krieg in der Ukraine
 

Letzte Meldungen