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Opferbeauftragter: “Nicht nur die Täterperspektive einnehmen”

  • Edgar Franke ist Opferbeauftragter der Bundesregierung.
  • Sofort nach dem Anschlag in Hanau reiste der SPD-Politiker in die hessische Stadt.
  • Im Interview spricht er über Trauer und Wut bei den Menschen vor Ort und die Hilfen für die Familien der Opfer.
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Berlin/Hanau. Herr Franke, wie gehen die Menschen in Hanau mit dem um, was passiert ist?

Jeden, auch mich, erschüttert diese schreckliche Bluttat zutiefst. Ich merke, dass die Menschen in der Stadt Zeichen der Solidarität setzen wollen. Ich erlebe hier eine Mischung aus Trauer und Wut. Da ist einerseits die Fassungslosigkeit, dass Menschen aus der Mitte des Lebens gerissen wurden. Und andererseits beschäftigt viele, dass ein solcher rassistischer Anschlag ausgerechnet in der Stadt möglich ist, die seit Jahren und Jahrzehnten ihr Zuhause und eine bunte, vielfältige Stadt ist.

Sie wollen, dass da jemand ist, der zuhört.

Edgar Franke (SPD), Opferbeauftragter der Bundesregierung
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Geht es auch um das Gefühl: In Deutschland kann man nicht mehr sicher sein?

Der Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus ist eine große Gefahr für unsere Demokratie und unsere friedliche Gesellschaft. Wenn man sich die Anschläge in Halle und jetzt in Hanau anschaut, gibt es eine Gemeinsamkeit: Beide Täter haben sich im Internet radikalisiert. Polizei und Verfassungsschutz hatten sie nicht auf dem Schirm. Das ist, was Angst macht. Auch deshalb müssen wir zeigen, was Solidarität ist: Dass die Gesellschaft zusammensteht und die freiheitliche Demokratie verteidigt.

Video
Hanau – Im Gespräch mit Angehörigen
1:20 min
Zwei Angehörige der Opfer von Hanau teilen ihre Gedanken und Wünsche an die Politik.  © RND

Sie haben mit den Angehörigen der Opfer in Hanau gesprochen. Was ist für sie jetzt das Wichtigste?

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Sie wollen, dass da jemand ist, der zuhört. Sie wünschen sich von Repräsentanten des Staates, dass ihre Sorgen und Nöte ernst genommen werden. Man muss in dieser Situation Stille auch mal aushalten. Wir sind da und bieten ganz konkrete Hilfen an. Dazu gehört auch psychologische Unterstützung, persönlich oder telefonisch. Zuhören ist jetzt das Wichtigste. Es wird lange dauern, das Geschehene zu verarbeiten. Mein Team und ich werden für die Opfer auch dann da sein, wenn sich die öffentliche Aufmerksamkeit wieder gelegt hat.

Steht die Person des Täters zu sehr im Fokus der Berichterstattung?

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Die Familien der Opfer brauchen unsere Unterstützung. Deshalb ist es wichtig, dass es jetzt im Bund wie in den Ländern Opferbeauftragte gibt. Es geht darum, die Perspektive der Opfer einzunehmen und nicht immer nur die des Täters.

Welche finanziellen Mittel stehen für die Familien der Opfer zur Verfügung?

Da geht es im Wesentlichen um zwei Töpfe. Aus dem Fonds für Härteleistungen können innerhalb von zwei Wochen Soforthilfen ausgezahlt werden. Für Ehepartner, Kinder und Eltern von Getöteten sind das 30.000 Euro, für Geschwister 15.000 Euro. Das kann das schreckliche Leid des Verlusts der eigenen Eltern oder Kinder nicht lindern. Aber zumindest ist es eine Hilfe für die nötigsten Dinge, die in diesem Moment wichtig sind. Darüber hinaus gibt es Leistungen nach dem neuen Sozialgesetzbuch 14. Da geht es um die Zahlung von Hinterbliebenenrenten und die Übernahme von Beerdigungskosten.


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