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„Ursprung falsche Informationen“: Botschafter wirft Deutschen Kampagne gegen Ungarn vor

  • Die Stadt München wollte die Allianz Arena am Mittwoch zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in den Regenbogenfarben leuchten lassen.
  • Ungarns Botschafter Péter Györkös kritisiert eine „Kampagne mit falschen Interpretationen“.
  • Die Uefa hat sich inzwischen gegen die Aktion der Landeshauptstadt ausgesprochen.
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Berlin. Ungarn wehrt sich gegen den Vorwurf der Homophobie und betrachtet den ursprünglichen Plan der Stadt München, das EM-Stadion am Mittwoch in Regenbogenfarben zu beleuchten, als Teil einer Kampagne, deren „Ursprung falsche Informationen und Interpretationen sind“.

Das sagte Ungarns Botschafter in Berlin, Péter Györkös, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wollte im letzten EM-Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn mit der Illumination des Stadions ein Symbol für Toleranz und sexuelle sowie geschlechtliche Vielfalt setzen. Inzwischen hat sich die Uefa dagegen ausgesprochen.

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Anliegen von Viktor Orban

Hintergrund der Aktion ist ein neues ungarisches Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt und das am vorigen Dienstag vom dortigen Parlament gebilligt wurde. Die neuen Regeln sehen unter anderem ein Verbot von Büchern, Filmen und anderen Inhaltsträgern vor, die Kindern und Jugendlichen zugänglich sind und in denen Sexualität dargestellt wird, die von der heterosexuellen abweicht. Darüber hinaus soll Werbung verboten werden, in der Homosexuelle oder Transsexuelle als Teil einer Normalität erscheinen. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban, dem Kritiker das Schüren von Vorurteilen gegenüber Minderheiten vorwerfen.

Video
UEFA-Beschluss: Keine Regenbogenfarben für EM-Stadion in München
0:54 min
Das Münchner Stadion sollte beim deutschen EM-Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlen. Die UEFA lehnt den Antrag jedoch ab.  © dpa

„Die Kampagne, die gegen Ungarn ins Rollen gekommen ist, und ihre Ausweitung auf den Sport ist weder mit den Tatsachen, noch mit der Würde der Ungarn vereinbar“, sagte Botschafter Györkös dazu dem RND und betonte, das ungarische Gesetz stehe in keinem Widerspruch zu europäischen Rechtsnormen.

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Das Gesetz besage, dass die Entscheidung über die sexuelle Erziehung eines Kindes den Eltern obliege, ausschließlich den Eltern. Die vorrangige Verantwortung für die sexuelle Erziehung ihrer Kinder trügen die Eltern.

„Über das Leben von Erwachsenen werden in keiner Form Aussagen getroffen, nichts und niemand regelt irgendwas, es gibt im Gesetzestext keine wie auch immer gearteten Referenzen auf das Leben oder die sexuellen Präferenzen Volljähriger“, betonte Györkös. Individuelle Freiheit und Toleranz kämen vollumfänglich zum Tragen.

„Kampagne stoppen“

Mit Blick auf das Fußballspiel am Mittwoch in München sagte der Botschafter: „Vielleicht ist es noch nicht zu spät, eine Kampagne zu stoppen, deren Ursprung falsche Informationen und Interpretationen sind.“

Die stellvertretende AfD-Chefin Beatrix von Storch kritisierte, die Verantwortlichen in München würden das Fußballspiel für „links-grünen Agitprop gegen Ungarn“ nutzen wollen. „Die geplante Ausleuchtung der Arena in den Farben des schwulen Regenbogens richtet sich gegen Ungarns frei und demokratisch gewählte Regierung“, erklärte von Storch.

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Sport für politische Propaganda zu nutzen, habe eine schlechte Tradition in Deutschland, schrieb sie weiter. Der Plan verstoße nicht nur gegen das Reglement der Europäischen Fußball-Union Uefa, „sondern ist zugleich auch höchst undemokratisch“.

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