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Carolin Emcke: Zu Unrecht zwischen die Mühlsteine geraten

  • Die Publizistin Carolin Emcke hat beim Grünen-Parteitag eine Rede gehalten.
  • Nun steht der Verdacht des Antisemitismus im Raum.
  • Das politische Kalkül dabei ist nur leider allzu offensichtlich, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Die Welle der Empörung über die Rede der Publizistin Carolin Emcke beim Parteitag der Grünen ist enorm. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sieht „eine unglaubliche und geschichtsvergessene Entgleisung“. Beim Thema Antisemitismus dürfe es keinen Raum für Interpretationen geben, sagt er. Andere Kritiker stehen Ziemiak nicht nach. Nur: Der Vorwurf wird weder der Rede noch der Rednerin gerecht. Dafür ist das politische Kalkül umso offensichtlicher.

Gewiss war es unglücklich, die alte Feindschaft gegen die Juden und die neue Feindschaft gegen die Wissenschaft im Allgemeinen und die Klimaforschung im Besonderen in einem Atemzug zu nennen in Zeiten, in denen verquere historische Parallelen und abstoßende Vergleiche Konjunktur haben wie selten. Freilich werden auch noch ein paar andere Gruppen genannt: Kosmopoliten etwa oder Feministinnen. Und vom Holocaust ist ausdrücklich nicht die Rede.

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Intellektuelle Ikone

Vor allem ist Emcke, die sich von einer bekannten „Spiegel“-Reporterin zur intellektuellen Ikone der politischen Linken in Deutschland entwickelt hat, über jeden Zweifel erhaben – moralisch wie menschlich. Davon legen ihre Texte Zeugnis ab. Und das sagen alle, die sie kennen. Tatsächlich geht es ja auch gar nicht um Emcke.

Es geht darum, mithilfe einer verunglückten Redepassage einer Gastrednerin deren Gastgeber zu treffen. Hier ist eine redliche Frau zwischen die Mühlsteine eines Wahlkampfes geraten, der sich bereits dreieinhalb Monate vor der Wahl zur Schlammschlacht entwickelt hat und kaum eine Niedertracht mehr auslässt. Grünen-Anhänger wirken bei dieser Schlammschlacht zuweilen tüchtig mit, ohne es zu merken. Weil: Sie sind ja die Guten.

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Karawane zieht weiter

Die Autorin nimmt den Mechanismus in ihrer Rede selbst vorweg. Die Objekte, auf die sich empörter Protest heute richte, seien „so austauschbar wie mutwillig“, sagt sie. „Wir werden das im Wahlkampf sehen. Wir werden Manipulationen und Lügen sehen. Es wird keine Rolle spielen, welche Personen oder welche Parteien es trifft.“

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Carolin Emcke wird sich an die Auseinandersetzung über sie zweifellos noch eine Weile erinnern. Der Rest der Republik hingegen wird schon in einer Woche nicht mehr wissen, was da eigentlich gewesen ist. Dann ist die Karawane längst weitergezogen.

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