Rechtes Netzwerk in der Bundeswehr: Der Generalverdacht

  • Der Fall des terrorverdächtigen Bundeswehroffiziers Franco A. hat die Bundeswehr und das Land verändert.
  • Recherchen legen nahe, dass Franco A. kein Einzelfall war, sondern Teil eines rechten Netzwerks.
  • Führte auch sein Vorgesetzter ein Doppelleben?
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Berlin. Die Lage ist ernst, als Oberstleutnant Marc-Ulrich Cropp Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am 3. Mai 2017 im Elsass empfängt. Der Skandal um Bundeswehroffizier Franco A. beherrscht seit wenigen Tagen die Schlagzeilen. Ungläubig schaut die Republik auf das Doppelleben eines Oberleutnants, der als falscher syrischer Flüchtling rechtsextremistische Terroranschläge geplant haben soll. Der Skandal besitzt sämtliche Zutaten, Karrieren zu zerstören.

An jenem Mittwochmorgen inspiziert Bataillonskommandeur Cropp an der Seite der Ministerin die Kaserne im französischen Illkirch. Im Jägerbataillon 291 der deutsch-französischen Brigade hat Franco A. zuletzt seinen Dienst als Stabsoffizier versehen, quasi in Rufweite des Kommandeurs.

Cropp ist Oberstleutnant im Generalstab

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Als die Ministerin und der “kleine Muc”, wie Oberstleutnant Cropp in der Truppe genannt wird, über den Exerzierplatz schreiten – sie im hellen Blazer, er im grünen Kampfanzug – sind die Gesichter der beiden versteinert. Es ist der Moment, in dem der Skandal eine neue Ebene, in dem die Affäre um einen einfachen Oberleutnant die Generalität der Bundeswehr erreicht. Cropp ist Generalstabsoffizier. Er besitzt sämtliche Qualifikationen, die ihm den Aufstieg in die Generalität ermöglichen. Dass auch er ein zwielichtiges Leben führt, weiß in diesem Augenblick vermutlich niemand außer ihm selbst und wenigen Eingeweihten.

Journalisten werden Wehrmachtsdevotionalien gezeigt und ein Aufenthaltsraum, den die Soldaten “Bunker” nennen. Zu sehen sind Urkunden in Frakturschrift, Bilder von Wehrmachtssoldaten und Hakenkreuzen, gemalt auf Wände und eingeritzt in ein Sturmgewehr.

Zur Pressekonferenz erscheint die Ministerin ohne Cropp. Ohne seinen Namen zu nennen, sagt von der Leyen, sie sei enttäuscht. Besonders über Disziplinarvorgesetzte, die weder Informationen nach oben weiter gegeben noch die notwendigen Maßnahmen ergriffen hätten. Es scheint klar, wen sie in diesem Moment meint. Der Kasernenkommandeur, der den “Bunker” gekannt haben muss, hätte gegen die Wehrmachtsschmierereien vorgehen müssen. Doch offenbar tat er es nicht. Ursula von der Leyen blickt konzentriert in die Kameras. Dann sagt sie: “Es wird noch einiges hochkommen.”

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Gut zwei Jahre später im Herbst 2019 könnte sich ihre Prophezeiung erfüllen. Der Fall Franco A. hat im Jahr 2017 die Bundeswehr erschüttert. Er hat Deutschland verändert. Der Generalbundesanwalt wirft ihm vor, einen Anschlag auf einen Politiker oder eine andere Person des öffentlichen Lebens geplant zu haben. Franco A. habe eines seiner Gewehre mit einem Zielfernrohr ausgestattet und ein Parkhaus der Amadeu Antonio Stiftung als mögliches Opfer ausgespäht. Und womöglich wollte A. die Tat einem Flüchtling in die Schuhe schieben, indem er sich eine falsche Zweitidentität als Asylbewerber zulegte.

Der Fall Franco A. ist dubios. Aber er ist mehr als das. Er wirft Fragen auf nach rechten Netzwerken in der Bundeswehr, nach der Integrität der Truppe. Immer wieder stellte sich die Frage, wer seine Komplizen und Mitwisser waren. Und bei dieser Suche stellt sich besonders die Frage nach der Rolle seines Vorgesetzten Marc-Ulrich Cropp.

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Seit wenigen Tagen ist Ursula von der Leyen die mächtigste Frau Europas, sie führt die EU-Kommission in Brüssel an. Ausgerechnet jetzt wird im Fall Franco A. ein neues Kapitel aufgeschlagen. Und der frühere Kommandeur von Illkirch spielt dabei eine zentrale Rolle.

Cropp arbeitet inzwischen wie von der Leyen in Brüssel

Ironie des Schicksals: Zwischen ihrem Amtssitz an der Rue de la Loi und dem Nato-Hauptquartier am Boulevard Léopold III liegen nur wenige hundert Meter Luftlinie. Für die Nato in Brüssel arbeitet seit Beginn dieses Jahres Oberstleutnant Cropp.

Nach dem Skandal um Franco A. wurde der 47-Jährige versetzt. Der Posten in Brüssel ist für ihn bestenfalls ein Schritt zur Seite – und das trotz seiner bisherigen Bilderbuchkarriere. Cropp war Fallschirmjäger in Altenstadt, diente im Kommando Spezialkräfte (KSK), nahm an einem Elite-Lehrgang in den USA teil. Bis 2014 bekleidete er einen hohen Posten im Verteidigungsministerium. Im Planungsstab war er in wichtige Auslandseinsätze der Bundeswehr eingebunden, hatte Zugang zum Büro der Ministerin und arbeitete für den früheren Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes, Andreas von Geyr.

“Die Sache mit Franco A. hat ihn die weitere Karriere gekostet”, sagt ein ehemaliger Wegbegleiter Cropps, ein Hauptmann aus Illkirch. Doch liegt es wirklich nur daran?

400 Kilometer südöstlich von Brüssel, in Mannheim, schaut Ute Maag in ihren Computer. Auch sie beschäftigt sich mit Cropp, aber eher unfreiwillig. Seit vielen Jahren ist sie die gute Seele des Verbandes Deutscher Sportjournalisten. Sie arbeitet in der Geschäftsstelle und kennt viele Namen und Gesichter der mehr als 3000 Mitglieder. Immer wieder schüttelt die blonde Frau ungläubig den Kopf.

Der Sportjournalist sieht nicht nur so aus, er heißt auch so: Marc-Ulrich Cropp

Zufällig hat sie im Internet ein merkwürdiges Profil gefunden. Ein Mann mit rosafarbenem Hemd und Brille bezeichnet sich als Diplom-Kaufmann, Journalist und Mitglied im Verband Deutscher Sportjournalisten. Er will dem Verein Die Auswärtige Presse angehören, der sich wie die Vorläuferpartei der NSDAP mit den Buchstaben DAP abkürzt.

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Angeblich schreibt der Sportjournalist auch über Wirtschaft, Außenpolitik und Tourismus. Das Sonderbare: Das DAP-Mitglied sieht nicht nur so aus wie der frühere Illkirch-Kommandeur, er heißt auch so: Marc-Ulrich Cropp.

Der Verein DAP verweist auf seine Homepage

So sehr sich Ute Maag auch bemüht, diesen Mann in Dateien und Archiven ihres Verbandes zu finden, es will ihr nicht gelingen. “Da segelt jemand unter falscher Flagge”, sagt sie.

Als das RND beim DAP nachfragt, reagiert der Hamburger Verein gereizt. Präsidentin Maren Schönfeld verweist auf die DAP-Internetseiten. Darüber hinaus gebe man keine Interna heraus, weder über den Verein noch deren Mitglieder. “Von weiteren Anfragen oder Anrufen wollen Sie bitte Abstand nehmen”, schreibt Schönfeld in einer Mail ans RND und verweist auf die Datenschutzgrundverordnung “oder andere Datenschutzvorschriften”.

Angeblich ist Cropp Kaufmann und Journalist

Veröffentlichte Artikel von Cropp finden sich nicht auf den DAP-Seiten. Stattdessen stößt man auf seine angeblichen Berufe als selbstständiger Kaufmann und Journalist, auf eine Adresse in Potsdam, eine Handynummer, eine Mail-Anschrift sowie angebliche Mitgliedschaften im Verband Deutscher Sportjournalisten und in der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst.

Die Geschichte wird immer merkwürdiger.

Historiker vermutet Scharnierfunktion zum Rechtsextremismus

Hinter einigen Namen, die sich auch auf der DAP-Seite finden, verbergen sich Journalisten der “Preußischen Allgemeinen Zeitung” (PAZ). Das Blatt ist umstritten. Die Historiker Wolfram Wette und Peter Oliver Loew sehen in ihm ein Publikationsorgan der neuen Rechten. Journalist Anton Maegerle will in einigen Artikeln Holocaustleugnung erkennen und schreibt der Zeitung eine Scharnierfunktion zum Rechtsextremismus zu. Eine Einschätzung, die die “PAZ” ausdrücklich von sich weist.

Auf Facebook gefällt Cropp das Profil von Martin van Creveld. Der israelische Militärhistoriker genießt in rechten Zirkeln hohes Ansehen. Im Juni dieses Jahres hält er einen Vortrag am Institut für Staatspolitik von Götz Kubitschek, einem der intellektuellen Köpfe der neuen Rechten in Deutschland. Thema: “Delegitimierung des Krieges”. Bereits 2011 kritisierte van Creveld in einem Interview mit der “Deutschen Militärzeitschrift” den Begriff der “Political Correctness” als “grünäugiges Monster”, das freies Denken überall dort bekämpfe, “wo es um die möglichen Unterschiede von Menschen unterschiedlicher Rassen, die Unterschiede zwischen Geschlechtern und den Zusammenhang von Gesellschaft und Biologie geht”.

Militärzeitschrift verherrlicht angeblich die Waffen-SS

Nach Ansicht des Historikers Elmar Vieregge verherrlicht die Militärzeitschrift die Waffen-SS und präsentiert jungen Rechtsextremisten ein historisches Ideal für deren eigene Lebensgestaltung.

Alles nur Zufall?

Der angebliche Journalist taucht in keinen Publikationen auf

Cropp will laut DAP-Eintrag auch Mitglied in der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst sein, die dafür sorgt, dass veröffentlichte Fotos nachträglich vergütet werden. Doch über Cropp liegt der Gesellschaft nichts vor. Es gebe kein Mitglied mit diesem Namen, heißt es gegenüber dem RND. Veröffentlichte Bilder und Texte lassen sich auch sonst nirgendwo finden. Fehlanzeige auch beim Deutschen Journalistenverband: “Der Verein DAP ist uns als Berufsverband nicht bekannt. Herr Cropp ist nicht bei uns Mitglied”, sagt ein Verbandssprecher dem RND.

Video
Fall Franco A. – der Generalverdacht
5:31 min
Neue Entwicklungen im Fall Franco A.: Ein Presseaccount in Hamburg und ein Aufruf zum Putsch.  © Jörg Köpke/RND

Ist der angebliche Sportjournalist Marc-Ulrich Cropp identisch mit dem früheren Illkirch-Kommandeur? Wenn ja, warum legt sich ein Generalstabsoffizier der Bundeswehr eine doppelte Identität zu? Warum verschweigt er, dass er eigentlich Berufssoldat ist? Gehört Marc-Ulrich Cropp ebenfalls rechten Kreisen an wie sein früherer Stabsoffizier Franco A., dem die Bundesanwaltschaft vorwirft, unter falscher Identität rechtsterroristische Anschläge geplant zu haben?

“Vielleicht bin ich ja sein Bruder”

Unter der Telefonnummer, die im DAP-Profil des angeblichen Sportjournalisten zu finden ist, meldet sich tatsächlich jemand mit dem Namen Marc-Ulrich Cropp. Seine Stimme klingt norddeutsch. Der richtige Oberstleutnant Cropp stammt aus Hamburg, hat dort Abitur gemacht. Auf die Frage, ob er der frühere Illkirch-Kommandeur sei, antwortet der Befragte überrascht, nervös und ausweichend. Wer das wissen wolle und mit welcher Intention, fragt er. Dann holt er tief Luft und sagt: “Vielleicht bin ich ja sein Bruder.” Weitere Fragen will er nur schriftlich per Mail beantworten. Dann legt er auf.

Die insgesamt 25 Fragen, die das RND sowohl an die beim DAP hinterlegte Mail-Adresse als auch an die des Bundeswehr-Offiziers Cropp schickt, sind bis heute unbeantwortet. Keine Erklärung dafür, warum unter dem Namen Cropp ein Foto des früheren Illkirch-Kommandeurs veröffentlicht wurde.

Plötzlich ist Cropps DAP-Profil gelöscht

Keine Erklärung für die Namensgleichheit und die Angaben zu angeblichen Berufen und Verbandsmitgliedschaften. Nur eines: Unmittelbar nach dem Telefonat ist Cropps DAP-Profil plötzlich gelöscht.

Ein zuvor gespeicherter Screenshot führt an einem sonnigen Freitagmorgen im November zu einer Adresse in Potsdam. Was fehlt, ist eine Hausnummer, weshalb sich die Suche als schwierig gestaltet. Erst nach Stunden gibt eine Nachbarin den entscheidenden Hinweis. “Oberstleutnant Marc-Ulrich Cropp? Der wohnt dort hinten, gleich hinter der Abzweigung.”

Die Adresse des angeblichen Journalisten ist die des Illkirch-Kommandeurs

Das schlichte Haus in der Neubausiedlung ist weiß gestrichen. Auf dem Rasen liegen noch in Plastikfolie eingeschweißte schwarze Dachziegel. Zwei Glasvitrinen mit orangefarbenen Kürbissen flankieren den Eingang. Kurz nach dem Klingeln öffnet eine blonde Frau mit kurzem Pferdeschwanz die Tür und fragt: “Ja, bitte?”

“Ich suche Oberstleutnant Marc-Ulrich Cropp. Lebt er in diesem Haus?” “Ja, er wohnt hier. Aber er ist nicht da. Er ist bei der Arbeit”, antwortet die Frau. “In Brüssel?” “Ja. Vielleicht kommt er heute noch zurück. Aber wir wollen nicht mit Ihnen sprechen.” Abrupt schließt sie ohne Gruß die Tür. Ein Jagdhund läuft zum Gartenzaun, richtet sich auf und kläfft.

Verteidigungsministerium verweigert Angaben zu Cropp

Auf RND-Nachfrage gibt sich das Verteidigungsministerium zurückhaltend, verweist auf das Soldatengesetz. “Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu Einzelpersonalangelegenheiten nicht äußern. Gemäß Soldatengesetz (§29) sind Inhalte aus Personalakten strikt vertraulich zu behandeln und dürfen ohne Einwilligung der Soldatin/des Soldaten nicht weitergegeben werden”, heißt es in der Antwort eines Sprechers des Wehrressorts. Auch Fragen nach der neuen Verwendung Cropps lässt das Ministerium unbeantwortet.

Der Verdacht bleibt: Warum taucht Cropps Name mit Foto auf der DAP-Seite auf? Warum lässt Cropp die Möglichkeit ungenutzt, die Merkwürdigkeiten zu erklären? Hat er etwas zu verbergen? Vielleicht eine Sympathie für rechtsnationale und völkische Ideen?

Cropp wäre kein Einzelfall

Er wäre zumindest kein Einzelfall.

“Wann kommt endlich der Aufstand der Generäle?”, fragt der rheinland-pfälzische AfD-Fraktionsvorsitzende Uwe Junge im Juli dieses Jahres in einem Tweet als Reaktion auf die Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Verteidigungsministerin.

Ranghohe Offiziere stehen in Verbindung zu rechten Zirkeln

Junges Meinungsäußerung löst innerhalb von Minuten eine Welle der Empörung aus. Junge ist nicht irgendwer. Als ehemaliger Oberstleutnant der Bundeswehr zählt er zum Korps deutscher Stabsoffiziere. Er hat einen Eid auf die deutsche Verfassung geleistet.

Immer wieder sorgen ranghohe Offiziere für Schlagzeilen, weil sie nicht entschieden genug gegen rechte, rassistische oder frauenfeindliche Exzesse in der Truppe vorgehen. Oder weil sie sich selbst derart exponieren.

Struck entlässt General Günzel

Als Paradebeispiel gilt der ehemalige Brigadegeneral und frühere Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr, Reinhard Günzel. Nachdem der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann 2003 eine antisemitische Rede gehalten hat, lobt ihn Günzel in einem auf Briefpapier der Bundeswehr verfassten Schreiben. Als Folge versetzt der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) den General ohne die übliche Dankesformel in den Ruhestand.

Hohmann sitzt inzwischen für die AfD im Bundestag. Günzel hält Vorträge in NPD-nahen Zirkeln und veröffentlicht umstrittene Bücher. Ein Gespräch Günzels mit Götz Kubitschek, jenem neurechten Intellektuellen, erschien 2004 als Buch.

Deutsche Generäle putschen gegen die Weimarer Republik

Deutschland blickt auf eine unheilvolle Geschichte zurück, in der die Generalität nicht selten eine unrühmliche Rolle gespielt hat. 1920 erschütterte der Kapp-Lüttwitz-Putsch die junge Weimarer Republik. Aktive und ehemalige Reichswehrangehörige unter General Walther von Lüttwitz brachten Deutschland an den Rand eines Bürgerkrieges.

Im vergangenen Juni veröffentlicht die AfD-Bundestagsfraktion ein bemerkenswertes Positionspapier. Titel: “Streitkraft Bundeswehr”. Politischer Sprengstoff findet sich im allerletzten Satz: “Die Bundeswehr baut eine eigene Militärjustiz auf.”

Ex-General Spindler schreibt eine Studie für die AfD

Eine unabhängige Militärgerichtsbarkeit schließt das Grundgesetz mit Blick auf die NS-Zeit explizit aus. Bemerkenswert ist das Papier aber auch deshalb, weil an ihm nach RND-Informationen mindestens ein ehemaliger General der Bundeswehr mitgewirkt hat: Walter Spindler, ehemaliger Chefausbilder des Heers, im April 2017 vorzeitig von Verteidigungsministerin von der Leyen entlassen. Spindler wurde seinerzeit vorgeworfen, Ausbildern, die Soldaten als “genetischen Abfall” bezeichnet haben, nicht entschieden genug entgegen getreten sein. Als das RND nachhakt, räumt Spindler ein, 2018 eine kostenpflichtige Studie für den Arbeitskreis Verteidigung der AfD geschrieben zu haben. Die “Wortwahl in diesem Positionspapier” entspreche jedoch “nicht der von mir gewählten” und es habe auch nur wenig mit seiner Studie zu tun.

Spindlers Abberufung und die vorangegangene Affäre um Franco A. lösen eine Debatte über den Korpsgeist in der Bundeswehr aus. Von der Leyen attestiert der Truppe ein generelles Haltungsproblem und stellt damit auch führende Offiziere unter Generalverdacht.

Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen Spindler wenig später mangels Beweisen ein. Zurück bleibt ein frustrierter General – der kurz nach seiner Absetzung eine verteidigungspolitische Studie für die AfD schreibt.

SPD-Politiker vermutet einen “Staatsstreich für Soldaten”

Ob Frust oder politische Überzeugung: Was auch immer Spindler und andere ehemalige Generäle dazu bewogen haben mag, für die AfD zu arbeiten, sie sollten wissen, worauf sie sich einlassen.

Hinter dem “Aufstand der Generäle” von AfD-Politiker Junge vermuten nicht wenige den Aufruf zu einem “Staatsstreich für Soldaten”, wie es der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Mainzer Landtag, Martin Haller, formuliert.

AfD-Politiker Junge will Befürworter der Willkommenskultur zur Verantwortung ziehen

Junge selbst rechtfertigt sich, er habe nicht den bewaffneten Kampf gemeint, sondern verbalen Widerspruch. Ein weiterer Tweet Junges führt diese Erklärung allerdings ad absurdum. Im Dezember 2017 schreibt der AfD-Mann und ehemalige Oberstleutnant der Bundeswehr nach zwei von Asylbewerbern verübten Morden in Freiburg und Kandel: “Der Tag wird kommen, an dem wir alle (...) Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden.” Auf Nachfrage schreibt er dem RND, jeder, der Verantwortung trage, werde sich “für die Auswirkungen seines politischen Handelns eines Tages verantworten müssen!”

Die Wortwahl des AfD-Politikers erinnert an die jener, die sich auf einen ominösen “Tag X” vorbereiten, an dem sie gegen Anhänger einer freundlichen Flüchtlingspolitik vorgehen wollen. Sie erinnert an Aussagen der rechtsextremen Gruppierung Nordkreuz, die Munition und Waffen hortete, um politische Gegner auszulöschen; eine Gruppe, die sich vornehmlich aus ehemaligen Elitesoldaten der Bundeswehr zusammensetzt und über ganz Deutschland vernetzt ist. Dem Chat Süd soll laut BKA-Vermerk vom Juli 2017 auch Franco A. angehört haben.

Wer ist “Côme”?

In einer Kladde von Franco A., gegen den der Bundesgerichtshof inzwischen die Anklage wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zugelassen hat, finden Ermittler eine Notiz. Er müsse einem gewissen “Côme” noch einen Brief schreiben, heißt es dort.

Die Fahnder rätseln, wen Franco A. mit “Côme” gemeint haben könnte.

Franco A. antwortet nicht

Vielleicht seinen Kommandeur im französischen Illkirch?

Aufschluss darüber, ob diese Vermutung zutrifft, kann nur Franco A. geben. Das RND bittet ihn um Aufklärung. Doch eine Antwort bleibt der Oberleutnant schuldig.


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