“Es ist an der Zeit”: Das sagt die Presse zu Kamala Harris

  • Der US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat die Wahl für seinen Vize getroffen.
  • Die kalifornische Senatorin Kamala Harris soll ihn bei seinem Kampf gegen US-Präsident Donald Trump begleiten.
  • Und das sorgt für regen Zuspruch in der internationalen Presse. Ein Überblick.
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New York. Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, zieht mit Kamala Harris als “Running Mate” in die Wahl gegen Amtsinhaber Donald Trump. Und nicht nur Prominenz und Politik aus den USA feierten diesen Schritt mit einem tobenden Applaus. Auch die internationale Presse sieht den Schritt als ein gutes Vorzeichen für die US-Präsidentschaftswahl 2020 an. Ein Blick in die Pressestimmen aus aller Welt zeigt aber auch, dass die Erwartungen an Kamala hoch sind.

Die “Washington Post” attestiert der kalifornischen Senatorin sogar die Fähigkeit, das Präsidentschaftsamt irgendwann zu übernehmen. “Die Senatorin besteht den Test. Sie wurde im bevölkerungsreichsten Bundesstaat dreimal gewählt. Als Kaliforniens Generalstaatsanwältin erwarb sie Regierungserfahrung und Respekt für ihre Klugheit und ihr Verwaltungsgeschick. Als Senatorin gewann sie Washington-Erfahrung. Und als Bewerberin um die Präsidentschaftskandidatur im letzten und in diesem Jahr war sie dem Druck der Wahlkampftour und der Debattenbühne ausgesetzt.” Ein weiteres Plus sei, dass die Vize-Kandidatin eine Frau sei – und zusätzlich keine weiße. “Sie sieht sich als Afroamerikanerin und wäre damit die erste Frau und die erste schwarze Frau im Amt des Präsidenten oder Vizepräsidenten. Es ist an der Zeit”, kommentiert das US-amerikanische Blatt weiter.

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Biden fordert Trump mit Kamala Harris als Vize heraus
1:45 min
Sollte das Duo die Wahl am 3. November gewinnen, würde die 55-Jährige die erste Frau, die als Vizepräsidentin ins Weiße Haus einzieht.  © Reuters
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Der Londoner “Guardian” hingegen hätte an der Seite von Joe Biden eher jemanden erwartet, der bereit ist, die Aufgaben zu erledigen, für die der Chef zu beschäftigt ist – ähnlich wie Biden für Barack Obama seinerzeit. “Doch Biden wählte keinen anderen Biden, sondern einen anderen Obama: Eine Person, die die Zukunft eines Landes von Einwanderern repräsentiert und tief verwurzelt ist in der harten Arbeit, das Unrecht in Amerika zu beheben.” In drei Monaten werde sich nun zeigen, “welche Zukunft amerikanische Wähler für sich und ihr Land wollen”.

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“Bidens Entscheidung ist besonders wichtig, weil er mit 78 Jahren am Tag der Vereidigung der älteste Präsident wäre. Die Sterbetafeln und seine nachlassende Geistesschärfe legen nahe, dass er nicht für eine Wiederwahl antreten würde, angenommen er hält eine volle Amtszeit durch”, kommentiert das amerikanische “Wall Street Journal”. Amerikaner, die Biden auf seiner Wahlkampftour beobachtet hätten seien aber schlau genug, um zu wissen, “dass sie bei einem Votum für Biden auch dessen Running Mate als möglichen Präsidenten wählen.”

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Harris sei auch wegen ihrer Geschichte eine gute Wahl für diese Position. “Wie Barack Obama, ist Harris Erfolg der lebende Gegenbeweis zur linken Kritik von Amerika als einem repressiven, rassistischen Land”, lautet das Fazit des Journals.

“Sie ist bereit, zu übernehmen”

Die norwegische Boulevardzeitung “Verdens Gang” hofft, dass Harris Joe Biden das geben kann, was ihm bisher fehlt: “Energie, Farbe, Zukunft und Anziehungskraft bei jüngeren Frauen.” Für die Norweger galt Harris demnach bereits lange als “sonnenklare Favoritin”. Und das aus gutem Grund: “Sie ist relativ jung, sie ist energisch. Sie hat Biden früher scharf kritisiert, was sowohl ihm als auch ihr Glaubwürdigkeit verleiht. Sie ist bereit, zu übernehmen, wenn dem älteren Kandidaten etwas geschieht. Sie hat schwerwiegende politische Erfahrung.”

Die belgische Zeitung “De Standaard” spricht von einer außergewöhnlichen Chance für die kalifornische Senatorin. “Joe Biden wird in diesem Jahr 78. Die Versuche von Republikanern, ihn als dement darzustellen, fruchten zwar nicht. Aber sein Alter merkt man ihm schon an. In vier Jahren kann viel geschehen. Die Amerikaner brauchen deshalb eine Persönlichkeit als Vizepräsidenten, der sie zutrauen, die Führung des Landes von einem Tag zum anderen übernehmen zu können.” Das mache Harris zur Topfavoritin für die Präsidentschaftskandidatur 2024.”

RND/lz mit dpa

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