Rätsel um Tod des Gründers der syrischen Weißhelme

  • Die Weißhelme sollen bereits 115.000 Menschen in Syrien das Leben gerettet haben.
  • Nun hat die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisation ihren Gründer James Le Mesurier verloren.
  • Die Todesursache des Briten ist noch unklar, doch die Umstände seines Todes in Istanbul erscheinen mysteriös.
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Istanbul/Damaskus. Der aus Großbritannien stammende Gründer der syrischen Rettungsorganisation Weißhelme ist in Istanbul ums Leben gekommen. Das bestätigte deren Leiter Raid al-Salih der Deutschen Presse-Agentur am Montag. "James Le Mesurier ist am Montag in Istanbul gestorben und der Fall ist jetzt in den Händen der türkischen Polizei", sagte Salih. Das Istanbuler Gouverneursamt teilte mit, man habe die Ermittlungen aufgenommen.

Die Weißhelme drückten Le Mesuriers Familie auf Twitter ihr tiefes Beileid aus. „Wir müssen auch seine humanitären Bemühungen loben, an die die Syrer sich immer erinnern werden“, schrieb die Organisation.

Aber was ist mit Le Mesurier passiert? Angaben zur Todesursache machten die türkischen Behörden bislang nicht. Laut dem britischen Medium "BBC", das sich auf Quellen aus den Reihen der Weißhelme beruft, ist Le Mesurier tot auf einer Straße vor einem Bürogebäude gefunden worden. Türkische Medien vermelden, er sei mit Knochenbrüchen und einer Wunde im Gesicht vor dem Balkon seines Wohnhauses gefunden worden.

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Der für den BBC arbeitende Journalist Mark Urban berichtete zudem auf Twitter - ebenfalls mit Verweis auf Kreise der Weißhelme - innerhalb der Rettungsorganisation werde ein staatlicher Akteur verdächtigt, hinter dem Tod zu stecken.

Türkische Medien schreiben hingegen, ein Selbstmord könne nicht ausgeschlossen werden. Inzwischen löschte Urban seinen Tweet. Zwar gebe es einige Hinweise darauf, die den Verdacht auf einen staatlichen Akteur nahelegen, doch berichteten andere, Le Mesurier könne sich selbst das Leben genommen haben. Er wolle zunächst auf weitere Details warten.

Vor drei Tagen hatte zudem die Sprecherin des russischen Außenamts, Maria Sacharowa, über angebliche Verbindungen Le Mesuriers zu terroristischen Gruppen geschrieben. Auf Twitter teilte sie mit, der Mitbegründer der Weißhelme sei ein Ex-Agent des britischen Geheimdienstes MI6, der auf der ganzen Welt gesichtet worden sei, auch auf dem Balkan und im Mittleren Osten. Seine Verbindungen zu terroristischen Gruppen seien schon während seiner Mission im Kosovo gemeldet worden.

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Die britische Zeitung "The Guardian" schreibt jedoch, er habe zwar für einen britischen Nachrichtendienst 1999 auf dem Balkan gearbeitet, doch habe es sich dabei um eine Friedensmission gehandelt. Dem "Guardian" sowie dem "Telegraph" zufolge betrachten Russland und Syrien die Weißhelme als Terrororganisation.

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Doch mit dieser Meinung stehen sie isoliert da. Die Organisation wurde durch ihren Einsatz im syrischen Bürgerkrieg bekannt, vor allem im Osten der lange Zeit heftig umkämpften Stadt Aleppo. Sie waren nach Bombenangriffen oft unter den ersten Helfern vor Ort. In den vergangenen acht Jahren retteten sie nach US-Angaben mehr als 115.000 Menschen. 2016 wurde die Organisation mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Eine Kurz-Dokumentation über sie wurde außerdem mit einem Oscar ausgezeichnet.

Arbeit wird auch durch Bundesregierung finanziert

Die Weißhelme sind offiziell als Syrischer Zivilschutz (SCD) bekannt. Der frühere britische Armee-Offizier James Le Mesurier gilt als treibende Kraft bei der Gründung der Organisation im Jahr 2013. Die Arbeit der rund 3000 Freiwilligen wird mitunter durch Spenden aus dem Ausland möglich gemacht. Die Bundesregierung unterstützt die Weißhelme schon seit längerem, die US-Regierung hatte erst vor drei Wochen Hilfen in Höhe von 4,5 Millionen Dollar zugesagt.

Le Mesurier hatte auch die in den Niederlanden registrierte Mayday Rescue Foundation gegründet, die Retter für Einsätze bei Konflikten und Naturkatastrophen ausbildet. Diese Organisation teilte mit, Le Mesurier sei ein „großartiger Anführer, Visionär sowie ein geschätzter Kollege und Freund“ gewesen.

RND/dpa/cz

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