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Grundrechte-Report: Pianist Levit warnt vor Radikalisierung der Sprache

  • Angesichts der vielen Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie waren bei der Vorstellung des diesjährigen Grundrechte-Reports nachdenkliche Töne zu hören.
  • Vorgestellt wurde er von Pianist Igor Levit.
  • Und dieser warnte etwa vor einer Radikalisierung der Sprache.
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Berlin. Der Pianist hatte sich gut erholt. Nachdem Igor Levit am Wochenende noch 15 Stunden nonstop Eric Satie spielte, um auf die Corona-bedingte Not vieler Künstler aufmerksam zu machen, stellte er nun in Berlin den neuen Grundrechte-Report vor. Für den engagierten Musiker eine Selbstverständlichkeit: “Jeder hat die Bürgerpflicht, sich für Grundrechte einzusetzen.”

Von “Bürgerpflichten” war noch öfters die Rede. Denn mit den Corona-Rebellen, die in den vergangenen Wochen “für die Wiederherstellung der Grundrechte” und gegen die Corona-Restriktionen demonstrierten, wollen die klassischen Bürgerrechts-Organisationen wie die Humanistischen Union, die den Grundrechtereport herausgeben, nichts zu tun haben.

“Grundrechte sind ein Gesamtpaket”, sagte Michèle Winkler vom Komitee für Grundrechte und Demokratie. “Ich kann nicht nur auf die eigene Freiheit schauen. Ich muss auch die Grundrechte meiner Mitmenschen respektieren.” Angesichts der Pandemie müsse sich jeder bewusst sein, dass er unerkannt “eine Gefahr für andere Menschen” sein könne.

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Sie stehen für die etwa 30.000 Menschen, die in den letzten Wochen in Brasilien an Covid-19 verstorben sind.  © Christian Rath/Reuters

Nach der Pandemie müsse dann aber auch die staatliche Politik hinterfragt werden, ob sie unnötiges Leid verursacht habe, so Winkler. Diese Prüfung müsse aber “solidarisch, achtsam und auf wissenschaftlicher Grundlage” erfolgen. Bei Demonstrationsverboten sei der Staat eindeutig zu weit gegangen, erklärte Winkler.

Levit: Debatten ohne das Schüren von Vorurteilen führen

Auch Pianist Levit distanzierte sich von den Corona-Demos. “Solche Leute haben keine Berechtigung, uns etwas über Grundrechte zu erzählen.” Er warnte zudem vor einer Radikalisierung der Sprache. Es sei zwar notwendig, Regierungen für ihr Handeln zu kritisieren. Sprachliche Entgrenzung gehe aber Hand in Hand mit politischer Entgrenzung. Debatten müssten ohne das Schüren von Vorurteilen geführt werden.

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So warnte er auch vor einer Kultur des öffentlichen Beschämens. “Es geht nicht, Leute abzufotografieren und ins Netz zu stellen, nur weil sie ohne den nötigen Abstand auf einer Wiese sitzen.” Kritik im persönlichen Gespräch sei allemal besser.

Die Gesellschaft brauche öffentliche “Orte der Begegnung”, gerade in der Corona-Krise, so Levit. Auch Theater und Kinos müssten verteidigt werden. “Sie werden es nicht schaffen, wenn ihnen nicht geholfen wird”, warnte der Pianist.

Der Grundrechtsreport zeigt seit 1997 Gefahren für die Grundrechte und andere Verfassungswerte auf.

mit Material der Nachrichtenagentur epd

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