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QAnons Zukunft ohne Trump: So verarbeiten die Verschwörungsgläubigen die Niederlage

Ein Qanon-Anhänger spricht während eines Protests von Trump-Unterstützern in Phoenix im Bundesstaat Arizona.

Berlin.Der unwahrscheinliche Held ihrer Bewegung wurde abgewählt. Seit 2017 steht US-Präsident Donald Trump im Zentrum der so wilden wie unbelegten Verschwörungserzählung QAnon. Deren Anhänger glauben, dass Trump und seine Administration gegen die weltweite Verschwörung einer satanistischen, kinderfolternden Elite ankämpfen, die den Staatsapparat der USA seit Jahrzehnten unterwandert habe.

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Einige der Oberschurken verortet die Erzählung in den Reihen der Demokraten. Mit der Wahl des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden droht für die Verschwörungsgläubigen jetzt eine Welt zusammenzubrechen.

Noch versucht sich Donald Trump mit allen Mitteln gegen das Ende seiner Amtszeit zu wehren. Seit der Wahlnacht behauptet er, er habe die Wahl eigentlich gewonnen und wirft den Demokraten ohne stichhaltige Beweise Wahlfälschungen im großen Stil vor.

Die QAnon-Anhänger unterstützen ihn dabei nach Kräften. „Wir werden gewinnen! Wir werden siegen!“ schreibt ein QAnon-Influencer, dem auf Twitter fast 100.000 Accounts folgen. Er ist sich sicher: Trump werde erfolgreich vor den Obersten Gerichtshof ziehen und nach einer Neuauszählung der Stimmen zum Wahlsieger erklärt werden.

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US-Behörden: Keine Unregelmäßigkeiten bei Präsidentenwahl

Es gebe keinerlei Beweise, dass die Wahl vom 3. November in irgendeiner Weise manipuliert worden sei, hieß es.

Noch lautet die Botschaft: Trump macht das schon

Auch „Q“ selbst, das anonyme Orakel der Verschwörungsbewegung, meldet sich zehn Tage nach der Wahl auf der Website 8kun zu Wort und erklärt: „Nichts kann stoppen, was kommt. Nichts!“ Eine Durchhalteparole. Die Botschaft: Alles wird gut, Trump wird es schon richten.

Dass Trumps juristische Strategie gegen die Anerkennung des Wahlergebnisses Erfolg hat, wird von Rechtsexperten als äußerst unwahrscheinlich angesehen. Beobachter der QAnon-Szene rechnen jedoch nicht damit, dass dies das Ende der Verschwörungsbewegung sein wird.

Trump wehrt sich weiterhin gegen Wahlniederlage: „Ich gestehe gar nichts ein!“

Bisher hat Donald Trump seine Wahlniederlage nicht eingestanden. Auf Twitter schrieb er am Sonntag nun erstmals, dass Joe Biden gewonnen habe.

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„Sie werden das, was sie als Kampf gegen das Böse ansehen, nicht aufgeben, nur weil Trump eine Wahl verliert, die in ihren Augen völlig vom ‚Tiefen Staat' manipuliert wurde“, sagte der Autor und QAnon-Experte Mike Rothschild dem US-Nachrichtennetzwerk „Newsy“.

Das Risiko von Gewalttaten könnte steigen

In Philadelphia im für die Präsidentschaftswahl entscheidenden Bundesstaat Pennsylvania wurden am 5. November zwei bewaffnete Männer auf dem Weg zu einem Kongresszentrum festgenommen, in dem Wählerstimmen ausgezählt wurden. Mindestens einer der beiden Männer ist US-Medienberichten zufolge Anhänger der QAnon-Verschwörungserzählung, auf der Heckscheibe seines Autos klebte ein „Q“ und ein bekannter Slogan der Szene.

Schon im vergangenen Jahr hatte das FBI QAnon und ähnliche Verschwörungserzählungen als mögliches Terrorrisiko benannt. In den USA wurden bereits mehrere Morde und andere Gewalttaten von QAnon-Anhängern begangen.

Experten befürchten, dass das Risiko von Gewalttaten durch Verschwörungsgläubige jetzt noch weiter steigt. Eine Grundbotschaft von QAnon lautete stets „Trust the Plan“ – „Vertraue dem Plan“, jenem Plan, der Donald Trump angeblich bei seinem Kampf gegen die finstere Weltverschwörung leite.

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„Wenn Trump nicht mehr im Weißen Haus ist, kann aus ‚Trust the Plan’ schnell ‚Be the Plan’ werden, und die Leute nehmen den Kampf selbst in die Hand“, sagt der Rechtsextremismusexperte Miro Dittrich von der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Zwei QAnon-Kandidatinnen im Repräsentantenhaus

Die Amtszeit Donald Trumps endet im Januar, der Verschwörungsglaube wird in den nächsten Jahren jedoch weiterhin in den höchsten Sphären der US-amerikanischen Politik vertreten sein. Zwei Republikanerinnen, die sich in der Vergangenheit positiv über QAnon geäußert hatten, gewannen bei der Wahl am 3. November Sitze im Repräsentantenhaus.

Marjorie Taylor Greene aus dem Bundesstaat Georgia hatte ihre Unterstützung für QAnon ganz offen bekundet, Donald Trump bezeichnete sie als „zukünftigen republikanischen Star“. Die Republikanerin und Waffenrechtsaktivistin Lauren Boebert aus Colorado sagte noch im Mai 2020, sie hoffe die Erzählungen von „Q“ seien wahr, denn das bedeute, Amerika werde stärker und besser, und Menschen kehrten zu „konservativen Werten“ zurück.

Auch in Deutschland, wo die QAnon-Erzählung seit Beginn der Corona-Pandemie immer mehr Anhänger gewonnen hat, wird sie nicht einfach verschwinden. Die hiesige Szene beobachtet das Geschehen in den USA zwar gebannt, verbreitet jedes Wort Trumps und seines Teams über angebliche Wahlfälschung.

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Doch QAnon hat sich in Deutschland längst mit der Reichsbürgerszene und einer Vielzahl anderer Verschwörungserzählungen vermischt und ein Eigenleben entwickelt. Die zunehmende Radikalisierung, die auf den vergangenen Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Leipzig und Berlin sichtbar wurde, braucht keinen Präsidenten Trump im Weißen Haus.

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