Putins Werk und Merkels Antwort

  • Der Kreml weist jede Verantwortung für die Vergiftung von Alexej Nawalny zurück.
  • Glaubwürdig ist das nicht. Der Westen sucht daher nach einer Antwort, die Putin treffen könnte.
  • Wird der Stopp der Ostseepipeline Nord Stream 2 eine Konsequenz sein?
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

selten hat man Angela Merkel so direkt erlebt. Die Welt erwarte eine Antwort aus Moskau, sagte die Kanzlerin, als deutsche Ärzte den Giftanschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny bestätigt hatten. Die Reaktion kam prompt – und sie kam mit Eiseskälte: “Es gibt keinen Grund, den russischen Staat zu beschuldigen”, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow gestern. “Wir möchten nicht, dass unsere Partner in Deutschland und anderen europäischen Ländern vorschnell urteilen.”

Das politische Urteil aber ist längst gefallen, der Westen macht Russland für den Anschlag auf Nawalny verantwortlich. Es geht jetzt um die Frage, ob man gemeinsam reagiert und ob man zu Maßnahmen kommt, die den Kreml wirklich schmerzen. Der Blick richtet sich schnell auf die Ostseepipeline Nord Stream 2, die russisches Gas nach Deutschland bringen soll. Berlin hat immer an der Fertigstellung der Gasröhre festgehalten und sich dabei dem Druck der USA widersetzt, die das Projekt vor allen Dingen aus eigennützigen Gründen bekämpfen. Lässt Merkel Nord Stream 2 jetzt fallen? Die RND-Hauptstadtkorrespondenten Marina Kormbaki und Andreas Niesmann zeichnen in ihrem Report die Debatte um die Pipeline und mögliche Sanktionen gegen Russland nach. Und sie prüfen die Hinweise, ob Europa dieses Mal mit einer Stimme auf die Provokation aus Moskau reagiert.

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Der Anschlag mit Nowitschok ist eine besonders grausame Form der Vergiftung. Er ist zudem ein politisches Statement, hebt RND-Chefautor Matthias Koch in seinem Kommentar hervor. Es ist offensichtlich, dass nur staatliche Stellen hinter diesem Attentat stecken können. Sie schaffen nicht nur einen unliebsamen Gegner aus dem Weg. Sie lassen ihn vor aller Welt leiden. Bleibt die Menschlichkeit komplett auf der Strecke?

Bald wieder mit Zuschauern?

Es war tatsächlich das erste Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in diesem Jahr. Nach 289 Tagen Pause war Spanien der erste Gegner. Das Unentschieden passte zur Kulisse in Stuttgart. Es war wenig los. Die Geisterspiele sind inzwischen ein gewohntes Bild, daran gewöhnen aber will man sich nicht. In der Bundesliga dringen die Vereine mit Macht darauf, dass Zuschauer zumindest in überschaubarer Zahl in die Stadien zurückkehren können. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist strikt dagegen, in anderen Bundesländern arbeitet man dagegen schon an konkreten Genehmigungen.

Leroy Sane in der leeren Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart. © Quelle: Christian Charisius/dpa
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RND-Kommentator Sebastian Harfst will die Rückkehr der Fans nicht zu einer Glaubensfrage machen. Er plädiert für einen pragmatischen Weg: “Bis Fans wieder dicht gedrängt auf den Stehtribünen ihre Mannschaft unterstützen können, wird es noch lange dauern. Gegen ein von Experten der jeweiligen Fachbereiche abgesegnetes Konzept zur schrittweisen Rückkehr der Fans ist dagegen nichts einzuwenden.”

Der Tag Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.
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Zitat des Tages

Leseempfehlungen

Das dürfte bei vielen Beschäftigten die Angst vor einem Jobverlust mindern. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts ist die Zahl der Kurzarbeiter hierzulande im August um etwa eine Million im Vergleich zum Juli gesunken – auf insgesamt 4,7 Millionen. Damit würden noch etwa 14 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Versicherungsleistung der Arbeitsagentur in Anspruch nehmen. RND-Wirtschaftskorrespondent Frank-Thomas Wenzel analysiert den Trend und wagt einen Ausblick auf den Rest des (Corona-)Jahres.

Heute bringt Collien Ulmen-Fernandes ihr zweites Kinderbuch heraus. Darin geht es um Rassismus am Beispiel eines Tieres, das aus einem fremden Land kommt. RND-Redakteur Thomas Kielhorn hat mit der Moderatorin und Schauspielerin darüber gesprochen, wie man Kindern das Thema nahebringt – und über ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus berichtet.

Entzündungshemmer wie Kortison können die Sterblichkeit bei Covid-19 senken. Die WHO empfiehlt die Behandlung ab sofort bei schweren Verläufen. Bei leichteren Verläufen rät sie klar von einer Behandlung ab. Die Fachzeitschrift “Jama” schreibt von einem “wichtigen Schritt vorwärts bei der Behandlung von Patienten mit Covid-19”. “Jama” hatte in dieser Woche mehrere Fachartikel veröffentlicht, die zur neuen Empfehlung der WHO geführt hatten. Demnach kann eine Behandlung mit Entzündungshemmern aus der Gruppe der Kortikosteroide das Leben von Covid-Patienten retten. Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Corona?

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Die Termine des Tages

In den USA werden heute die Arbeitslosenzahlen für den Monat August bekannt gegeben. Es könnte eine neue Wegmarke im US-Wahlkampf werden. Der Kampf ums Weiße Haus wird nicht zuletzt mit Wirtschaftsdaten geführt – und Präsident Donald Trump konnte sich zuletzt über relativ gute Zahlen vom Arbeitsmarkt trotz der Corona-Krise freuen.

In Österreich startet heute ein Ampelwarnsystem für die Coronavirus-Infektionslage. Auf der Basis von Kriterien wie Infektionszahlen und Krankenhausbetten sollen vier Warnstufen die Empfehlung von Maßnahmen auf regionaler Basis regeln.

Die EU-Gesundheitsminister versuchen bei einer Videokonferenz, einen europaweit einheitlichen Kurs bei Test- und Quarantäneregeln in der Corona-Krise zu finden. Außerdem geht es um eine Strategie zur Beschaffung des Impfstoffes. An der informellen Konferenz nehmen auch Vertreter der EU-Kommission, des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sowie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) teil.

Der Schnappschuss des Tages

Joe Biden (links), demokratischer Präsidentschaftskandidat, wird mit einer Ellbogenbeuge begrüßt, als er sich mit Gemeindemitgliedern in der Grace Lutheran Church trifft. Biden besuchte am Donnerstag die Stadt Kenosha, in der ein Polizist den Schwarzen Jacob Blake mehrfach in den Rücken geschossen hatte. Im Gegensatz zu Trump hat Biden bei seinem Besuch mit Blake gesprochen. © Quelle: Carolyn Kaster/AP/dpa
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Jede Stunde neu: Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Jörg Kallmeyer

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