Putins Menschenexperiment und Bidens Wahl

  • Russland lässt als erstes Land der Welt einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu.
  • Es ist unklar, ob das Mittel tatsächlich wirkt. Wie reagiert die Forschung in Deutschland?
  • Derweil hat Joe Biden im US-Wahlkampf seine Vizekandidatin benannt.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich ist es die Nachricht, auf die Milliarden Menschen seit Wochen und Monaten warten: Es gibt einen zugelassenen Impfstoff gegen das Corona-Virus, endlich. Doch die Sache hat leider einen Haken: Der Impfstoff trägt den verräterischen Namen Sputnik V – und hat seine Marktreife in Rekordzeit nicht so sehr der einzigartigen Forschungsarbeit, sondern vor allem einigen Abkürzungen im Zulassungsprozess der russischen Behörden zu verdanken. Das bedeutet: Der Impfstoff ist noch nicht ausreichend auf Wirksamkeit und Sicherheit überprüft.

Sputnik, so nannten die Russen im Jahr 1957 auch den ersten Satelliten, den sie ins All schickten – und damit den Westen düpierten. Auch heute sieht vieles nach einer Propagandaschlacht aus, wie RND-Chefreporter Thorsten Fuchs in seinem Beitrag analysiert. Vor allem die gesundheitlichen Risiken sind beachtlich. Und Putin könnte Nachahmer finden. US-Präsident Donald Trump jedenfalls hat bereits angekündigt, die USA würden noch vor dem 3. November einen Impfstoff präsentieren können – dem Tag der US-Präsidentschaftswahl. Was die deutschen Forscher von den Erfolgsmeldungen aus Moskau halten, hat RND-Autorin Alice Mecke mit dem Infektiologen Peter Kremsner, Direktor des Universitätsklinikums Tübingen, besprochen. Sein Urteil fällt deutlich aus: “Wenn es wirklich so ist, dass nur an sehr wenigen Probanden getestet wurde und die Datenlage so dünn ist, dann ist es unverantwortlich, einen Impfstoff zuzulassen.”

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Joe Biden und Kamala Harris

In den USA hat der demokratische Kandidat Joe Biden am Dienstag eine Entscheidung getroffen, wen er als mögliche Vizepräsidentin an seiner Seite haben möchte. Die mit Spannung erwartete Wahl fiel auf die kalifornische Senatorin Kamala Harris. US-Korrespondent Karl Doemens kommentiert: Dem Rennen ums Weiße Haus und der Demokratie kann diese Entscheidung nur guttun.

Kamala Harris, demokratische Senatorin von Kalifornien, ist die Kandidatin an der Seite von Joe Biden. © Quelle: John Locher/AP/dpa

In Berlin sortiert sich die politische Landschaft nach der SPD-Kanzlerkandidatenkür noch immer neu. Während sich der linke Flügel der Sozialdemokraten und die Wohlfahrtsverbände noch daran gewöhnen müssen, dass “ihre” Parteiführung Olaf Scholz auf den Schild gehoben hat, ist die Stimmung bei der Konkurrenz durchaus nervös. Zwar führt sie in Umfragen haushoch gegenüber der SPD. Doch niemand im Konrad-Adenauer-Haus kann sagen, wohin die Wähler wandern werden, wenn der Merkel-Bonus die Union verlassen hat. “Wenn der Kanzlerbonus die Anerkennung für Regierungserfahrung ist, könnte dieser bei leerem Chefsessel nun beim Vizekanzler landen, also bei Scholz”, analysiert RND-Hauptstadtkorrespondentin Daniela Vates.

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Der Tag Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

Viele Bürger hingegen werden die SPD-Entscheidung eher achselzuckend zur Kenntnis genommen haben. Sie befinden sich im Urlaub oder suchen nach Abkühlung in den eigenen vier Wänden. In vielen Teilen Deutschlands ist es seit Tagen heiß und trocken. Dass das nicht nur schlechten Schlaf und klebrige T-Shirts mit sich bringt, haben die Einwohner in Lauenau vor einigen Tagen erfahren. In der niedersächsischen Gemeinde war aufgrund der Hitze und des erhöhten Wasserverbrauchs die Trinkwasserversorgung zusammengebrochen. Wenige Tage später zeigt sich nun: Das ist kein Einzelfall. Immer mehr Kommunen raten zum Wassersparen, manche Orte in Hessen riefen am Dienstag den Wassernotstand aus. RND-Redakteur Matthias Schwarzer hat mit dem Forscher Fred F. Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gesprochen. Der sagt: Die Infrastruktur vieler Kommunen und ihrer Wasserversorger ist veraltet und muss dringend an den fortschreitenden Klimawandel angepasst werden. Sonst drohen in den kommenden Jahren weitere derartige Szenarien.

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Corona mag zwar das öffentliche Leben lahmlegen können, der Klimawandel schreitet aber trotz Virus nahezu unvermindert voran.

Zitat des Tages

Da brech ich mir keinen Zacken aus der Krone zu sagen: Wir sind auch lernfähig.

Kevin Kühnert, Noch-Juso-Chef, zur Nominierung von Olaf Scholz zum SPD-Kanzlerkandidaten

Leseempfehlungen

Bis zu sieben Millionen Zuschauer lockt “Der Bergdoktor” mit jeder Folge vor den Fernseher. Aktuell dreht das Team um Hauptdarsteller Hans Sigl die 14. Staffel – unter besonderen Bedingungen. Wie die neuen Folgen in Zeiten von Corona entstehen, ob das Virus Teil der Serie werden wird und welches Detail Fans schon mehrfach vom Set in Österreich geklaut haben, haben die Macher der Serie RND-Redakteur Thomas Kielhorn erzählt.

Adolf Hitler kam in dem österreichischen Städtchen Braunau am Inn zur Welt. Jetzt flammt neuer Streit darüber auf, was mit seinem Geburtshaus geschehen soll. Wien verlangt eine “Neutralisierung” des Gebäudes. Die Braunauer wollen sich ihrer Bürde lieber stellen. RND-Autor Patrick Guyton war zu Besuch in Braunau und beschreibt einen spannenden geschichtspolitischen Streit.

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Die Termine des Tages

Nach der verheerenden Explosion im Hafen besucht Bundesaußenminister Heiko Maas heute die libanesische Hauptstadt Beirut. Nachdem die Regierung zurückgetreten ist, will Maas wirtschaftliche Hilfe zusichern und für politische Reformen werben. Durch die Explosion im Hafen von Beirut wurde auch die deutsche Botschaft schwer beschädigt.

In dem neuen Altersbericht, der heute in Berlin vorgestellt wird, geht es um das Thema “Ältere Menschen und Digitalisierung” – durch die Corona-Krise durchaus aktueller denn je. Präsentiert wird der Bericht von Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und dem Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, Franz Müntefering.

In Berlin tritt heute Vormittag das Kabinett zusammen.

Foto des Tages

Barrikaden, Blendgranaten, Gummigeschosse: Belarus erlebte erneut Gewalt der Polizei gegen Demonstranten. Die bei der Präsidentschaftswahl unterlegene Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja ist unterdessen nach Litauen geflüchtet. © Quelle: imago images/ITAR-TASS
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Jede Stunde neu: News zum Hören

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Ihr Dirk Schmaler, RND-Newsroom

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