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„Der Tag“

Putin gegen (fast) die ganze Welt

Olaf Scholz bei den Vereinten Nationen.

Olaf Scholz bei den Vereinten Nationen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

zwei Zahlen zeigen den Zustand der Weltgemeinschaft: 141 der 193 UN-Mitgliedsstaaten haben im März für eine Resolution der Vereinten Nationen gestimmt, die den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilt. Unter anderen die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt – China und Indien – enthielten sich allerdings.

Die Mehrheit der Welt steht gegen Putin – dass sich aber wichtige Länder aus eigenen Interessen nicht gegen Putin stellen, ist eine Schande. Und zu keiner anderen Zeit und an keinem anderen Ort ist diese Schande so offensichtlich zu sehen wie nun während der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Vergangene Nacht hat Bundeskanzler Olaf Scholz seine Redezeit für zwei Kernbotschaften genutzt:

  1. Deutschland steht weiterhin an der Seite der Ukraine im Krieg gegen Russland: „Wir unterstützen die Ukraine dabei mit aller Kraft: finanziell, wirtschaftlich, humanitär und auch mit Waffen.“ Putin warf er blanken Imperialismus vor, der nicht erfolgreich sein dürfe. „Er zerstört dadurch nicht nur die Ukraine, er ruiniert auch sein eigenes Land.“
  2. Im Namen Deutschlands gab Scholz eine doppelte Bewerbung ab: Sein Land wolle eine wichtigere Rolle im UN-Sicherheitsrat übernehmen. Zunächst als rotierendes Mitglied – mittelfristig auch mit einem ständigen Sitz. Eine Reform des Sicherheitsrats steht schon seit Jahrzehnten an. Sie scheitert bisher an seiner eigenen Fehlkonstruktion, dem Vetorecht einzelner Mitglieder.

Kristina Dunz hat Scholz begleitet. Wie so oft sieht sie zwei Seiten beim Auftritt des Bundeskanzlers. Die Rede, sie ist stark. In nur 15 Minuten und 53 Sekunden sagt Scholz alles, was wichtig ist. Ein guter erster Eindruck vor den UN, resümiert Dunz. Aber wie so oft fällt der Vortrag dagegen ab: denn „mitreißen kann er nicht“.

Selbst der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fordert von Russland nun, alle Gebiete an die Ukraine zurückzugeben – inklusive der 2014 annektierten Regionen. Darüber sei er mit Putin schon seit Langem im Gespräch, sagte Erdogan. „Aber seitdem hat er sich leider keinen Schritt bewegt.“

Selenskyj fordert russische Soldaten auf: „Flieht oder ergebt euch“

Die Ukraine treibt ihren Vorstoß auf von Russland kontrollierte Gebiete im Osten des Landes voran. Präsident Selenskyj sagte, die Besatzer seien in Panik.

Es ist ein putinscher Reflex, der schon öfter zu beobachten war: Wenn etwas nicht so läuft, wie er sich das vorstellt, zieht er sich zurück. So ist es auch, seit die Ukraine ihre Gegenoffensive erfolgreich gestartet und nennenswerte Gebiete zurückerobert hat.

Dem russischen Präsidenten bleiben noch wenige Optionen und „keine davon ist gut“, schreibt RND-Redakteur Sven Christian Schulz. Er hat mit mehreren Fachleuten gesprochen und einige potenzielle Auswege für Putin analysiert. Ob Rückzug, weitere Eskalation oder Generalmobilmachung: Putin steht mit dem Rücken zur Wand – und kämpft auch um sein politisches Überleben. Wobei man sich nicht so recht vorstellen mag, wer auf Putin folgt, wenn er aus den eigenen Reihen gestürzt werden sollte.

Wie richtig Schulz mit der Prognose liegen würde, zeigte sich direkt am Mittwochmorgen: Putin ordnete eine Teilmobilisierung des russischen Militärs an.

Zunächst geht es darum, Putins Sieg auf den Schlachtfeldern der Ukraine zu verhindern. Kraftvolle Reden in New York werden das nicht allein schaffen – aber ein schlechter Anfang vom Ende des Krieges sind sie nicht.

Der Tag

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Zitat des Tages

Ich ziehe es vor, nicht zu sprechen. Wenn ich spreche, habe ich große Probleme. Und ich möchte keine großen Probleme haben.

Magnus Carlsen,

Schachweltmeister

Die Schachcommunity schaut gebannt auf eine Auseinandersetzung zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und dem jungen amerikanischen Großmeister Hans Niemann. Carlsen deutet Betrugsvorwürfe gegen Niemann an. Konkret wird er jedoch nicht. Seinen Unmut bringt er nun durch einen überraschenden Spielabbruch zum Ausdruck.

 

Leseempfehlungen

Die stille Pandemie: Ärztinnen und Ärzte warnen vor einem „postantibiotischen Zeitalter“: Bakterien werden resistenter, Antibiotika damit allmählich unwirksam. Es braucht neue Waffen gegen die Erreger. Forschende weltweit suchen nach Lösungen im Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen – doch sie stoßen dabei schnell an ihre Grenzen (+).

Der König des Schreckens: Stephen King, Autor von zahllosen Romanen und Kurzgeschichten des Fantastischen, schreibt zuweilen auch Bücher ohne Geister, Monster und Vampire. Doch der Horror ist bei ihm immer auch in der nackten Wirklichkeit zu finden und King bildet auch das Amerika der Trump-Republikaner ab – vor dem es dem Autor, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, graut (+).

 

Aus unserem Netzwerk: U‑Boote im Dauerstress

Die deutschen U‑Boot-Besatzungen haben gerade gut zu tun: Zwei der sechs U‑Boote – nämlich „U 32″ und „U 35″ – sind zeitgleich auf Auslandseinsätzen. Zufällig auch gerade dort, wo russische U‑Boote für Aufsehen sorgen, wie die „Kieler Nachrichten“ berichten (+).

 

Termine des Tages

Das Bundeskriminalamt veröffentlicht seinen Lagebericht zur organisierten Kriminalität.

20 Uhr: Die US‑Notenbank Fed entscheidet über den weiteren Kurs der Geldpolitik.

 

Wer heute wichtig wird

Helene Fischer bereitet sich auf ein anstrengendes Jahr 2023 vor: 70 Konzerte soll ihre Tour umfassen. Heute gibt sie Details bekannt.

Helene Fischer bereitet sich auf ein anstrengendes Jahr 2023 vor: 70 Konzerte soll ihre Tour umfassen. Heute gibt sie Details bekannt.

 

Der Podcast des Tages: „Klima und wir“

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Die News zum Hören

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Christian Palm

 

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