„Wir haben nicht genug Kartoffeln“

Vorräte sind aufgebraucht: Putin fehlen Kartoffeln

Kartoffelkrise in Russland: Mai-Frost sorgt für Ernteausfälle
Kartoffelkrise in Russland: Mai-Frost sorgt für Ernteausfälle

Russlands Präsident Wladimir Putin hat vergangenen Dienstag im russischen Staatsfernsehen eingestanden, dass Russland mit einem gravierenden Kartoffel-Engpass konfrontiert ist. Er erklärte: „Wir haben nicht genug Kartoffeln“, und fügte hinzu, dass die Vorräte des Vorjahres bereits aufgebraucht seien.

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Die Krise ist das Ergebnis einer schlechten Ernte im Jahr 2024, die durch untypische Fröste und anhaltende Dürre beeinträchtigt wurde. Die Kartoffelproduktion ging um 12 Prozent zurück, während die Preise seit Jahresbeginn um 52 Prozent stiegen, was die Kartoffel zum größten Preistreiber im russischen Lebensmittelsektor machte.

Hilfe durch Lukaschenko: Gibt es Kartoffeln aus Belarus?

Die Situation wird durch die parallele Krise in Belarus verschärft. Dort sind die Vorräte ebenfalls erschöpft, und Präsident Alexander Lukaschenko rief die Bevölkerung dazu auf, zusätzliche Anstrengungen im Kartoffelanbau zu unternehmen, um sowohl den heimischen Bedarf als auch den russischen Markt zu decken.

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„Wir müssen so viel anbauen, dass es für uns und für Russland reicht“, sagte Lukaschenko der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge bei einer Besprechung mit regionalen Funktionären in Minsk.

Ernte-Ausfälle in Russland: Mai-Frost sorgt für weniger Kartoffeln

Im Mai 2024 kam es in Russland zu ungewöhnlich starken Spätfrösten, die junge Kartoffelpflanzen nach der Aussaat stark beschädigten. Viele Felder mussten neu bestellt werden, was Ertragseinbußen und Mehrkosten verursachte. Infolge der Frostschäden wird die Kartoffelernte 2024 voraussichtlich um bis zu 16 Prozent geringer ausfallen.

Da Importe eingeschränkt sind (unter anderem wegen Sanktionen und einem Exportverbot aus Belarus), führte der Ernteausfall schnell zu einer spürbaren Verknappung und teils drastischen Preissteigerungen. Nach Angaben von ntv sei die Fläche von abgestorbenen oder stark beschädigten Pflanzen auf über 265.000 Hektar angewachsen.

Stark betroffen sei etwa die Region Lipezk, deren Gouverneur auf Telegram bekanntgab: „Die Fröste Anfang Mai hatten katastrophale Folgen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die diesjährige Ernte viel kleiner ausfallen wird als die vorherige.“

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Russisches Grundnahrungsmittel: Ohne Kartoffeln auch kein Wodka

Kartoffeln zählen in Russland zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Sie sind fester Bestandteil der Alltagsküche und bilden die Grundlage vieler traditioneller Gerichte wie Draniki (Kartoffelpuffer), Wareniki oder Eintöpfe.

Darüber hinaus spielt die Kartoffel auch bei der Herstellung von Alkohol eine Rolle: Zwar wird kommerzieller Wodka heute meist aus Getreide hergestellt, doch gerade in der privaten Hausbrennerei („Samogon“) dient Kartoffelstärke nach wie vor als günstiger und effektiver Rohstoff. Eine Kartoffelknappheit betrifft Russland daher nicht nur kulinarisch, sondern auch wirtschaftlich und symbolisch – sie hat Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit, die Inflation und sogar auf kulturell verankerte Praktiken.

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