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„Der Tag“

Putin bringt sich in Not

Neue Stärke: Joe Biden, Präsident der USA, trifft zu einem Rundtischgespräch während des Nato-Gipfels ein.

Neue Stärke: Joe Biden, Präsident der USA, trifft zu einem Rundtischgespräch während des Nato-Gipfels ein.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

es waren gleich drei Eilmeldungen, die die Deutsche Presse-Agentur (dpa) gestern Nachmittag innerhalb von zehn Minuten in die Redaktionen der Republik verschickte: „Nato beschließt neues strategisches Konzept“, „Nato startet Aufnahmeverfahren für Finnland und Schweden“ und „Nato-Staaten beschließen drastische Stärkung der Ostflanke“. Am ersten Tag des Nato-Gipfels in Madrid hat das Militärbündnis mehr substantielle Veränderungen beschlossen als in den vergangenen 20 Jahren. Für so viel Elan des Bündnisses, dem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch vor drei Jahren den „Hirntot“ attestiert hatte, ist vor allem einer verantwortlich: Wladimir Putin.

Der russische Präsident hat dem Bündnis auf Sinnsuche neues Leben eingehaucht. Durch seinen irrationalen Angriff auf die Ukraine, durch seine Drohgebärden gegen Europa und durch seine fortwährende Eigenart, auch in der internationalen Diplomatie die Fakten bis zur Unkenntlichkeit zu überdehnen, ist die Nato in kürzester Zeit wieder zu einem sehr realen Machtfaktor in der Welt geworden. Und zwar einer, der wächst. Mit Schweden und Finnland treten nun zwei Staaten an der Grenze zu Russland bei, die sich bislang immer als Mittler gesehen haben. Anders als von Putin behauptet, ist die Nato nicht mittels der Ukraine an Russland herangerückt. Mit der nun beschlossenen und von Putin provozierten Norderweiterung allerdings hat sich der Kreml die Nato tatsächlich näher geholt. 1300 Kilometer misst die gemeinsame finnisch-russische Grenze.

Und damit nicht genug. Die neue Nato-Ostgrenze soll nun nach dem Beschluss am Mittwoch stärker geschützt werden – mit dauerhafter Nato-Präsenz. Auch das ist etwas, auf das die Nato bisher aus Rücksicht auf russische Interessen weitgehend verzichtet hat. Hinzu kommt, dass die westlichen Verbündeten künftig mehr als 300.000 Soldatinnen und Soldaten permanent in hoher Einsatzbereitschaft halten wollen, um innerhalb weniger Tage einsatzfähig zu sein. Und der Feind ist auch wieder klar umrissen.

„Natoisierung statt Finnlandisierung Europas“: Analyse des ersten Gipfeltags im Video

Beim Treffen der Nato in Madrid wird klar: Auch für die Allianz mit ihren bislang 30 Staaten hat eine Zeitenwende begonnen.

Russland und China im Fadenkreuz

War die Strategie bisher darauf ausgerichtet, Russland als Partner zu gewinnen, wird Russland in dem neuen Strategiekonzept als „größte und unmittelbarste Bedrohung für die Sicherheit der Verbündeten und für Frieden und Stabilität im euroatlantischen Raum“ aufgeführt. Und auch China ist plötzlich im Fadenkreuz der Nato. In Reaktion auf die „systemischen Herausforderungen“ durch China wollen die Nato-Staaten nun ihr gemeinsames Lagebild verbessern und die Resilienz und Abwehrbereitschaft auch gen Fernost erhöhen.

Wie auch immer die Kämpfe in der Ukraine irgendwann ausgehen werden: Es scheint nicht so, als habe der Angriffskrieg die russische Sicherheitslage insgesamt verbessert. RND-Chefautor Matthias Koch sieht sogar gleich mehrere schlechte Nachrichten für Putin – etwa auch, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eben nicht den Bruch mit der Nato riskiert. Heute Mittag geht der Gipfel in Madrid zu Ende.

Unterdessen tritt heute die neue Corona-Testverordnung in Kraft. Den kostenlosen Bürgertest bekommen nur noch besondere Risikogruppen und Infizierte. 3 Euro pro Test müssen Bürger und Bürgerinnen bezahlen, wenn sie aus einem bestimmten Grund einen Test brauchen – etwa, um eine Veranstaltung besuchen zu dürfen oder weil sie Kontakt mit Infizierten hatten. Alle Regeln gibt es hier im Überblick. Ob die Abschaffung von kostenlosen Tests tatsächlich die richtige Antwort auf die aktuelle Sommerwelle ist, muss man wohl bezweifeln.

 

Zitat des Tages

Ich will nicht verraten, wie wir es angestellt haben, aber es war leicht.

Alexej Stoljarow,

russischer Komiker, zu Fake-Videoanrufen bei Politikerinnen und Politikern, in denen er sich als Vitali Klitschko ausgegeben haben soll

Wer hat führende Spitzenpolitikerinnen und ‑politiker Europas an der Nase herumgeführt? Zwei russische Komiker wollen für die Klitschko-Fakes verantwortlich sein. Ihre Geschichte zeigt: Das Duo ist schon seit acht Jahren für solche Aktionen bekannt.

Die Angelegenheiten, in die sich Wladimir Kusnetsow (auch bekannt unter dem Künstlernamen Vovan222 oder als Wladimir Krasnow) und Alexej Stoljarow eingemischt haben, sind mitunter sehr ernst.

Die Angelegenheiten, in die sich Wladimir Kusnetsow (auch bekannt unter dem Künstlernamen Vovan222 oder als Wladimir Krasnow) und Alexej Stoljarow eingemischt haben, sind mitunter sehr ernst.

 

Leseempfehlungen

„Raffiniert sind Täter nur im Film“: Joe Bausch ist bekannt als Rechtsmediziner im Kölner „Tatort“. Doch er war auch im echten Leben lange Gefängnisarzt – und hat nun sein drittes Buch über Verbrechen veröffentlicht. Im Interview mit RND-Autor Tilmann P. Gangloff spricht er über die Faszination des Bösen und die Unterschiede zwischen Fiktion und Realität (RND+).

Krise trotz Auftragsflut? Die Kultur- und die Veranstaltungsbranche stehen vor großen Herausforderungen – und dem Corona-Herbst. Beide atmen zwar auf: Endlich gibt es wieder etwas zu tun. Doch genau da entstehen neue Probleme: Für die Bewältigung der Auftragsflut fehlt vor allem Personal, dazu kommen die extrem gestiegenen Kosten. Und dann wartet da auch noch der Corona-Herbst.

 

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Flugausfälle statt Traumurlaub: Wie ein Ehepaar am Flughafen BER strandete. Die Vorfreude auf die griechische Hafenstadt Thessaloniki war groß, als sich Thomas und Veronika Engelhardt am vorigen Samstag auf den Weg zum Flughafen BER nach Schönefeld machten. Doch kurz vor Abflug endete die Reise für das Ehepaar am Berliner Flughafen BER schon wieder. Ein Ersatzflug soll erst eine Woche später starten, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (RND+).

 

Termine des Tages

Nürnberg: Die Bundesagentur für Arbeit gibt die Zahlen zur Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Monat Juni bekannt.

Dortmund: Die Frühjahrskonferenz der Wirtschaftsminister der deutschen Bundesländer beginnt. Den Vorsitz der Wirtschaftsminister­konferenz hat derzeit Nordrhein-Westfalen. Beraten wird unter anderem über die klimaneutrale Transformation der Wirtschaft sowie die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungs­verfahren.

 

Wer heute wichtig wird: 30 Jahre Mobilfunk

Am 1. Juli 1992 wollte die Telekom eine neue Ära einläuten und das erste Mobilfunknetz in Deutschland in Betrieb nehmen. Doch in einem PR-Coup kam Mannesmann Mobilfunk dem Rivalen um einen Tag zuvor und startete das D2-Netz heute vor 30 Jahren. Seitdem ist es nicht mehr wegzudenken.

Am 1. Juli 1992 wollte die Telekom eine neue Ära einläuten und das erste Mobilfunknetz in Deutschland in Betrieb nehmen. Doch in einem PR-Coup kam Mannesmann Mobilfunk dem Rivalen um einen Tag zuvor und startete das D2-Netz heute vor 30 Jahren. Seitdem ist es nicht mehr wegzudenken.

 

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Dirk Schmaler

 

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