Prozess gegen Terror-Netzwerk: Verteidigung fordert Freispruch

  • Die Verteidigung im Terror-Prozess gegen das mutmaßliche Netzwerk von Hassprediger Abu Walaa hat Freispruch für einen Mitangeklagten gefordert.
  • Der aus Dortmund stammende Deutsch-Serbe soll auch Berlin-Attentäter Anis Amri radikalisiert und ihn zeitweise beherbergt haben.
  • Die Bundesanwaltschaft plädiert auf neuneinhalb Jahre Haft.
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Celle. Im Terror-Prozess gegen das mutmaßliche Netzwerk von Hassprediger Abu Walaa hat die Verteidigung am Dienstag Freispruch für einen Mitangeklagten gefordert, der auch Berlin-Attentäter Anis Amri radikalisiert haben soll.

Die Bundesanwaltschaft hatte für den aus Dortmund stammenden Deutsch-Serben Boban S. am Oberlandesgericht Celle zuvor auf neuneinhalb Jahre Haft wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland plädiert. Der Angeklagte soll seine Dortmunder Wohnung als Gebetszentrum genutzt und dort auch zeitweise Amri beherbergt haben.

Dem mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Walaa, und insgesamt drei Mitangeklagten wird vorgeworfen, junge Menschen vor allem im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt zu haben. Die Männer stehen wegen Unterstützung des IS und Mitgliedschaft in der Terrormiliz seit September 2017 vor Gericht. Die Urteile sollen in der kommenden Woche fallen.

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Lange Liste radikalisierter Islamisten

In dem Prozess hatte das Gericht eine lange Liste von Islamisten benannt, die nach Zeugenaussagen von dem Deutsch-Serben und einem weiteren Mitangeklagten in Duisburg radikalisiert wurden. Viele von ihnen reisten zum IS aus oder waren wie der ebenfalls aufgelistete Amri später an Anschlägen beteiligt.

Unbemerkt von den Sicherheitsbehörden blieb das Tun der Gruppe um Abu Walaa nicht. Unter anderem in Dortmund war regelmäßig V-Mann „Murat“ des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen dabei, jener „VP-01“, der sich auch an die Fersen von Amri heftete. Auch unbemerkt gefertigte Fotos eines Treffens in der Dortmunder Wohnung wurden im Prozess gezeigt.

RND/dpa

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