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Proteste: Mit Sturmgewehr und Handfeuerwaffe vor den US-Wahlzentren

  • Sie tragen nicht nur Handfeuerwaffen oder Schrotgewehre, sondern auch halbautomatische Schnellfeuerwaffen.
  • Immer wieder sind bewaffnete Demonstranten vor den Wahlzentren der Bundesstaaten zu sehen.
  • Dennoch warnen politische Analysten vor einer gefährlichen Zuspitzung der Lage.
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Washington. Die turbulenteste Präsidentenwahl in der jüngeren US-Geschichte hat in den Tagen seit dem 3. November einen ungewöhnlichen Anblick hervorgebracht: Bewaffnete Demonstranten vor Wahlzentren in den Staaten, in denen Amtsinhaber Donald Trump knapp hinter seinem Herausforderer Joe Biden liegt. Die Mitarbeiter in den Auszählungszentren fühlen sich bedroht.

Es ist eine kleine Minderheit meist von Anhänger Trumps, die vor Wahlzentren nicht nur mit Schrotgewehren und Handfeuerwaffen, sondern oft auch mit halbautomatischen Schnellfeuerwaffen gesehen werden. Den Anblick gibt es aber nicht nur beim Trump nahe stehenden rechten Spektrum. Auch bewaffnete linke Aktivisten wurden gesichtet.

Zwischenfälle, Schüsse, gab es bisher nicht. Und verboten ist das offene Tragen von Schusswaffen in Arizona, Nevada und Michigan auch nicht. Aber politische Analysten warnen vor einer gefährlichen Zuspitzung, die zumindest als Einschüchterung gesehen werden kann und leicht in Gewalt umschlagen könnte. „Je mehr wir sehen, desto mehr wird es als eine normale Reaktion gesehen - obwohl es das nicht ist“, sagt Cynthia Miller-Idriss, Professorin mit Forschungsschwerpunkt Extremismus an der American University. „Da ist nichts normal dran. Das Potenzial für Gewalt wird normalisiert.“

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Streit um Stimmen spaltet die USA
1:58 min
In Philadelphia, der Hauptstadt von Pennsylvania, trafen am Donnerstag beide Lager aufeinander.  © Reuters

Versammlungen mit bewaffneten Demonstranten vor Auszählungsstationen gab es nach unbelegten Vorwürfen Trumps, die Auszählung werde zu seinen Ungunsten manipuliert und die Wahl so von den Demokraten „gestohlen“. Einige der Schusswaffenträger vor den Wahlzentren sagen, sie seien gekommen, um den Frieden zu bewahren.

Wahlleiter mehrerer Zentren berichten, die Mitarbeiter fühlten sich eingeschüchtert

„Ich bin hier, um einen friedlichen Protest zu beschützen“, erklärt Keith Owen, bewaffnet mit einem Sturmgewehr und einer Handfeuerwaffe, die er in einem Holster an seinem Bein trägt. Seine Weste ist mit Munition vollgestopft. Er sei ein Veteran, der in Afghanistan gedient habe und nun in Arizona lebe. Er war am Freitag einer von rund 100 Trump-Anhängern vor einem Wahlzentrum in Phoenix. Ein anderer, Militärveteran, Travis Fillmore, sagt: „Wir wollen sie einfach wissen lassen, dass sie nicht mit irgendwas davon kommen werden. Wir wollen sicher stellen, dass alle legalen Stimmzettel fair gezählt werden.“

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Wahlleiter mehrerer dieser Zentren haben gesagt, die Mitarbeiter fühlten sich von dem martialischen Anblick eingeschüchtert. Die Demonstranten in Phoenix riefen beispielsweise „Verhaftet die Wahlmitarbeiter!“ und forderten vier weitere Jahre für Trump im Weißen Haus. In Detroit/Michigan riefen sie „Stoppt den Dienstahl“, „Macht Wahlen wieder fair“ und „Wir lieben Trump“.

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Weiter explosiv aufgeladen wird die Atmosphäre in der Wahl-Hängepartie von Botschaften in sozialen Medien. In Georgia tauchte ein Mitarbeiter einer Auszählungsstation unter, nachdem er in einem über Twitter verbreiteten Video dabei zu sehen war, wie er ein Blatt Papier zerknüllte und wegwarf.

Im gesprochenen Kommentar zu dem Video wurde behauptet, der Mann sei über etwas verärgert. Er reiße die Briefwahlstimme auf und zerknülle sie. „Wenn das nicht Wahlbetrug ist, weiß ich nicht, was Wahlbetrug ist“, sagt der Kommentator.

Der Zwischenfall in Georgia

Die Wahlleitung in Fulham County untersuchte den Vorfall und teilte mit, an den Vorwürfen sei nichts dran. Der Mitarbeiter arbeite in einer Abteilung, in der Briefwahlunterlagen lediglich geöffnet und dann zur Auswertung weiter geleitet werden. Was in dem Video zu sehen sie, sei die Aussortierung des Zettel mit der Anleitung, wie die Briefwahlunterlagen auszufüllen seien, erklärte der Wahldirektor von Fulham County, Richard Barron. Das sei leicht daran zu erkennen, dass dieses Anleitungsformular deutlich kleiner als der Stimmzettel sei - und der Mitarbeiter habe ersichtlich ein Papier in dem kleineren Format weggeworfen, wie es seine Aufgabe sei.

„Es wurde in Frage gestellt, ob der Mitarbeiter in dem Video eine dieser Stimmen wegwirft“, erklärte Baron. „Die Antwort ist nein, unbestreitbar nein.“ Aufgabe des Mitarbeiters sei gewesen, eine Schneidemaschine zu bedienen und die äußeren Umschläge des Wahlbriefs von den inneren mit der Stimme zu trennen. Der Vorgang sei von der eigentlichen Zählung getrennt.

Barron sagte, der Mann habe sich bei Freunden versteckt, weil er sich im eigenen Zuhause nicht mehr sicher fühle. „Ich habe ihm meine Sorge darüber ausgedrückt, dass ihm all das passiert, weil er ein Wahlmitarbeiter sein wollte und nichts anderes gemacht hat, als einen guten Job.“

RND/AP

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