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Presse zur Vorwahl in Iowa: „Der Himmel ist blau für Trump“

  • Die großen Hoffnungen der Demokraten versanken bei den US-Vorwahlen in Iowa im Chaos.
  • Die Bekanntgabe des Endergebnisses ihrer Kandidaten stand auch am Mittwoch noch aus.
  • „Blamage”, „Fiasko”, „Katastrophe” – die Presse findet deutliche Worte und sieht nur US-Präsident Trump profitieren.
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Berlin. Die erste Vorwahl in Iowa, der erste Gradmesser für die US-Präsidentschaftswahl im November, lief für die US-Demokraten denkbar schlecht. Wegen eines Programmierfehlers in der neu verwendeten App konnte die Partei erst mit etlichen Stunden Verzögerung ein Ergebnis ihrer Kandidaten präsentieren – und dann auch nur ein Teilergebnis.

Der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Pete Buttigieg, lag überraschend vor dem weit links stehenden Bernie Sanders und auch dem lange als Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur geltenden Joe Biden. Ob es dabei bleiben wird, ist noch unklar, gewiss war den Demokraten jedoch Spott und Kritik. Vor allem den Republikanern, deren Kandidat Donald Trump knapp 97 Prozent der Stimmen bekam, kam der technische Fauxpas sehr gelegen. Und so sieht die Presse übergehend vor allem einen Gewinner.

Die Neue Zürcher Zeitung meint am Mittwoch: „Die Reaktion von Donald Trump war so vorhersehbar wie schonungslos. Wie sollten die Demokraten denn bitte das Land regieren, wenn sie nicht fähig seien, eine Wahl in Iowa durchzuführen? (...) Dazu kommt, dass das Debakel nicht die Folge einer rekordverdächtig hohen Beteiligung war. Laut Schätzungen dürften ähnlich viele Leute gewählt haben wie vor vier Jahren. Damit wurde der Höchstwert von knapp 240.000 Teilnehmern im Jahr 2008 klar verpasst, als es den Demokraten letztmals gelungen war, später das Weiße Haus zurückzuerobern. Die Erwartungen der Demokraten, dass sich aufgrund der Ablehnung Trumps an ihrer Basis ein solcher Zustrom wiederholen würde und sich daraus Hoffnung für den November schöpfen ließe, haben sich nicht erfüllt. Vor diesem Hintergrund hat Trump recht mit seiner Aussage, er sei die einzige Person, die nach diesem Wahlabend einen Sieg verzeichnen könne.“

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Ähnlich kommentiert die spanische Zeitung El Mundo: „Die Vorwahlen zur Bestimmung eines Kandidaten für das Weiße Haus hätten für die Demokraten nicht schlechter beginnen können. Der Caucus in Iowa, wo die Vorwahlen immer beginnen, war ein Desaster, das die Anhänger der Partei beschämt. Dass man nicht in der Lage war, die Stimmen mit allen Garantien auszuzählen und den Sieger in diesem Bundesstaat zu ermitteln, sorgte einen Tag lang für Chaos und Ungewissheit. Das passt nicht zur ersten Demokratie der Welt. Man muss daran erinnern, dass die Stimmenauszählung in Iowa schon 2016 sehr umstritten war, als beim sehr knappen Sieg von Hillary Clinton über Bernie Sanders von Betrug die Rede war. Die Demokraten machen es Trump derzeit sehr einfach. Dieser wird nach den Umfragen ohne Probleme die Wiederwahl schaffen.“

Die italienische Zeitung La Repubblica sieht die Demokraten in einem beunruhigenden Zustand: „Eine ‚systemische Katastrophe‘ nannte es ein Parteioberer der Demokraten in Iowa. Das lange Vorwahlrennen um den Herausforderer von Donald Trump beginnt schlecht. Chaos bei der Stimmenauszählung, Ineffizienz, Inkompetenz und Kontroverse: Es hätte kaum einen schlechteren Start für diejenigen geben können, die am 3. November den Mieter des Weißen Hauses verdrängen wollen. Der 'Caucus' im Bundesstaat Iowa (...) läuft Gefahr, zu einer beunruhigenden Metapher für den Zustand der Oppositionspartei zu werden.“

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„Es wird eine schöne Woche für Trump sein“

„Der Himmel ist blau für den amerikanischen Präsidenten“, findet auch die französische Regionalzeitung L'Alsace: „Die Demokraten hatten das wirklich nicht nötig. Während der Beliebtheitsgrad von Donald Trump seinen Höhepunkt erreicht, ist der Fehler beim ersten Treffen der Vorwahlen der Demokratischen Partei für das Image katastrophal. Es wird eine schöne Woche für Donald Trump sein: Am Montag das Fiasko der Vorwahlen der Demokraten in Iowa, am Dienstag die Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress, und am Mittwoch der Freispruch im Amtsenthebungsverfahren (…). Der Himmel ist blau für den amerikanischen Präsidenten.“

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Von einer Blamage für die amerikanische Demokratie spricht die liberale slowakische Tageszeitung Sme: „Eine größere Blamage hat die amerikanische Demokratie schon lange nicht mehr erlebt. Die Unfähigkeit, nach einer vernünftigen Zeit das zuverlässige Ergebnis der Wahlen herauszubekommen, ist vielleicht noch in Äquatorialafrika verständlich, aber doch nicht im Bundesstaat Iowa. (...) In einem Land, in dem immerhin die fünf größten Technologiekonzerne der Welt ihre Steuern zahlen, ist so eine Panne wirklich empörend. Die Republikaner haben es in dem sehr symbolträchtigen Iowa viel leichter. Dass Trump gewinnt, wird diesmal ebenso wenig bezweifelt wie vor vier Jahren nicht bezweifelt wurde, dass er es nicht ins Weiße Haus schaffen werde. Im Übrigen ist sowieso unwichtig, wer von den Demokraten in Iowa gewonnen hat. Der eigentliche Wettkampf unter ihnen beginnt erst, wenn im März der Supermilliardär Michael Bloomberg mit in den Ring steigt.“

Nur Trump hat Grund zur Freude

Für die Wiener Tageszeitung Der Standard ist es ein eisiger Sturm ins Gesicht der Demokraten: „Der erhoffte mediale Rückenwind aus dem Swing State im Mittleren Westen hat gedreht und bläst den ohnehin gespaltenen und seit dem gescheiterten Impeachment-Prozess geschwächten Demokraten nun als eisiger Sturm ins Gesicht. Denn egal, ob nun – wie vorausgesagt – Bernie Sanders, Pete Buttigieg oder Elizabeth Warren an dieser ersten Station eines langen Wahljahres die Nase vorn haben, wirklichen Grund zur Freude hat nur einer: Donald Trump. Seine Herausforderer haben sich vor aller Augen bis auf die Knochen blamiert, sie bleiben gespalten und reiben sich, jedenfalls bis zur nächsten Vorwahl in New Hampshire, weiter eher aneinander als an ihm. Wenn der Präsident nun poltert, die Demokraten könnten es einfach nicht, sie seien nicht einmal imstande, einen Herausforderer zu küren, muss man ihm wohl oder übel ganz einfach recht geben.“

Hart ins Gericht mit den Demokraten geht auch die Berliner Morgenpost: „Wenn im November bei der Präsidentschaftswahl die Wahlbeteiligung einen neuen Tiefstand erreichen und Donald Trump davon profitieren sollte, darf sich niemand beklagen. Die Versager von Iowa haben den Grundstein gelegt.“

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Die Mittelbayerische Zeitung kritisiert vor allem die vorschnellen Siegesverkündungen einiger Kandidaten der Demokraten: „Je länger es dauert, bis die Partei den Sieger kürt, desto weniger bedeutet der Preis. Dass sich in der Wahlnacht alle irgendwie zu Gewinnern erklärten, mag verständlich sein, schadet aber der Glaubwürdigkeit der Kandidaten. Mit der Verkündigung von ‚Schein-Siegen‘ begeben sie sich auf postfaktisches Terrain, das bisher Donald Trump vorbehalten war.“

Dass Trump „die Blamage“ den Demokraten nun bei jeder Gelegenheit unter die Nase reiben wird, glaubt die Zeitung Westfälische Nachrichten: „Schlimmer hätte es für die US-Demokraten nicht laufen können: Ausgerechnet die Premiere der Kandidatenkür in Iowa, der sie seit Wochen entgegenfiebern und in die sie Millionen von Dollar gesteckt haben, entpuppt sich als peinliches Fiasko. Solche Wahlkampfpannen produzieren im digitalen Zeitalter sofort ein wildes Dickicht aus Verschwörungstheorien und Chaosbildern, in dem sich die Demokraten nun zu verirren drohen. Trump wird nun jede Chance nutzen, um den Demokraten, die ihn ja gerade wegen Wahlmanipulation aus dem Amt jagen wollten, die Blamage unter die Nase zu reiben.“

RND/dpa/cz



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