• Startseite
  • Politik
  • Presse zu Trump in Davos: „Dr. Seltsam tritt gegen eine Ameise an“

Presse zu Trump in Davos: „Dr. Seltsam tritt gegen eine Ameise an“

  • US-Präsident Donald Trump und Klimaaktivistin Greta Thunberg präsentieren sich auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos gewohnt uneins.
  • In der Presse ist die Rede von „Grund zum Optimismus“.
  • Aber auch von „verdorbener Laune“.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos standen am Dienstag US-Präsident Donald Trump und Klimaaktivistin Greta Thunberg im Fokus der Berichterstattung. Doch während in Deutschland die heftige Kritik von Grünen-Chef Robert Habeck an der Rede Trumps für Schlagzeilen sorgte, beschäftigt sich die internationale Presse auch mit dem Kampf zwischen dem US-Präsidenten und der schwedischen Klimaaktivistin.

Die italienische Zeitung „La Repubblica“ schreibt: „Man hat noch nie gesehen, dass ein Präsident der Vereinigten Staaten, der so verliebt in seine Allmacht ist wie kein anderer, solch eine große Notwendigkeit verspürt, ein 17 Jahre altes Mädchen zu verspotten. Auch in einer Kundgebung, die mehr für die jubelnde Menge in Ohio als für die Finanzelite der Welt gedacht war, hat es Trump geschafft, Greta Thunberg zu beleidigen ohne ihren Namen zu nennen. Es reicht mit den ‚Untergangspropheten‘, brüllte er. Ein Dr. Seltsam, der mit Nuklearmacht gegen eine Ameise antritt.“

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ sieht derweil auch Grund zum Optimismus: „Während Donald Trump auf die US-Wirtschaftskraft eine Lobrede hielt, las Greta Thunberg den Eliten die Leviten. Die Anhänger von Fridays for Future fordern eine bessere Welt. Doch sie unterschätzen die Leistungskraft von Demokratie und Marktwirtschaft. Die Zukunft liegt nicht in einer grünen Planwirtschaft oder Technokratie, in der Experten Verzicht predigen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Vielmehr müssen wir für eine Weltbevölkerung von bald acht Milliarden Menschen ein Wohlstandsmodell entwickeln, das klimaneutral ist. Das ist machbar. Antrieb dieses Wandels wird der technologische Fortschritt sein. E-Mobilität, Quantum Computing oder künstliche Intelligenz sind Schlagwörter eines rasanten Wissenszuwachses. Allen Horrorszenarien zum Trotz: Es gibt auch Grund zu Optimismus.“

Der Züricher „Tages-Anzeiger“ kommentiert derweil nur den Auftritt Trumps. „Klima, Flüchtlinge oder die Krise im Nahen Osten, all das kam im rosigen Bild, das Trump von seinem Heimatland malte, überhaupt nicht vor, das Impeachment gegen ihn schon gar nicht. Natürlich richtete er seine Rede vor allem an das heimische Publikum, das ihn wiederwählen soll – und dies wohl auch tut.

Doch die Botschaft kam sehr wohl auch bei seinen Zuhörern in Davos an – wenigstens bei der Mehrheit von ihnen, den Managern und Vertretern der Wirtschaft. Sie sagten es zwar nicht laut, aber von jenen Firmenchefs, die sich in Davos versammeln, haben etliche genug von der ewigen Klimadiskussion, die für viele nur die Laune verdirbt und das Geschäft stört.

Anzeige

In diesem Sinne repräsentierte die Rede Trumps viel besser das, was das Publikum wirklich will, als all die schönen Worte in den Broschüren des Weltwirtschaftsforums.“

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sieht derweil auch positive Aspekte in der Rede, die Donald Trump am Dienstag in Davos hielt. „So manches an Donald Trumps Auftritt in Davos gäbe es zu kritisieren. Zum Beispiel seine Selbstbeweihräucherung. Richtig liegt Trump aber mit seiner These, dass die Welt auf Dauer nur vorankommt, wenn sie mit Zuversicht in die Zukunft blickt und nicht im Pessimismus von Untergangspropheten versinkt. Das mochte vor allem an die Adresse Greta Thunbergs gesprochen sein.

Anzeige

Aber Thunberg steht nicht alleine. Der Weltuntergang ist seit Jahrhunderten immer wieder vergeblich prophezeit worden. Und es stimmt auch, dass Marktwirtschaften am ehesten in der Lage sind, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Denn ob es um den Klimawandel geht oder eine sichere Versorgung der Menschen mit Trinkwasser: Fortschritt entsteht vor allem durch Innovationen, für deren Entwicklung Marktwirtschaften die beste Ordnung darstellen.“

Video
Trump wettert in Davos gegen Klimaaktivisten
0:47 min
US-Präsident Trump ging beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf Konfrontationskurs mit Greta Thunberg.  © AFP

Dagegen legt die „Süddeutsche Zeitung“ das Augenmerk auf die negativen Punkte des Auftrittes von Trump. „Der US-Präsident entpuppte sich in Davos als Wahl, die jedes Festkomitee zur Verzweiflung bringen kann. Sein zweiter Auftritt in den Schweizer Bergen, als Höhepunkt zum 50. Geburtstag des Weltwirtschaftsforums gedacht, geriet zum Sammelsurium des Selbstlobs. Trump redete erst seinen Vorgänger Barack Obama schlecht, der die amerikanischen Arbeiter ‚verraten und vergessen‘ habe.

Dann setzte er zur Aufzählung seiner fantastischen Leistungen an: historisch hohe Investitionen und Aktienstände, niedrigste Arbeitslosigkeit, bester Lebensstandard der Welt. All das will er als Präsident bewerkstelligt haben. Doch so viel Plumpheit verfing nicht einmal bei denen, die selbst Anhänger von Wachstum sind. Der Beifall für Trump, dem der Klimawandel kein Wort wert war, blieb mau.“

Die Zeitung „Darmstädter Echo“ kommentiert: „Auch Greta Thunberg schrammt an der Realität vorbei, wenn sie moniert, dass bislang noch gar nichts passiert sei. Zwar spart das Formulieren von Zielen allein kein einziges Gramm CO₂ ein, doch die Umweltaktivisten haben das Thema Klima in Davos immerhin ganz nach oben auf die Agenda befördert.

Für wirkliche Fortschritte muss allerdings die Art des Wirtschaftens weltweit hinterfragt und nachhaltig verändert werden. Damit tun sich nicht nur die Chefs von Großunternehmen schwer, auch jeder einzelne Verbraucher muss umdenken.“

RND/dpa


  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen