Potsdam: SPD-Politiker Schneider für Lernort in Garnisonkirche

  • Der Parlamentsgeschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, schaltet sich in den Streit um den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche ein.
  • Vor einer wichtigen Anhörung der Stadtverordnetenversammlung springt Schneider Oberbürgermeister Mike Schubert zur Seite.
  • Er unterstützt dessen Pläne, eine Jugend- und Begegnungsstätte auf dem Gelände der ehemaligen Militärkirche zu errichten.
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Berlin. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, hat sich in die Debatte über den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam eingeschaltet und das vom dortigen Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) vorgeschlagene Konzept zur Schaffung eines Lernortes für Demokratie unterstützt.

„Ich begrüße den Vorschlag von Mike Schubert, auch in Potsdam eine Jugend- und Begegnungsstätte als Lern- und Diskussionsort deutscher Geschichte zu schaffen“, sagte Schneider dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Samstag).

Der SPD-Politiker bezeichnete das im Sommer 2019 eröffnete „Haus der Weimarer Republik“ in Weimar als beispielhaft für ein solches Vorhaben und brachte eine Kooperation der beiden Einrichtungen ins Gespräch. „Ich habe mit Mike Schubert nach seinem Besuch in Weimar über Möglichkeiten der Kooperation gesprochen, sofern in Potsdam eine positive Entscheidung für den Standort am Ort der früheren Garnisonkirche fällt“, sagte Schneider dem RND.

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„In der Kooperation mit Weimar und der dortigen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Kapiteln der Geschichte der Stadt könnte aus der Gegenüberstellung des Geistes von Weimar und Potsdam eine gemeinsame Idee für eine wehrhafte Demokratie entstehen.“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider.

Laut Schneider brauche es solche Lernorte, um die Demokratie gegen ihre Feinde zu verteidigen. „In Zeiten, wo sich politische Kräfte nicht nur in meiner thüringischen Heimat an Orten wie dem Kyffhäuser oder in Weimar versuchen, der Geschichte der Orte zu bemächtigen, ist es umso wichtiger, Orte zu haben, an denen die Brüche mit der deutschen Geschichte sichtbar und inhaltlich erlebbar werden“, so der SPD-Politiker.

Der Streit um den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche beschäftigt die Brandenburger Landeshauptstadt seit Jahrzehnten. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte einstige preußische Militärkirche war 1968 nach einem Beschluss der SED gesprengt worden.

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Befürworter des Wiederaufbaus argumentieren mit dem historischen Stadtbild. Gegner weisen auf die wechselvolle Geschichte des Bauwerkes hin, vor dessen Fassade es am 21. März 1933 zum Handschlag zwischen dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und dem neu gewählten Reichskanzler Adolf Hitler gekommen war.

Die Bauarbeiten für den Turm der Kirche laufen bereits, sie sollen im Jahr 2022 abgeschlossen sein. Bei dem aktuellen Streit geht es um die Frage, was auf dem Grundstück des ehemaligen Kirchenschiffs errichtet werden soll. Die Positionen in der Stadtgesellschaft liegen weit auseinander: Während für einige nur eine originalgetreue Rekonstruktion infrage kommt, fordern andere eine klare Bruchlinie zu dem historischen Bauwerk und wieder andere, diese Frage künftigen Generationen zu überlassen.

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