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Wehrmachtspanzer als Sticker am Rucksack: Polizei Münster ermittelt gegen Beamten

Ein Beamter der Münsteraner Polizeihundertschaft soll ein Stoffpatch mit einem Wehrmachtspanzer am Rucksack getragen haben. Der Rucksack lag bei einem Einsatz sichtbar in der Fahrerkabine eines Einsatzwagens.

Ein Beamter der Münsteraner Polizeihundertschaft soll ein Stoffpatch mit einem Wehrmachtspanzer am Rucksack getragen haben. Der Rucksack lag bei einem Einsatz sichtbar in der Fahrerkabine eines Einsatzwagens.

Münster/Berlin. Die Polizei in Münster prüft nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) rechtliche Schritte gegen einen Beamten ihrer Bereitschaftspolizeihundertschaft, der einen Stoffflicken mit der Abbildung eines Wehrmachtspanzers an seinem Einsatzrucksack getragen haben soll.

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„Dass ein Angehöriger der Polizei im Dienst eine Abbildung eines Wehrmachtspanzers bei sich getragen haben soll, hat mich sehr betroffen gemacht“, sagte Polizeipräsident Schnabel dem RND.

„Alle Zeichen und Symbole, die Zweifel an einer neutralen und rechtsstaatlichen Aufgabenerfüllung durch die Polizei aufkommen lassen, sind für uns inakzeptabel. Der Vorfall muss nun unverzüglich aufgeklärt und disziplinar- und strafrechtlich bewertet werden.“

Rucksack sichtbar in Fahrerkabine

Der Rucksack hatte am vergangenen Samstag sichtbar in der Fahrerkabine eines Einsatzfahrzeugs in der Münsteraner Innenstadt gelegen. Die Hundertschaft war dort im Rahmen einer antiisraelischen Demonstration und einer gleichzeitig stattfindenden israelsolidarischen Gegendemonstration im Einsatz.

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Dem RND liegen Foto- und Videoaufnahmen vor, die das am Rucksack des Polizisten befestigte Stoffpatch zeigen. Abgebildet ist darauf ein Panzer, außerdem der Schriftzug „Panther Panzerkampfwagen V“. Dabei handelt es sich um einen Wehrmachtspanzer, der von 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 im Einsatz war.

Schnabel habe eine „disziplinarrechtliche und strafrechtliche Prüfung einschließlich einer Bewertung durch den polizeilichen Staatsschutz angeordnet“, teilte die Polizei Münster dem RND mit. Auch sei die Extremismusbeauftragte der Behörde in Kenntnis gesetzt worden.

Polizeieinheit auch für Schutz der Synagoge eingesetzt

Der Polizist, um dessen Einsatztasche es sich ersten Erkenntnissen zufolge handele, ist laut Polizeiangaben Beamter der 17. Bereitschaftspolizeihundertschaft, die am Samstag den Auftrag hatte, „Eingreifkräfte für mögliche Auseinandersetzungen bei den an diesem Tag in Münster stattfindenden Demonstrationen zu stellen und sogenannte Raumschutzmaßnahmen umzusetzen“.

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Dazu gehörten „gegebenenfalls auch Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen.“ Der Schutz der Münsteraner Synagoge gehöre auch außerhalb von Demonstrationsgeschehen zu den Aufgaben der Polizeihundertschaft.

In der vorigen Woche war es vor der Synagoge zu einem antisemitischen Vorfall gekommen. Eine etwa 15-köpfige Gruppe hatte dort unter lauten Rufen eine israelische Flagge verbrannt. Nach diesem und einem weiteren Angriff auf eine Synagoge in Bonn hatte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) angekündigt, den Schutz für jüdische Einrichtungen im Bundesland zu verstärken.

Stoffpatch aus Onlineshop mit Angebot für Rechtsextreme

Das Stoffpatch wird von einem Onlineshop vertrieben, der vor allem T-Shirts und andere Textilien mit Militär- und Polizeibezug anbietet. Neben Motiven, die sich auf die Bundeswehr und andere internationale Armeen beziehen, verkauft der Shop auch T-Shirts, auf denen nicht nur Wehrmachtspanzer, sondern auch die Wehrmacht selbst glorifiziert werden. Ein Shirt verherrlicht etwa die „Winterschlacht“ der Wehrmacht an der Ostfront gegen die Sowjetunion.

Ebenfalls in dem Onlineshop erhältlich sind Mund-Nasen-Schutzmasken mit der schwarz-weiß-roten Reichsflagge, der kaiserlichen Reichskriegsflagge, oder Aufschriften wie „Querdenker“ oder „Mundtot“. Auch andere verkaufte Motive richten sich an Impfgegner und Rechtsextreme. „Ungeimpft“ steht etwa auf einem Aufnäher.

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