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Politologe: „Die Menschen realisieren noch nicht, dass die Ära Merkel zu Ende geht“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Hintergrund.

Herr Holtmann, 2021 ist ein so genanntes Superwahljahr. Es wird aller Voraussicht nach sechs Landtagswahlen und eine Bundestagswahl geben. Wie super wird das Wahljahr Ihrer Ansicht nach tatsächlich?

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Es wird wegen der Corona-Pandemie ein ganz anderes Wahljahr als die, die wir bisher kannten. Corona führt die Liste der seitens der Bevölkerung als dringlich erachteten Themen an. Das kann sich bis zur Bundestagswahl fortsetzen, was zur Folge hätte, dass die den Wahlkampf normalerweise bestimmenden Sachthemen in den Hintergrund rücken. Zudem ist nicht auszuschließen, dass Wahlen wegen anhaltend hoher Infektionen als Briefwahlen stattfinden müssen. Den korrekten Ablauf der Wahl würde dies aber nicht beeinträchtigen.

Im Herbst steht die Bundestagswahl an. Wann werden die Wähler merken, dass Angela Merkel nicht mehr zur Wahl steht?

Die Zufriedenheit mit der Bundeskanzlerin bleibt auch nach dem angekündigten Verzicht auf eine neuerliche Kanzlerschaft hoch. Davon profitieren CDU und CSU. Fast scheint es, die Menschen realisieren noch nicht wirklich, dass die Ära Merkel zu Ende geht. Das dürfte sich ändern, wenn die Bürger erfahren, wer an Merkels Stelle treten soll. Was die Wahlchancen der Unionsparteien betrifft, sind insofern die aktuellen Umfragen für die Bundestagswahl am 26. September nicht wirklich aussagekräftig.

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Viele Beobachter gehen davon aus, dass ein Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz zu einem sehr polarisierten Wahlkampf führen würde – mit dem Ergebnis, dass Olaf Scholz, Annalena Baerbock oder Robert Habeck Kanzler würden. Glauben Sie das auch?

Friedrich Merz polarisiert gewiss stärker als seine Mitbewerber um die Kanzlerkandidatur. Ob das potentielle Unionswähler eher mobilisiert oder abschreckt, ist offen. So oder so werden verschiedene Koalitionsvarianten möglich werden. Den aktuellen Zahlen nach erscheint Schwarz-Grün realistischer als Rot-Rot-Grün. Aufgrund von gegensätzlichen Positionen bei wichtigen Sachfragen sind indes beide Varianten, selbst wenn es zahlenmäßig reicht, keine Selbstläufer.

Welcher Unionskandidat wäre aus Ihrer Sicht der beste?

Aus Sicht der Unionsparteien hat jeder Kandidat spezielle Vorzüge. Armin Laschet und Markus Söder haben, wenngleich nur auf Landesebene, Regierungserfahrung. Norbert Röttgen ist profilierter Außenpolitiker. Friedrich Merz erwärmt die Herzen des konservativen Stamms der Unionswähler, die mit Merkels Mittekurs fremdeln.

Superwahljahr 2021: Wahlen in Bund und 6 Ländern

Wer kommt nach Angela Merkel, und welches Bündnis folgt auf die ungeliebte GroKo? Deutschland steht ein spannendes Wahljahr bevor.

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Unterdessen scheint die AfD im Niedergang begriffen.

Die AfD hat, so scheint es, ihren Zenit überschritten. Der Partei machen vor allem drei Dinge zu schaffen. Zum einen hat das aktuelle Thema Nummer eins, die Corona-Pandemie, das Reizthema Migration/Flüchtlinge/Asyl, das den Markenkern der AfD ausmacht, in den Hintergrund gerückt. Zum anderen hat die AfD mit ihrer Strategie, den Schulterschluss mit sogenannten Querdenkern und Corona-Leugnern zu suchen und sich so als soziale Bewegungspartei neu aufzustellen, nur begrenzte Breitenwirkung. Und drittens wirkt es auf etliche mit der Partei Sympathisierende abschreckend, dass die AfD möglicherweise als Gesamtpartei ein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes wird.

Wie ist insgesamt Ihre Erwartung für das nächste Jahr?

Das Corona-Jahr hat neben manchen Ausprägungen sozial verantwortungslosen Handelns auch viele Beispiele für gelebte Solidarität und wachsenden gesellschaftlichen Zusammenhalt gezeigt. Ich denke, wir können alles in allem zuversichtlich sein.

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