Polen jetzt vor Italien bei deutschen Handelspartnern

  • Polen ist im Osthandel mit einem Volumen von 123 Milliarden Euro der größte Handelspartner Deutschlands.
  • Damit lag das Nachbarland 2020 weit vor Tschechien und Ungarn.
  • Zugleich brach der Ost-Handel durch die Corona-Krise um 8,4 Prozent ein.
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Berlin. Polen konnte im vergangenen Jahr seine Position als mit Abstand größter Handelspartner Deutschlands im Osteuropageschäft ausbauen. Zwar sank das deutsch-polnische Handelsvolumen minimal um 0,5 Prozent, war aber mit 123 Milliarden Euro weiterhin das mit Abstand größte unter den osteuropäischen Handelspartnern.

Und Polen verdrängte damit sogar Italien vom fünften Platz unter den deutschen Handelspartnern weltweit. Das geht aus der vom Ostausschuss der deutschen Wirtschaft (OA) erarbeiteten Ost-Handelsbilanz für 2020 hervor.

Vom Sorgenkind zum Powerhouse der EU

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Bei den deutschen Importen hängte Polen im Vorjahr sogar erstmals Frankreich ab und rückte hier auf Platz vier vor. „Bei der EU-Erweiterung 2004 galt Polen noch als wirtschaftliches Sorgenkind, jetzt ist es auch dank deutscher Investitionen ein industrielles Powerhouse der EU“, sagte der Vorsitzende des Ostausschusses, Oliver Hermes. Diese große Erfolgsgeschichte sollte in beiden Ländern viel stärker wertgeschätzt werden. Beim Thema Industrie 4.0, also der Implementierung von digitalen Lösungen in die Industrieproduktion, könnten Deutschland und Polen gemeinsam eine Führungsrolle in Europa übernehmen, so Hermes.

Tadschikistan rangiert am Ende

Im Osthandel folgen auf den Plätzen zwei, drei und vier Tschechien (83 Milliarden), Ungarn (52 Milliarden) und Russland mit 44 Milliarden. Am Ende der Skala unter den 29 Partnerländern des Ost-Ausschusses rangieren Montenegro mit 130 Millionen Euro, Kirgistan (58 Millionen) und Tadschikistan mit 39 Millionen Euro.

Insgesamt ging der deutsche Handel mit Mittel- und Osteuropa infolge der Corona-Krise um fast 39 Milliarden Euro (minus 8,4 Prozent) auf knapp 423 Milliarden Euro zurück. Die deutschen Ausfuhren in die Region sanken um 7,2 Prozent, die Importe um 9,6 Prozent.

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„Extrem schwieriges Jahr“ für Handel mit Russland

Die deutschen Ausfuhren nach Russland gingen laut OA-Bilanz 2020 um 13,1 Prozent auf 23 Milliarden Euro zurück. Die deutschen Einfuhren von dort sanken aufgrund niedrigerer Energiepreise und -importe um fast 30 Prozent auf 22 Milliarden Euro. Der deutsch-russische Warenaustausch sank damit auf den niedrigsten Stand seit 2005. Erstmals seit den 1990er Jahren erzielte Deutschland einen leichten Handelsüberschuss mit Russland.

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„In Bezug auf Russland hatten wir 2020 ein extrem schwieriges Jahr, nicht nur wegen der Corona-Krise, sondern auch wegen der harten, politischen Konflikte, die sichtbar auf die Wirtschaft durchschlagen,“ kommentierte Oliver Hermes den Rückschlag in den bilateralen Handelsbeziehungen. Mit diesem Tiefpunkt dürfe man sich nicht abfinden.

Hermes: „Wir brauchen jetzt ein Moratorium. Aber keines gegen Wirtschaftsprojekte wie Nord Stream 2 und unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern eines gegen alle Aktivitäten, die unsere beiden Länder und damit auch die Menschen weiter auseinandertreiben.“

Die Ukraine rangiert mit einem Handelsvolumen von sieben Milliarden Euro in der Ostbilanz 2020 zwar nur auf dem 9. Platz, könnte aber bald schon eine größere Rolle bei der Erzeugung von grünem Strom und Wasserstoff spielen. Der Ostausschuss sieht in der Ukraine als „großes Agrarland und größtes europäisches Flächenland“ einen „guten Partner für den europäischen Green Deal“.

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„Das Land hat gute Voraussetzungen, sich zu einem großen Exporteur von grüner Energie in die EU zu entwickeln. Diese Themen werden auch auf dem 4. Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum im März eine Rolle spielen, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Premier Denis Schmyhal teilnehmen werden“, kündigte Hermes an.

Weniger Umsatz auch mit Rumänien und Slowenien

Der deutsche Handel mit Südosteuropa entwickelte sich nach den Berechnungen des OA 2020 uneinheitlich. Während der Warenaustausch mit Albanien (-0,8 Prozent), Serbien (-2,2 Prozent) und Bulgarien (‑4,3 Prozent) vergleichsweise stabil blieb, schrumpfte der Handel mit Rumänien und Slowenien, den beiden wichtigsten Märkten in der Region, um rund ein Zehntel.

Für Südosteuropa wird sich der Ost-Ausschuss mit der Vorbereitung des Westbalkan-Gipfels Mitte 2021 engagieren, der in Berlin stattfindet. Dabei soll es vor allem um Fragen der Digitalisierung gehen. Überdurchschnittliche Einbrüche gab es 2020 im deutschen Außenhandel mit Zentralasien und dem Südkaukasus, so mit Aserbaidschan (-39 Prozent), Usbekistan (-30 Prozent) und Kasachstan (-16 Prozent). Immerhin: Der deutsche Export nach Kasachstan stieg um 4,4 Prozent.

Osthandel belegt ein Fünftel des deutschen Außenhandels

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (gegründet 1952) fördert die deutsche Wirtschaft in den 29 Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas, des Südkaukasus und Zentralasiens. Der deutsche Osthandel steht insgesamt für rund ein Fünftel des gesamten deutschen Außenhandels und ist damit bedeutender als der Handel mit den USA und China zusammen. Der Ost-Ausschuss hat rund 350 Mitgliedsunternehmen und -verbände und wird von sechs Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft – BDI, BGA, Bankenverband, DIHK, GDV und ZDH - getragen.

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