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„Der Tag“

Wie verwundbar sind wir?

Wie sehr wird Deutschland den Krieg spüren? Wirtschaftsminister Robert Habeck hat am Mittwoch einen kleinen Ausblick gegeben.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die rosigen Zeiten des Aufschwungs sind für Deutschland vorbei. An diesem Mittwoch hat Bundeswirtschafts­minister Robert Habeck die stille Hoffnung auf starkes Wachstum nach zwei Pandemiejahren mit langen Lockdownwintern zunichtegemacht – und warnt, dass Deutschland schon bald nicht mehr so stark sein könnte, wie es jahrelang war.

„Der Krieg gegen die Ukraine und seine wirtschaftlichen Auswirkungen erinnern uns daran, dass wir verwundbar sind“, sagte Habeck im Zuge der Vorstellung der sogenannten Frühjahrsprojektion. Während im Januar noch ein Wirtschaftswachstum um 3,6 Prozent prognostiziert wurde, schraubt die Bundesregierung den Wert nun auf 2,2 Prozent herunter.

Vor allem der Blick auf die nächste Gasabrechnung dürfte Sie und uns zunehmend beunruhigen, denn die Preise sollen in diesem Jahr um 6,1 Prozent steigen. Der bange Blick in den Geldbeutel in Kombination mit der westlichen Abhängigkeit von russischem Gas spielen besonders dem Präsidenten Wladimir Putin in die Karten, der das Gas zunehmend zu seinem Spielball macht.

So verhängte Russland bereits ein Stopp für Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien, da die Staaten nicht in Rubel zahlten, wie von der russischen Regierung gefordert. Obwohl Polen gelassen reagiert und kontert, bereits ein neues Pipelineprojekt in der Ostsee voranzutreiben, könnte das erst der Anfang sein. Wenn man den Drohungen Russlands Glauben schenkt, blüht auch Deutschland bald ein Gasstopp. Ob der Schaden für Russland oder für Deutschland größer wäre, bleibt aber offen. Nach Berechnungen der unabhängigen Forschungsorganisation CREA zahlte Deutschland seit Kriegsbeginn rund 6,4 Milliarden Euro – vermutlich am meisten von allen Kunden.

Wirtschaftsminister Habeck: Krieg gegen die Ukraine dämpft Wirtschaftswachstum

Bundeswirtschafts­minister Robert Habeck rechnet im Falle eines Gasboykotts Russlands mit einer Rezession in Deutschland.

Dennoch wird die Regierung wohl nicht vorzeitig die Reißleine ziehen. „Ein Abriss der Gaslieferungen zum jetzigen Zeitpunkt würde die deutsche Wirtschaft in eine Rezession treiben“, sagte Habeck und verteidigte so das zögerliche und bedachte Handeln. Vielmehr steht ein nachhaltiger Wandel im Fokus, der uns wohl ziemlich sicher dauerhaft ärmer machen wird, wie Andreas Niesmann, Leiter des Wirtschaftsressorts, in seinem Leitartikel schreibt. „Selbst wenn der Krieg eines Tages beendet sein sollte und sich die Energiemärkte beruhigen, scheint es ausgeschlossen, dass die alten Preise je wieder erreicht werden können“, meint Niesmann.

Plötzlich vereint?

Für einen überraschenden Lichtblick sorgte hingegen die Union: „Wir wollen gemeinsam mit den anderen Fraktionen die Entscheidung mittragen, dass schwere Waffen an die Ukraine geliefert werden“, sagte CSU-Landesgruppen­chef Alexander Dobrindt am Mittwoch im Bundestag. Damit löste er die wochenlange Blockade seiner Fraktion und bestätigte, dass die Union und die Ampel am Donnerstag für einen gemeinsamen Antrag stimmen wollen, um die Ukraine zu unterstützen.

Nach heftigen Diskussionen und Anschuldigungen – auch innerhalb der Ampel – ist dieser Kompromiss ein großer Fortschritt und dürfte besonders bei den Regierungsparteien für Freude sorgen. Nach den vermeintlich harmonischen Koalitions­verhandlungen und dem geräuschlosen Start ließen die letzten Wochen die Frage aufkommen, ob das Bündnis aus SPD, Grünen und FDP überhaupt die gesamten vier Jahre überstehen wird. In seiner Analyse blickt Hauptstadt­korrespondent Markus Decker auf die Probleme und Uneinigkeiten der Regierung – aber auch auf darauf, was sie zusammenhält und wer aktuell außerordentlich hervorsticht.

 

Zitat des Tages

Nach dem vielen Nonsens, der hier in den vergangenen Wochen verbreitet wurde, möchte ich mal wieder ein paar Informationen zu Sars-CoV-2 geben.

Christian Drosten,

Virologe von der Charité Berlin

Nach dem Ende seines Podcasts „Coronavirus Update“ im März ist es ruhig um den Corona-Erklärer Christian Drosten geworden. Am Mittwoch meldete er sich auf Twitter zurück – natürlich mit neuesten Informationen zur aktuellen Lage.

 

Leseempfehlungen

Gescheiterte Impfpflicht? Seit Mitte März gilt die Impfpflicht für das Personal in medizinischen und pflegerischen Berufen. Eine exklusive Umfrage des RND zeigt, wie viele Personen in den 20 größten Städten Deutschlands nicht geimpft sind. Besonders drei Städte stechen hervor (RND+).

Arbeit der Zukunft? In Deutschland arbeiten mehr und mehr Angestellte in Teilzeit, jedoch mit finanziellen Einbußen. Erste Unternehmen zeigen, dass es auch mit vollem Lohnausgleich gehen könnte. Setzt sich die Viertagewoche in Deutschland durch? RND-Autorin Miriam Keilbach hat recherchiert, was dafürspricht – und was dagegen (RND+).

Aus unserem Netzwerk

Die Bundeswehr will heute erneut ukrainische Kriegsverletzte nach Deutschland einfliegen. Ein Spezialflugzeug soll Schwerverletzte von Polen nach Leipzig transportieren, berichtet die „Leipziger Volkszeitung“ (RND+).

 

Termine des Tages

  • Bundestag debattiert weiter: Ab 9 Uhr geht es für die Abgeordneten unter anderem um Waffenlieferungen an die Ukraine, die Abschaffung der EEG-Umlage und die Erhöhung des Mindestlohns.
  • Besuch des UN-Generalsekretärs: António Guterres reist in die Ukraine und trifft sich dort mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
  • Scholz in Japan: Der Bundeskanzler trifft den japanischen Ministerpräsidenten Fumio Kishida und nimmt an einer Veranstaltung zum 60. Gründungstag teil.
  • Gesundheitsminister tagen: Ab 18.30 Uhr beraten die Ministerinnen und Minister der Länder unter anderem die aktuellen Quarantäne- und Isolationsregeln wegen des Coronavirus.

Wer heute wichtig wird

Für die Bundesliga-Klubs RB Leipzig und Eintracht Frankfurt (hier beim Duell am 27. Spieltag in der Red-Bull-Arena) geht es heute auf die große europäische Bühne. Im Hinspiel der Halbfinals in der Europa League trifft die Eintracht auf West Ham United in London und RB empfängt die Rangers aus Glasgow. 

Anpfiff ist jeweils um 21 Uhr. Seit es den Wettbewerb in dieser Form gibt, hat es noch kein deutscher Teilnehmer ins Finale geschafft.

Für die Bundesliga-Klubs RB Leipzig und Eintracht Frankfurt (hier beim Duell am 27. Spieltag in der Red-Bull-Arena) geht es heute auf die große europäische Bühne. Im Hinspiel der Halbfinals in der Europa League trifft die Eintracht auf West Ham United in London und RB empfängt die Rangers aus Glasgow. Anpfiff ist jeweils um 21 Uhr. Seit es den Wettbewerb in dieser Form gibt, hat es noch kein deutscher Teilnehmer ins Finale geschafft.

 

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Chantal Ranke

 

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