Plötzlich ist alles alle

  • Wochen- oder monatelang auf Ware warten – das sind wir in der modernen, globalisierten Welt nicht gewohnt.
  • Die Pandemie wirbelt bei der Rohstoff­nachfrage allerdings einiges durcheinander.
  • Auch beim Impfen ist Knappheit noch immer ein entscheidendes Stichwort.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

können Sie sich daran erinnern, wann Sie das letzte Mal wirklich lange auf eine Ware warten mussten, die Sie kaufen wollten? Ein halbes Jahr auf ein Fahrrad etwa – oder nur Wochen auf eine Fahrradkette? Wenn Sie nicht gerade Eltern sind, die wegen eines neuen Spielzeugtrends verzweifelt vor leer gefegten Regalen nach einem letzten Fidget Spinner gesucht haben oder als Gamingfan die neueste Xbox oder Playstation ergattern wollten, ist langes Warten auf ein Produkt in Ihrem Alltag vermutlich bisher eher selten gewesen. Zu den Vorteilen unserer globalisierten Welt gehört nicht nur eine breite Auswahl von Waren, sondern auch der schnelle Transport – und damit gefühlt eine permanente Verfügbarkeit.

Was aber, wenn plötzlich das Angebot knapp wird? Wenn sich Nachschub nicht schnell heranschaffen lässt und ein Engpass entsteht? Bei einer ganzen Reihe von wichtigen Materialien kommt es derzeit zu solchen Schwierigkeiten. Das trifft Autobauer, Chiphersteller, aber auch Privatleute. Experten befürchten, dass bei Materialien wie Kupfer gar über Jahre Knappheit herrschen wird. Auch bei Aluminium und Holz treibt eine gestiegene Nachfrage die Preise in die Höhe. Schuld daran? Die Verwerfungen der Pandemie und die – offenbar zu schnelle – Erholung der globalen Wirtschaft. Aber auch der Klimaschutz spielt eine Rolle, wie RND-Wirtschafts­korrespondent Frank-Thomas Wenzel analysiert.

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Ein weiterer Faktor: In der Frachtschifffahrt läuft es derzeit nicht rund. Das liegt nicht nur an der Blockade des Suezkanals. Schon bevor die „Ever Given“ sich festfuhr und den Welthandel eine Woche lang in Aufruhr versetzte, knirschte es im System. Warum die Corona-Krise der Branche so zusetzt, hat sich mein Kollege Christoph Höland angesehen.

Tinder für Corona-Impfungen

Stichwort Pandemie, Stichwort Knappheit: Wie läuft es eigentlich beim Impfen? Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits ihren ersten Piks gegen das Coronavirus erhalten. Und die Impfbereitschaft steigt. Fast drei Viertel der Deutschen über 18 Jahre wollen sich laut einer neuen Umfrage immunisieren lassen. Das Problem: Noch immer ist der Impfstoff nicht in ausreichender Menge vorhanden, viele Menschen warten ungeduldig auf ihre Erstimmunisierung.

Damit im Zweifelsfall keine Dosis der begehrten Vakzine verschwendet wird, haben findige Köpfe sich etwas einfallen lassen. Sofort-impfen.de heißt die Plattform, die Arztpraxen mit Restdosen und Impfwillige zusammenbringen will. 800.000 Nutzer haben sich allein in einer Woche angemeldet. Die jungen Gründerinnen und Gründer haben einen Nerv getroffen. Warum sie so erfolgreich sind, hat meine Kollegin Kira von der Brelie ergründet.

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Die Nachfrage nach den Impfstoffen dürfte hoch bleiben. Spätestens 2022, so schätzt es die Ständige Impfkommission, müssen die Corona-Impfungen aufgefrischt werden. Bleibt zu hoffen, dass sich Angebot und Nachfrage bis dahin wieder normalisiert haben.

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Zitat des Tages

Und ja, Kurzstreckenflüge sollte es perspektivisch nicht mehr geben.

Annalena Baerbock, Spitzenkandidatin der Grünen

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, weiß genau, was sie zuerst umsetzen würde, wenn sie Bundeskanzlerin werden sollte: ein „Klimaschutz­sofortprogramm“. Kurzstreckenflüge sollen teurer gemacht werden. Und ja, „perspektivisch“ abgeschafft. Das wird auch mit hohen Bahnpreisen begründet. Hier stimmt etwas mit der Reihenfolge nicht, kommentiert RND-Hauptstadt­korrespondent Tim Szent-Ivanyi.

Leseempfehlungen

Nach einem langen Corona-Lockdown dürfen in Deutschland und Europa immer mehr Hotels wieder für Touristen öffnen. Allerdings nur mit strengen Sicherheits- und Hygiene­maßnahmen. Wer sich zusätzlich absichern möchte, dem können diese Tipps des Reisereporters helfen, noch sicherer zu reisen.

Kämpfer der Hamas schicken jetzt auch Kamikazedrohnen vom Typ Shehab nach Israel, die sich samt Sprengladung in ihre Ziele bohren können. Israels Luftverteidigungssystem Iron Dome holte zwar die ersten Drohnen vom Himmel – könnte aber eines Tages auch seinerseits den Drohnen zum Opfer fallen. Im Gazakrieg droht damit eine unheilvolle Eskalation – denn Teile der Drohnentechnik kommen von Israels Erzfeind Iran, analysiert RND-Chefautor Matthias Koch.

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Eine Ampel ganz für sich allein hat ein Anwohner in einem kleinen Ort bei Potsdam. Direkt vor seinem Haus leuchtet sie nur für ihn und sagt ihm, wann er sein Grundstück verlassen darf und wann nicht. Was sich kinderleicht anhört, klappe in der Praxis aber überhaupt nicht, sagt der 57-Jährige gegenüber der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“.

Termine des Tages

Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nehmen heute einen neuen Anlauf für eine Tarifeinigung. Für diese dritte Tarifrunde hatte die Bahn im Vorfeld ein Angebot angekündigt, ohne zunächst Details zu nennen. Die GDL hingegen hat einen 58 Punkte umfassenden Forderungskatalog vorgelegt.

In Schleswig-Holstein treten heute großflächig Corona-Lockerungen in Kraft, vor allem im Tourismus und in der Gastronomie. Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze dürfen wieder für Urlauber öffnen. Für eine einheitliche Regelung im Land werden die vier Modellprojekte beendet.

Wer heute wichtig wird

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Heute will er es offiziell machen: Auch wenn das Urteil der Ethikkammer des DFB-Sportgerichts über den Nazi-Vergleich von Noch-DFB-Präsident Fritz Keller nach der Verhandlung am vergangenen Freitag noch aussteht, wird am Montag die Rücktrittserklärung des 64-Jährigen erwartet. Wer die Nachfolge antreten wird, ist noch immer unklar. Während DFL-Boss Christian Seifert im RND-Interview erklärt hatte, für den Posten nicht zur Verfügung zu stehen, brachte Schiedsrichter Manuel Gräfe seine Kollegin Bibiana Steinhaus-Webb ins Gespräch. © Quelle: imago images/Christian Schroedter

Der Podcast des Tages

Der Nighttalker Jürgen Domian spricht darüber, wie der Besuch des Gymnasiums sein ganzes Leben verändert und ihm vollkommen neue Welten erschlossen hat. Domian hat sich aus der Unterschicht nach oben gekämpft – und wirbt für mehr Unterstützung für diejenigen, die es auch heute noch schwerer haben als andere. RND-Hauptstadt­korrespondent Tobias Peter lädt alle zwei Wochen zum Gespräch über das Thema Schule.

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Ihre Sabine Gurol

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