Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

„Der Tag“

Pläne für eine bessere Welt

Zum Gelände des Luxus-Hotels im Schloss Weissenhaus sollen Unbefugte künftig keinen Zutritt mehr haben.

Ein Bild wie aus einer anderen, besseren Welt: Schloss Weissenhaus bei Wangels in Schleswig-Holstein.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie das Luxushotel Weissenhaus Grand Village Resort & Spa an der Ostsee? Es liegt zwischen Hohwacht und Heiligenhafen und wirkte immer schon ein bisschen abgeschottet. Inzwischen ist es auch für Besserverdienende nicht mehr zugänglich. Ein Großaufgebot der Polizei umzingelt derzeit das Gelände, sogar von der See her ist das 75 Hektar große Gelände hermetisch abgeriegelt.

Außenministerin Annalena Baerbock empfängt hier morgen ihre Amtskolleginnen und ‑kollegen aus den G7-Staaten. Zwischen Sandstrand und glitzernden Wellnessanlagen trifft man sich im Schlossgut Weissenhaus, dessen Geschichte zurückreicht bis ins 16. Jahrhundert. Bis Sonnabend wollen an diesem speziellen Ort die Abgesandten aus den sieben wichtigsten Industrienationen gemeinsam darüber nachdenken, wie es weitergehen soll mit dieser Welt. Ein erster Grundkonsens steht schon vor Eintreffen der Delegationen fest: Russlands Krieg erzwingt das Zusammenrücken der Demokratien rund um den Globus.

Klare Kante gegen Moskau, weg von Öl und Gas aus Russland: Baerbock ist in diesen Punkten zur Botschafterin der in Deutschland ausgerufenen Zeitenwende geworden. Am Dienstag setzte Baerbock zudem einen Akzent auf menschenrechts­orientierte Außenpolitik: Vor politischen Gesprächen in Kiew besuchte sie den Vorort Butscha, wo russische Soldaten mehr als 400 erschossene Zivilistinnen und Zivilisten hinterlassen hatten.

10. Mai 2022 in Butscha bei Kiew: Außenministerin Annalena Baerbock (rechts), besucht mit Iryna Wenediktowa, Generalstaatsanwältin der Ukraine, die Schauplätze russischer Gräueltaten.

10. Mai 2022 in Butscha bei Kiew: Außenministerin Annalena Baerbock (rechts), besucht mit Iryna Wenediktowa, Generalstaatsanwältin der Ukraine, die Schauplätze russischer Gräueltaten.

In Schloss Weissenhaus muss es indessen um den Blick nach vorn gehen. Ein Massaker wie in Butscha verhindert man am ehesten dadurch, dass man Kriege verhindert. Kriege wiederum verhindert man am ehesten dadurch, dass man Konflikte aller Art so gut es geht zu entschärfen versucht, bevor sie eskalieren.

Die Ukraine ist, wie meine Kollegin Miriam Keilbach heute festhält, nicht der einzige aktuelle Kriegsschauplatz der Welt. Viele andere Konflikte seien gerade „in kollektive Vergessenheit geraten“ (RND+). In Afghanistan etwa kämpfen Taliban, Al-Kaida und IS schon wieder um die Macht, täglich gibt es Tote. Im Jemen wurde eine Waffenruhe vereinbart, von der niemand weiß, wie lange sie hält.

Thema Nummer eins: Eindämmung Russlands

Wo soll man anfangen, wenn man Pläne macht für eine bessere Welt? Als Erstes müssen die G7-Staaten in Schloss Weissenhaus eine überzeugende Russland-Strategie verabreden.

Nicht nur Wladimir Putins Krieg in der Ukraine, auch seine Aufrüstung, etwa mit der teuflischen nuklearen Unterwasserdrohne Poseidon, deutet auf eine Aggressivität gegenüber dem Rest der Welt hin, die dringend eingedämmt werden muss. Wenn es den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan gelingt, Russland im Zaum zu halten, wird dies auch China beeindrucken – und in der Folge rund um die Welt die Demokratien stärken.

Die G7-Staaten sollten auch verabreden, sehr viel mehr zu tun, um in Russland und in China demokratische Gruppen zu stärken. Dass Freiheit und Demokratie das vielleicht allerbeste Mittel gegen die Übel unserer Zeit sind, wird oft übersehen. Von einem Vernichtungskrieg jedenfalls, den zwei Demokratien gegeneinander geführt haben, ist noch nie etwas berichtet worden.

 

Zitat des Tages

Wir sind es diesen Opfern schuldig, dass wir hier nicht nur gedenken, sondern dass wir die Täter zur Verantwortung ziehen.

Außenministerin Annalena Baerbock

bei ihrem Besuch in Butscha

 

Leseempfehlungen

Für Ministerpräsident Hendrik Wüst, seit Oktober 2021 im Amt, liegen große Chancen und große Risiken eng nebeneinander. Verliert er, verschwindet er als Regierungschef mit der kürzesten Amtszeit bundespolitisch in der Versenkung. Gewinnt er aber, käme er als Kanzlerkandidat seiner CDU für 2025 in Betracht. Auch Herausforderer Thomas Kutschaty von der SPD steuert auf die Hero-oder-Zero-Frage zu. Lesen Sie die Reportage von Tobias Peter mit RND+.

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“: Die Serie, ein Aushängeschild von RTL, wird heute 30 Jahre alt. Die Seifenoper feiert mit einer hochdramatischen Episode einen Tag später Geburtstag. Martin Weber geht der Frage nach, warum diese Soap so erfolgreich ist.

 

Aus unserem Netzwerk: Warum Störche ihre Brut töten

Storchbeobachterinnen und ‑beobachter in der Region Hannover sahen sich mit verstörenden Bildern konfrontiert: Störche töteten und verschlangen in den letzten Tagen einen Teil ihrer eigenen Brut. Fachleute haben eine Erklärung für das Verhalten, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (RND+) berichtet: Bei großer Trockenheit wie im Augenblick fehlt es den Störchen an Regenwürmern – in der Not halten sie sich dann an die eigenen Nachkommen.

 

Termine des Tages

Um 9 Uhr gibt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden die Inflationsrate für April 2022 bekannt.

Der Reisekonzern Tui veröffentlicht um 10 Uhr in Hannover Zahlen zum ersten Geschäftshalbjahr 2022.

Zu einem ganztägigen Warnstreik in Kindertagesstätten in Bayern hat für heute die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen für die bundesweit 330.000 Beschäftigten in kommunalen Sozial- und Erziehungs­diensten.

 

Wer heute wichtig wird

Alberto Ángel Fernández, Präsident von Argentinien, ist heute zu Gast bei Olaf Scholz im Kanzleramt. Beide treten um 15.30 Uhr vor die Presse. Der Argentinier wünscht sich mehr europäische Investitionen in seinem Land, Europa wünscht sich einen klareren Kurs gegenüber Russland.

Alberto Ángel Fernández, Präsident von Argentinien, ist heute zu Gast bei Olaf Scholz im Kanzleramt. Beide treten um 15.30 Uhr vor die Presse. Der Argentinier wünscht sich mehr europäische Investitionen in seinem Land, Europa wünscht sich einen klareren Kurs gegenüber Russland.

 

„Der Tag“ als Podcast

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Die News zum Hören

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Matthias Koch

 

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichtenangebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digitalexpertinnen und experten aller Bereiche.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Chefredakteur Marco Fenske: marco.fenske@rnd.de.

Mehr aus Politik