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Pisa-Studie: Fakten von Meinungen in Texten unterscheiden? Deutsche Schüler tun sich schwer

  • Lesen bringt im Internetzeitalter zusätzliche Herausforderungen mit sich.
  • Doch die deutschen Schulen tun sich schwer damit, Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten – wie eine Pisa-Sonderauswertung zeigt.
  • Die GEW warnt vor wachsender Spaltung – auch in digitalen Fragen.
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Berlin. Gerade im Internetzeitalter ist es eine wesentliche Kompetenz, in Texten Fakten von Meinungen zu unterscheiden. Doch weniger als die Hälfte der 15-Jährigen in Deutschland ist in der Lage dazu. Das ist eines der wesentlichen Ergebnisse der Pisa-Sonderauswertung „Lesen im 21. Jahrhundert: Lese- und Schreibkompetenzen in einer digitalen Welt“, die OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher am Dienstag vorgestellt hat.

Die Datenauswertung, die von der Vodafone-Stiftung gefördert wurde, zeigt zudem, dass gut die Hälfte der Schüler angibt, sie würden im Unterricht nicht lernen, subjektive und voreingenommene Texte zu erkennen. Einerseits ist laut Pisa-Ergebnissen das theoretische Wissen der deutschen Jugendlichen in Sachen Internetkompetenz passabel. Andererseits tun sie sich schwer, dieses Wissen in praktisches Handeln umzusetzen.

„Im 20. Jahrhundert ging es im Wesentlichen um das Verstehen linearer Printtexte“, beschrieb Schleicher den Wandel in den Herausforderungen. „Im 21. Jahrhundert finden wir bei Google Tausende konkurrierender Antworten und niemand sagt uns, was richtig oder falsch ist.“ Die Schulen müssten besser dabei werden, Strategien zum Umgang mit dieser Situation zu vermitteln.

„Gerade in einer Demokratie sollte ein Ziel sein, die junge Generation in die Lage zu versetzen, Texte kritisch lesen und die Fakten darin erkennen zu können“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Digitale Medien müssten sinnvoll zu Lernzwecken eingesetzt werden.

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Soziale Unterschiede schlagen voll durch

Herangezogen wurden für die Sonderauswertung Daten aus der letzten Pisa-Studie, die im Dezember 2019 veröffentlicht wurde. Während Deutschland bei der Lesekompetenz insgesamt leicht über dem OECD-Durchschnitt liegt, ist der Erfolg hierzulande weiterhin sehr stark an die soziale Herkunft gekoppelt. Vor allem Jungen aus armen Familien schneiden schlecht ab.

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Während – trotz Digitalisierung – die Zahl der Bücher in wirtschaftlich gut ausgestatteten Haushalten über einen längeren Zeitraum fast gleich geblieben ist, hat sie in ärmeren Familien stark abgenommen. Dabei zeigt die Studie eines ganz genau: Insbesondere das Lesen von Büchern auf Papier geht mit besseren Leistungen beim Leseverständnis einher – stärker als das digitale Lesen.

Im internationalen Vergleich wirkt es sich dabei positiv aus, wenn Schüler im Zusammenhang mit dem Unterricht auch Bücher über 100 Seiten lesen müssen. Auffällig ist, dass laut Pisa-Befragungsdaten in Deutschland die Freude der Schüler am Lesen in den vergangenen Jahren so stark abgenommen hat wie in kaum einem anderen Land.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte einen größeren Einsatz, um unterschiedliche Startchancen in der Schule auszugleichen. „Der Einsatz digitaler Medien hat die Kluft zwischen benachteiligten und privilegierten Jugendlichen vergrößert“, sagte Ilka Hoffmann, im GEW-Vorstand für das Thema Schule zuständig, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Es ist höchste Zeit gegenzusteuern“, setzte sie hinzu. Dafür würden nicht nur digitale Geräte für die Schüler, sondern unter anderem auch Fortbildungsmöglichkeiten für die Lehrer gebraucht.

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