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Pia Lamberty: Corona-Proteste stützen sich auf rechtsextremen Strukturen

Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in Rostock.

Düsseldorf. Die derzeit bundesweit zunehmenden Corona-Proteste stützen sich nach Ansicht der Sozialpsychologin Pia Lamberty auf starke rechtsextreme Strukturen. „Es wird zu selten klar gesagt, dass es sich um Proteste handelt, die mindestens strukturell rechtsextrem sind“, sagte Lamberty dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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„Häufig gibt es die Vorstellung, das seien bürgerliche Proteste, unter die sich einige Rechte gemischt haben. Das ist verkehrt“, sagte sie. Rechtsextreme Kräfte versuchten, die Krisenstimmung in der Gesellschaft zu nutzen.

Antisemitismus und menschenverachtende Parolen

Die Verschärfung der Corona-Maßnahmen wie etwa eine flächendeckende Einführung der 2G-Regel Anfang Dezember sei nur der Anlass für die Proteste, erklärte Lamberty, die Geschäftsführerin des Berliner Center für Monitoring, Analyse und Strategie ist. Es sei absehbar gewesen, dass mit einem Anstieg der Fallzahlen und stärkeren Maßnahmen die Demonstrationen wieder zunehmen würden.

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Wachsende Sorge vor Radikalisierung von Corona-Protesten

In vielen deutschen Städten wurde am Wochenende gegen die Corona-Politik demonstriert. Oft blieb es friedlich, mancherorts ging es aber ziemlich aggressiv zu.

Die Menschen, die nun auf die Straße gingen, wüssten, worauf sie sich einließen, sagte die Forscherin. Der Antisemitismus, die teils menschenverachtenden Parolen auf Demonstrationen und Aufmärschen seien bekannt.

„Diese Menschen haben demnach entweder kein Problem damit oder sie sympathisieren sogar damit.“ Sie betonte, umgekehrt könne man jedoch nicht sagen, dass jeder, der auf einer solchen Demo mitmarschiere, rechtsextrem sei.

Radikalisierung durch Zunahme der Teilnehmer

Lamberty sagte, die psychologische Dynamik von Demonstrationen trage zu einer Radikalisierung bei. „Wer mit 1.000 Menschen auf die Straße geht, fühlt sich in der Mehrheit. Wenn es plötzlich der Nachbar ist, mit dem man zusammen demonstriert, fühlt man sich zusätzlich bestärkt.“

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Zudem komme es öfter zu konzentrierten Protesten vor Wohnhäusern von Politikerinnen und Politikern oder vor Kliniken. Dabei gehe es auch um Raumaneignung. „Damit werden neue Angsträume geschaffen“, erklärte Lamberty.

„Man fährt vielleicht nicht mehr zum Einkaufen, wenn gerade im Ort ein Fackelaufmarsch stattfindet, oder der Klinik-Arzt meidet den Haupteingang, wenn dort Menschen stehen, die seinen Berufsstand bedrohen.“

Lamberty befürchtet mehr Gewalt durch Impfflicht

Sie erwarte mit der möglichen Einführung einer allgemeinen Impfpflicht mehr Gewalt, sagte Lamberty. Das frühzeitig einzufangen, sei deswegen wichtig. „Wenn Menschen aufmarschieren, menschenverachtende Inhalte verbreiten, gegen andere hetzen, sich nicht an die Auflagen halten, müssen Sicherheitsbehörden viel konsequenter darauf reagieren.“

Hinzu komme ein besserer Schutz für diejenigen, die immer wieder bedroht würden. „Die Gewalt im Alltag ist unglaublich präsent, wird von den Sicherheitsbehörden aber oft nicht als politisch motivierte Gewalt verstanden.“ Daneben brauche es Ansätze, um die lokale Zivilgesellschaft zu stärken.

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RND/epd

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