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  • Philologenverband kritisiert: Datenschutzfragen beim digitalen Unterricht nicht geklärt

Philologenverband: Lasst die Lehrer nicht mit Datenschutzfragen allein

  • In Zeiten der Corona-Pandemie sollen auch digitale Angebote den Schülern weiterhelfen.
  • Der Deutsche Philologenverband kritisiert aber, wichtige Datenschutzfragen seien nicht geklärt.
  • Die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing fragt: “Wie lange sollen Lehrkräfte und Schüler denn noch darauf warten – bis Corona vorbei ist?”
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Berlin. Der Deutsche Philologenverband fordert die Länder auf, ausstehende Datenschutzfragen für den Digitalunterricht umgehend zu klären. “Die Lehrer einerseits aufzurufen, beim digitalen Unterricht neue Wege zu gehen, sie mit den Datenschutzproblemen aber alleinzulassen, ist ein unhaltbarer Zustand”, sagte Susanne Lin-Klitzing, die Vorsitzende des Philologenverbandes, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Das muss sich schleunigst ändern.”

Zoom oder nicht Zoom – das ist die Frage

Digitaler Fernunterricht brauche datenschutzrechtliche Klarheit, so Lin-Klitzing. “Diese zu schaffen wäre schon längst Aufgabe aller Kultusminister aller Länder und ihrer Datenschutzbeauftragten gewesen”, kritisierte sie. Das eine Land erlaube Lehrern, Videokonferenzen mit Zoom mit ihren Schülern abzuhalten, das andere verbiete es. Im dritten Land würden die Lehrer gern so verfahren, bekämen aber keine datenschutzrechtliche Klarheit. “Das Ergebnis ist ein großes Chaos, viel zu viele Fragen bleiben offen.” Die Leidtragenden seien die Lehrer und Schüler.

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“Für den digitalen Fernunterricht müssen alle Bundesländer umgehend moderne, funktionierende und datenschutzkonforme Lösungen für Chat, für Videokonferenzen und für Materialverteilung anbieten”, forderte die Vorsitzende des Philologenverbandes konkret. “Diese müssten dann auch für alle zugänglich sein. Oder die jetzt existierenden Kanäle müssen datenschutzrechtlich für die Corona-Zeit freigegeben werden”, sagte Lin-Klitzing. “Wie lange sollen Lehrkräfte und Schüler denn noch darauf warten – bis Corona vorbei ist?”

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Torben Krauß von der Bundesschülerkonferenz spricht über Hygieneprobleme an vielen deutschen Schulen.  © Tobias Peter/RND

Die Vorsitzende des Philologenverbandes führte aus: “Es werden hohe gesellschaftliche Erwartungen an den Fernunterricht gestellt, aber weder ist die digitale Infrastruktur gegeben noch die notwendige Rechtssicherheit für alle Beteiligten.”

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Das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz stelle jetzt allen Schulen das Konferenzsystem Cisco Webex zur Verfügung, sagte Lin-Klitzing. “Das ist ein richtiger Schritt und sollte ähnlich in allen Ländern und auf Ebene der Kultusministerkonferenz umgehend umgesetzt werden.”

Karliczek: Es darf kein Schüler aus dem Blick geraten

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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat nach dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz und der Kanzlerin für eine schrittweise Öffnung der Schulen gemahnt, jeden Schüler so gut wie möglich individuell zu fördern – auch mittels digitaler Bildung. “Es ist wichtig, dass auch in dieser erschwerten Situation keine Schülerin und kein Schüler aus dem Blick gerät”, sagte sie dem RND.

Karliczek kündigte rasche Schritte hin zu besseren digitalen Angeboten an. “Der Koalitionsausschuss hat vor Kurzem beschlossen, weitere 500 Millionen Euro für die Stärkung des digitalen Unterrichts und insbesondere die Versorgung von Schülern aus sozial benachteiligten Familien mit digitalen Endgeräten einzusetzen”, sagte sie. “Gespräche mit den Ländern über die Verwendung dieser Mittel sind im Gange.” Sie sagte weiter: “Es ist gut, dass jetzt die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten vereinbart haben, dass digitale Unterrichtskonzepte und -angebote weiterentwickelt werden sollen.”

Die Ministerin führte aus: “Gute Bildung auch unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen zu ermöglichen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie steht genauso im Vordergrund wie die Anstrengungen, die Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen.” Der Beschluss der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder spiegele das auch wider.


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