Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Warnung vor dramatischer Finanzlage

AOK: Geld in der Pflegeversicherung reicht höchstens noch bis Juli

Die Hand einer Pflegefachkraft liegt auf der Hand einer Bewohnerin des Seniorenheims (Archivbild).

Berlin. Der AOK-Verband hat vor einer dramatischen Finanzlage der Pflegeversicherung gewarnt und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zum raschen Eingreifen aufgefordert. „Der politische Handlungsdruck steigt mit jedem Monat“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK‑Bundesverbandes, Carola Reimann, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir haben in der Pflegeversicherung ein strukturelles Defizit, das durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wird“, betonte sie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gegenwärtig laufe monatlich ein Defizit von 400 Millionen Euro auf, wobei für das Gesamtjahr mit einem Fehlbetrag von 3,5 Milliarden Euro gerechnet werde, erläuterte Reimann. Eine kurzfristig gewährte Überbrückungshilfe des Bundes von 1,2 Milliarden Euro reiche „höchstens“ bis Juli. „Dann ist auch sie aufgebraucht“, warnte die frühere SPD-Politikerin.

Entlastung in der Pflegeversicherung: Große Familien müssen weniger Beiträge zahlen

Das Bundesverfassungsgericht sorgt dafür, dass Eltern mit mehreren Kindern bei der gesetzlichen Pflegeversicherung besser gestellt werden.

„Die Zeit drängt, die Pflegeversicherung braucht zügig eine konkrete Gesetzesinitiative zur nachhaltigen Stärkung ihrer Finanzperspektive, am besten noch im ersten Halbjahr 2022″, sagte Reimann mit Blick auf die Planungen von Lauterbach, erst im zweiten Halbjahr eine Reform anzugehen. Unter Berücksichtigung des Gesamtvolumens der Pflegeversicherung sei die finanzielle Schieflage hier ähnlich groß wie in der gesetzlichen Krankenversicherung, so Reimann. Bei den Krankenkassen wird ein Defizit von 17 Milliarden Euro erwartet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Reimann wies darauf hin, dass die Kostensteigerungen in der Pflegeversicherung der letzten Jahre überwiegend auf die bessere Bezahlung der Pflegekräfte zurückzuführen sei. „Bei der Debatte um die künftige Finanzierung der Pflegeversicherung wird dieser wichtige und gesellschaftspolitisch positive Beitrag oftmals verschwiegen“, so die Ex-Gesundheitsministerin von Niedersachsen.

Privat oder gesetzlich krankenversichert: Für wen lohnt sich welche Option?

Jeder braucht sie – eine Krankenversicherung. Für einige wenige gibt es zwei Optionen zur Auswahl. Die private oder die gesetzliche Krankenversicherung. Was sind die Unterschiede, wer darf sich überhaupt privat versichern lassen? Ein Überblick.

Allerdings seien diese zusätzlichen Kosten durch die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, also die weitere Tarifentwicklung, mehr Pflegekräfte und eine neue Personalbemessung dabei noch nicht eingepreist. „Das muss bei einer Pflegefinanzreform berücksichtigt werden“, mahnte Reimann.

Verbandschefin fordert höheren Steuerzuschuss

Die Verbandschefin forderte einen höheren Steuerzuschuss des Bundes, um sogenannte versicherungsfremde Leistungen zu finanzieren. So koste allein die soziale Absicherung der pflegenden Angehörigen 3 Milliarden Euro pro Jahr. „Sie sollten nicht durch die Pflegeversicherung, sondern durch einen zweckgebundenen Bundesbeitrag finanziert werden“, sagte Reimann.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Pflegeversicherung war bereits 2021 ins Defizit gerutscht, wobei zum Ausgleich Rücklagen genutzt werden mussten. Die Reserven sind aber inzwischen aufgebraucht. Im Koalitionsvertrag haben die Ampelparteien eine „moderate“ Anhebung der Beiträge angekündigt. Derzeit beträgt der Beitragssatz 3,05 Prozent des Bruttoeinkommens, bei Kinderlosen 3,4 Prozent. Um ein Defizit von 3,5 Milliarden Euro auszugleichen, müsste der Beitragssatz um 0,2 Prozentpunkte steigen. Das wäre bei einem Bruttoeinkommen von 3500 Euro ein Plus von 7 Euro im Monat.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.