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Pflegekräfte sollen selbst impfen: Warum mehrere Pflegeverbände davon nichts halten

Sollen Pflegekräfte auch Corona-Impfungen durchführen? Pflegeverbände sind geteilter Meinung.

Damit möglichst schnell allen eine Booster-Impfung angeboten werden kann, sollen bald auch Pflegekräfte impfen dürfen. „Sie haben das in ihrer Ausbildung gelernt und sie sind vor allem in der Langzeitpflege schon dicht an den besonders gefährdeten Menschen und deren Angehörigen dran“, sagte die Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Christel Bienstein, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Pflegefachpersonen sollten unbedingt eigenständig impfen dürfen, wenn man bis Weihnachten 30 Millionen Menschen impfen wolle, so Bienstein weiter.

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Das Ziel von 30 Millionen Impfungen hatte der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag angekündigt. Experten halten diese große Zahl an Impfungen für eine „Riesenaufgabe“ und haben angesichts von Impfstoffmangel Zweifel, wie sie dem RND sagten.

Pflegebranche zwischen „nicht sinnvoll“ und „unbedingt einbinden“

Die Position der Pflegeverbände zur Einbeziehung der Pflegefachkräfte in die Impfkampagne könnten unterschiedlicher nicht sein. „Pflegefachpersonen sollten unbedingt in die Impfkampagne eingebunden werden und eigenständig impfen dürfen“, sagte Christel Bienstein dem RND.

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Dagegen meint der Präsident vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer: „Sie können eine so wichtige Aufgabe wie das Impfen aber nicht einfach nebenbei erledigen“. Die Pflegekräfte seien schon jetzt „mehr als ausgelastet“.

Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands der Dienstleistungswirtschaft (BDWi), sieht es ähnlich wie Meurer: Dass Pflegekräfte auch impfen, sei „nicht sinnvoll“, sagte er dem RND. „Mit Corona müssen Pflegefachkräfte immer mehr zusätzliche Aufgaben bewältigen“, so Heinz und fügte hinzu: „Die Belastungsgrenze ist erreicht“. Erst einmal sollten mobile Impfteams und Ärzte in den Pflegeeinrichtungen boostern, forderte er.

Pflegerat: Stille Pflegereserve reaktivieren

Der Deutsche Pflegerat, ein Dachverband, spricht sich ebenfalls dafür aus, dass Pflegekräfte impfen dürfen und betont, dass sie für das Impfen schließlich qualifiziert seien. „Gleichzeitig könnten aus der stillen Pflegereserve Pflegende, die im Ruhestand sind beziehungsweise nicht mehr im Beruf sind, kurzfristig unterstützen“, so Pflegeratspräsidentin Christine Vogler gegenüber dem RND.

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Bienstein verweist auch auf die niedrigen Hürden, wenn Pflegekräfte impfen dürfen: „Es ist einfach, den Weg zu ebnen, indem die heilkundliche Aufgabe übertragen wird, eine Kurzschulung zu den Impfstoffen erfolgt und die Möglichkeit geschaffen wird, dass sie die Leistung abrechnen können.“

RKI-Chef Wieler: Ausmaß der vierten Welle zeigt sich im Frühjahr

Laut dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI) dürfte das ganze Ausmaß der vierten Corona-Welle erst in einigen Monaten deutlich werden.

Das Robert-Koch-Institut erklärt, es gebe keine gesetzliche Vorschrift, wonach die Durchführung einer Impfung ausschließlich dem Arzt vorbehalten sei. „Pflegekräfte, Arzthelferinnen und Arzthelfer mit entsprechender Ausbildung dürfen auch Arzneimittel verabreichen“, zu denen auch eine Impfung zählt. Ob das Personal in der Lage sei, eine Impfung korrekt zu verabreichen, müsse aber von fachlichen Vorgesetzten oder dem Arbeitgeber geprüft werden.

Allerdings betont das RKI auch: „Notwendig ist jeweils eine gesonderte ärztliche Anordnung, Überwachung und Dokumentation.“ Die Experten raten, dass Impfungen nur in Anwesenheit eines Arztes ausgeführt werden sollten, damit bei unerwarteten Nebenwirkungen und Komplikationen sofort optimale Hilfe geleistet werden könne.

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