Corona: Pflegeschutzbund befürchtet neue Besuchsverbote in Pflegeheimen

  • Viele Einrichtungen erlassen laut dem Pflegeschutzbund Biva aus Angst vor dem Corona-Erregern unverhältnismäßige Besuchs- und Ausgangsregeln.
  • Die Maßnahmen in einigen Häusern seien in ihrem Bundesländern gar nicht vorgesehen.
  • Die Bundesregierung will Besuchsverbote vermeiden.
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Berlin. Der Pflegeschutzbund Biva befürchtet neue Besuchsverbote in Alten- und Pflegeheimen. Viele Einrichtungen erließen bereits aus Angst unverhältnismäßige Besuchs- und Ausgangsregeln, die in ihrem Bundesland gar nicht vorgesehen seien, sagte der Vorstandsvorsitzende der Interessenvertretung für Pflegebedürftige, Manfred Stegger, der Tageszeitung „Die Welt“ (Donnerstag). Einzelnen Einrichtungen, etwa in Hessen und Bayern, hätten bereits wieder zugemacht. In Chemnitz gelte bereits seit Dienstag ein Besuchsverbot in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

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Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, betonte, er wolle Besuchsverbote unbedingt vermeiden. Es müsse „alles dafür getan werden“, dass es auch künftig nicht zu einer Isolation der Älteren komme, sagte er der Zeitung. Derzeit sehe er keinen Grund für vollständige Besuchsverbote, es sei denn, es habe einen Infektionsausbruch in der jeweiligen Einrichtung gegeben.

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Uneinheitliche Besucherkonzepte

Zudem kritisiert Westerfellhaus uneinheitliche Besuchskonzepte der Einrichtungen. „Es kann mir keiner erklären, warum in einem Heim täglich Besuch für eine Stunde möglich ist und 20 Kilometer weiter in einem vergleichbaren anderen nur einmal in der Woche für 30 Minuten“, sagte er. Es brauche dringend eine einheitlichere Richtschnur für Besuchskonzepte. Er selbst arbeite derzeit „mit Hochdruck“ an einer übergreifenden Handreichung für die Einrichtungen.

In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) kündigte Westerfellhaus an, die einheitlichen Regeln „in wenigen Wochen, deutlich vor Weihnachten“ vorzulegen. Der Rahmen werde den Einrichtungen Sicherheit geben. Die Ausarbeitung werde von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Robert Koch-Institut unterstützt, auch die Heime sollten einbezogen werden, sagte der Bevollmächtigte.

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Kritik an den angekündigten Schnelltests

Patientenschützer kritisierten unterdessen die angekündigten Schnelltests für Pflege- und Altenheime als völlig unzureichend. Die neue Schnelltest-Strategie sei für Pflegebedürftige eine Mogelpackung, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). In der Altenpflege werde von der versprochenen zusätzlichen Sicherheit nicht viel ankommen, da die Test-Kontingente zu stark reduziert worden seien. Mit den geplanten Antigentests will Gesundheitsminister Spahn verhindern, dass Heime trotz steigender Corona-Infektionen Besuchsverbote verhängen müssen.

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Westerfellhaus widersprach dem Patientenschützer. Die Einrichtungen hätten händeringend auf die Schnelltests gewartet und könnten jetzt endlich loslegen, sagte er der Zeitung. Wenn die Produktionsketten gut liefen, könnte womöglich mehr Tests bereitgestellt werden. Der Bevollmächtigte forderte Vorrang für Pflegebedürftige: „Eines muss klar sein: Die verfügbaren Tests müssen zielgerichtet für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser eingesetzt werden und nicht für Fußballstadien oder Diskotheken. Der Schutz der vulnerablen Gruppen muss oberste Priorität haben.“

RND/epd

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