Pfingsten: Kirchen rufen zu Zusammenhalt und Mut auf

  • Zum Fest des Heiligen Geistes rufen evangelische und katholische Geistliche zu mehr Toleranz, Zusammenhalt und Mut in Zeiten der Corona-Pandemie auf.
  • Papst Franziskus konnte seine Messe wieder am Hauptaltar des Petersdoms abhalten.
  • Sein Mittagsgebet nutzte er auch, um auf die Situation in Kolumbien aufmerksam zu machen.
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Rom. Evangelische und katholische Geistliche haben ihre Pfingstpredigten zum Anlass genommen, um zu mehr Zusammenhalt und Mut in Pandemiezeiten aufzurufen. Auch der Verzicht auf Gewalt sowie die Toleranz gegenüber Andersdenkenden waren Themen, die die Andachten zum Fest des Heiligen Geistes prägten.

Papst Franziskus: „Nicht in Leistungsdenken verfallen“

Papst Franziskus hat in der Messe zum Pfingstsonntag die Gläubigen und die Kirche angehalten, nicht in ein Leistungsdenken zu verfallen. Nur wer sich Gott anvertraue, finde zu sich selbst, sagte das 84 Jahre alte Oberhaupt der katholischen Kirche im Petersdom in Rom. Das gelte auch für die Kirche. Es gelinge jedoch nicht, wenn man seinen Projekten, Strukturen und Reformplänen Vorrang gebe.

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Franziskus feierte die Messe am Hauptaltar des Petersdoms, weshalb mehr Menschen dabei sein konnten. Mehrere Hundert Gläubige und Kardinäle saßen in den Bänken und auf den Stühlen um den Altar. In der Corona-Pandemie wurden zuvor viele Gottesdienste im hinteren Teil des Doms und mit deutlich weniger Teilnehmern begangen.

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Zum traditionellen Mittagsgebet vor vielen Pilgern und Gläubigen auf dem Petersplatz betete Franziskus unter anderem für die Menschen in Kolumbien. Die Situation in dem südamerikanischen Land, in dem es seit Wochen Protesten kommt, sei besorgniserregend. Der Papst rief dazu auf, einen Dialog zu starten und keine für die Bevölkerung nachteiligen Maßnahmen zu treffen.

Kardinal Woelki: Wichtig, „eine neue Sprache miteinander zu finden“

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Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat zu Pfingsten dazu aufgerufen, gesellschaftliche Differenzen auszuhalten und im Dialog zu bleiben. „Ich habe den Eindruck, unsere ganze Gesellschaft driftet immer mehr auseinander“, sagte der Kardinal am Pfingstsonntag im Domradio. Es sei wichtig, „eine neue Sprache miteinander zu finden, durch die wir einander wirklich hören und verstehen.“ Das sei nur möglich, wenn gegenseitige Verachtung überwunden werde.

Woelki sagte, er erlebe selbst Hass, Aggressivität und Beschimpfungen im Internet. Vielen anderen Menschen gehe es ebenso. Die gesellschaftlichen Gräben würden mit jeder Hasstirade tiefer. Gesellschaftliche Gruppen würden sich immer fremder. Daraus entstünden „fast schon eigene Kulturen, die sich in ihrer Bubble abschotten und unter dem Radar der gesellschaftlichen Gemeinschaft fliegen“, mahnte der Kardinal.

Bedford-Strohm: Pandemie zeigte den Menschen ihre Grenzen auf

Neben einer „tiefen Müdigkeit“ sei Nachdenklichkeit das beherrschende Gefühl vieler Menschen, sagte Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in seiner Predigt in der Münchner Matthäuskirche. Die Pandemie habe den Menschen schmerzlich ihre Grenzen aufgezeigt. Das könne aber der erste Schritt für „ein gutes Leben“ in diesen Grenzen sein.

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Als Konsequenz aus der Pandemie sollten die Menschen ihre Endlichkeit annehmen, „anstatt wissenschaftlichen Heillehren aus der digitalen Welt“ auf den Leim zu gehen. Sie sollten die Unverfügbarkeit des Lebens achten, mit den Ressourcen der Natur schonend umgehen und den eigenen materiellen Besitz auf ein Maß beschränken, das ein würdevolles Leben für alle ermögliche, sagte der bayerische evangelische Landesbischof.

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Georg Bätzing: Heiliger Geist als „Atem Gottes“

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, betonte in seiner Predigt im Limburger Dom: „Nie zuvor ist mir die Metapher vom ‚Atem Gottes‘ für den Heiligen Geist so nah und tröstlich gewesen wie jetzt in Zeiten der Pandemie.“ Die Bezeichnung „Atem Gottes“ sei nicht zufällig eine der ältesten Metaphern für den Heiligen Geist, sagte der Limburger Bischof. Und durch das Coronavirus sei gerade das Selbstverständlichste der Welt betroffen, nämlich das Atmen.

„Atmen heißt Leben. Diese Pandemie entpuppt sich als ‚Atemstörung‘ nicht nur in medizinischer Hinsicht“, sagte Bätzing. Der Kirche sei an Pfingsten der Heilige Geist, der Lebensatem Gottes, eingehaucht worden. Dieser schöpfe Neues und gebe Leben.

Vielfalt, Toleranz und gesellschaftliches Miteinander

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover unterstrich in seiner Predigt den Wert der gesellschaftlichen Vielfalt und des Miteinanders. Die Aufforderung des Pfingstfestes laute, verschiedene Perspektiven zu kombinieren und verschiedene Sichtweisen miteinander zu verbinden, betonte er.

Auch der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July rief die Gesellschaft zum aufeinander Hören und zum einander verstehen Wollen auf. „Wenn nicht mehr gehört wird, wird Verschiedenheit zum Brandbeschleuniger“, warnte July gerade mit Blick auf die antisemitischen Vorfälle und Äußerungen bei Kundgebungen zum Nahost-Konflikt.

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Kardinal Marx: Zeichen setzen gegen Rassismus und Antisemitismus

Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx rief die Christen auf, gegen Rassismus und Antisemitismus ein „Zeichen der Einheit aller Menschen“ zu setzen. Der evangelische hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung betonte die besondere Kraft des Glaubens, die Menschen in einer immer vielfältigeren Welt zusammenführe.

50 Tage nach Ostern feiern Christen das Pfingstfest und die Osterzeit geht damit zu Ende. Es gehört zu den Hochfesten im katholischen Kirchenjahr. Das Fest erinnert an das sogenannte Sprachwunder an Pfingsten.

Der biblischen Überlieferung nach kam der Heilige Geist auf die Jünger herab, und sie begannen, in fremden Sprachen zu sprechen. Dadurch seien sie zu einer Einheit geworden, und konnten so die Botschaft Jesu ohne Sprachbarriere anderen Menschen verkünden. Pfingsten wird deshalb mitunter als „Geburtstag der Kirche“ bezeichnet.

RND/dpa/epd

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